Luftsicherheit Wirbelwarner soll Fliegen sicherer machen

Flugzeuge ziehen gefährliche, oft kilometerlange Luftwirbel hinter sich her und müssen deswegen große Sicherheitsabstände einhalten. Mit einem neuen Warnsystem wollen deutsche Forscher den Luftraum besser ausnutzen.

Von , Braunschweig


Flughäfen, Brücken und Tunnel gesperrt, Hochhäuser geräumt, Kampfjets in der Luft - am Morgen des 12. November 2001 schien der Terror nach New York zurückgekehrt. Über Rockaway Beach im Stadtteil Queens war ein vollbesetzter Airbus A300-605R abgestürzt. Kurz nach dem Start vom John F. Kennedy Airport war die Maschine, die auf dem Weg in die Dominikanische Republik war, zerbrochen. Aus rund 800 Metern Höhe krachte sie zu Boden. Alle 260 Insassen des Flugzeugs kamen ums Leben, fünf weitere Menschen am Boden.

Was wie ein Anschlag aussah, entpuppte sich als Unglück: Der Airbus, das zeigte der Untersuchungsbericht des National Transportation Safety Board, war auf Runway 31L des Flughafens zu nah hinter einer Boeing 747-400 der Japan Airlines gestartet. Dabei war das kleinere American-Airlines-Flugzeug von den sogenannten Wirbelschleppen des Jumbos erfasst worden. Der Co-Pilot versuchte, die Turbulenzen auszugleichen. Er beschleunigte die Maschine und trat mehrfach hart auf die Pedale für das Ruder am Heck, wie er es im Training gelernt hatte. Doch das war ein fataler Fehler: Das Leitwerk wurde zu stark belastet und brach ab - die Katastrophe nahm ihren Lauf.

"Beim Flug durch eine Wirbelschleppe können extreme Belastungen für die Flugzeugstrukturen auftreten", Stefan Levedag, Chef des Instituts für Flugsystemtechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Turbulenzen entstehen hinter jedem Flieger durch die an Tragflächen entlangströmende Luft. Je größer und schwerer die Maschine, desto kraftvoller werden die Wirbelschleppen. Lotsen legen, abhängig vom Flugzeugtyp, kilometerlange Sicherheitsabstände zwischen den Jets fest, weil die rotierenden Wirbel sonst zur Gefahr für nachfolgende Flieger werden könnten. Auch am Boden können sie Schaden anrichten.

Technik soll bessere Nutzung möglich machen

Doch Europas Luftraum ist voll - und wird noch voller. Nach einer Prognose von Eurocontrol wird die Zahl der Flüge über dem Kontinent bis zum Jahr 2035 um 50 Prozent steigen, wenn man die Daten von 2012 zugrunde legt. "In Mitteleuropa können wegen Bürgerprotesten de facto keine neuen Startbahnen mehr gebaut werden. Daher wäre es gut, die einzelnen Maschinen enger zu takten", sagt Stefan Levedag. Wer es schafft, die Sicherheitsabstände ohne Gefahr zu verkürzen, kann die Kapazität der Flughäfen erhöhen.

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Wirbelschleppen: Tückische Turbulenzen
Deswegen testen die DLR-Forscher jetzt eine Technik, die Flugzeugcrews auf die tückischen Luftbewegungen hinweisen soll. Diese soll vergleichsweise simpel sein, im Gegensatz zu aufwendigen Lasersystemen, die bereits vom DLR für die Wirbelschleppenwarnung getestet wurden.

Grundlage der aktuellen Lösung sind nun die Flugdaten der vorausfliegenden Maschinen, wie Geschwindigkeit, Flugzeugtyp, Flughöhe. Diese Informationen senden die Jets über ein System namens ADS-B. Für die Wirbelschleppenwarnung verwenden die Wissenschaftler außerdem noch aktuelle Wetterinfos.

Zwei Forschungsflugzeuge des DLR testen den Wirbelwarner seit Donnerstag in der Praxis. Dazu heben die Jets vom Flughafen Braunschweig ab und fliegen in einen für die Versuche gesperrten Bereich über Mecklenburg-Vorpommern. In diesem sogenannten Temporary Reserved Airspace fliegt dann eine Dassault Falcon 20E vorneweg. Sie sammelt normalerweise Luftproben für die Atmosphärenforschung. Doch beim aktuellen Test ist sie dafür da, die Luft absichtlich zu verwirbeln.

Der kleinen Maschine dicht auf der Spur ist ein Airbus A320, das größte Forschungsflugzeug des DLR. Es hat die Technik des Wirbelschleppenwarners an Bord. Dafür sind mehrere Sitzreihen ausgebaut worden.

"Es rumpelt ein bisschen"

Die Crew um Kapitän Hans-Jürgen Berns wird von einem Extra-Display im Cockpit über die tückischen Luftbewegungen informiert und fliegt dann in etwa zehn Kilometern Höhe absichtlich hinein, um die Information zu prüfen. In einer Art Kleeblattmuster jagen beide Maschinen gut zwei Stunden immer wieder über das Areal rund um Neubrandenburg. Maximal drei Sekunden bleiben die Piloten in der Wirbelschleppe, um Probleme mit den Triebwerken zu vermeiden.

Die Wirbel sind einige Minuten stabil, dann sinken sie langsam nach unten ab und lösen sich auf - und die Gefahr für nachfolgende Maschinen ist gebannt. Doch wie schnell das passiert, hängt von der Witterung ab. Das neue System soll diesen Faktor vorhersagen.

Generiert werden die Warnungen für die Besatzung durch mehrere Computer im Passagierbereich des Airbus. Dort sitzt Fethi Abdelmoula vom DLR-Institut für Flugsystemtechnik: "Es rumpelt ein bisschen, wenn man durch die Wirbelschleppe fliegt", sagt er. Das liegt daran, dass die Dassault Falcon deutlich kleiner ist als der Airbus. Umgekehrt wäre sehr viel mehr Gerüttel zu bemerken.

Nach dem ersten Versuch zeigen sich die Forscher zufrieden: Das System habe die Wirbelschleppen tatsächlich korrekt vorhergesagt, sagt Abdelmoula. An zwei weiteren Testtagen wolle man nun noch andere Wetterbedingungen und Flugmanöver ausprobieren.

Bis das System im Regelbetrieb eingesetzt wird, dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Die Fachgremien der Zivilluftfahrtbehörde ICAO wollen ebenso überzeugt werden wie die Experten der zuständigen Flugsicherheitsbehörden in den USA (FAA) und Europa (EASA) - egal wie erfolgreich die Experimente jetzt auch laufen mögen. "Das ist nichts, was in den nächsten ein, zwei Jahren auf den Markt kommt", sagt Institutschef Levedag.

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Seite 1
Ursprung 12.04.2014
1. Wettkampf-Schleppen
Zitat von sysopDLRFlugzeuge ziehen gefährliche, oft kilometerlange Luftwirbel hinter sich her und müssen deswegen große Sicherheitsabstände einhalten. Mit einem neuen Warnsystem wollen deutsche Forscher den Luftraum besser ausnutzen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/wirbelschleppen-dlr-testet-warnsystem-fuer-flugzeuge-a-963876.html
Das ist bei Seglers auch so: viele hundert Meter lang ist die "Wirbelschleppe", hier "Abwind" genannt und dient dem fuer Seglerlaien unverstaendlichem strategischen Kampf gegen den Konkurrenten, diesen in den "Abwind" zu bringen, bzw. sich aus ihm rauszuhalten.
latelounge123 12.04.2014
2. Perversion der Mobilität
Da kann man doch nur sagen: Herzlichen Dank ! Das ist also die Antwort des DLR auf Bürgerproteste. Man kann zwar keine neuen Startbahnen mehr bauen, aber dafür verdichten wir den Flugverkehr noch mehr. Unfassbar, welche Ignoranz hier demonstriert wird. Macht ja nichts, ich hätte da evtl. auch noch einen Vorschlag: Diese blöden Wutbürger mir ihren nervigen Interessen an Lebensqualität sollte man einfach aus dem Bereich der Flughäfen absiedeln. Und das ganze für das zweifelhafte Vergnügen eines Holzklassenflugs mit minimalem Service, der sich mittlerweile auch für die Veranstalter des ganzen Theaters kaum lohnt (siehe http://www.spiegel.de/reise/aktuell/recaro-chef-mark-hiller-ueber-flugzeugsitze-der-zukunft-a-963491.html) Zitat:"Die Luftfahrtindustrie ist nicht sehr profitabel. Viele Fluglinien schreiben Verluste." Man kann nur hoffen, daß die eine oder andere Rahmenbedingung (Steuern, Sprit) diesem Schwachsinn endlich ein Ende bereiten.
stefan412 12.04.2014
3. fehlende Wirbelschleppen
Die fehlenden Wirbelschleppen bei den beiden angeblichen Einschlägen in die Twin Towers am 9/11 beweisen dass die offizielle Version der US-Behörden nicht stimmen kann. Die Rauchsäulen an den Gebäuden zeigen keine Verwirbelungen, solche hätten es geben müssen wenn wirklich Passagierjets eingeschlägen wären. Auf kritische Fragen zum 9/11 sind sowohl die Medien(offenbar kein Interesse) wie auch die US-Behörden gar nicht erpicht darauf einzugehen.
austromir 12.04.2014
4. Gefährlich
Zitat von sysopDLRFlugzeuge ziehen gefährliche, oft kilometerlange Luftwirbel hinter sich her und müssen deswegen große Sicherheitsabstände einhalten. Mit einem neuen Warnsystem wollen deutsche Forscher den Luftraum besser ausnutzen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/wirbelschleppen-dlr-testet-warnsystem-fuer-flugzeuge-a-963876.html
Nimmt man die derzeitige Qualität der Simulation in diesem Bereich so ist klar: man möchte nicht in einem Flugzeug sitzen dem das neue Verfahren die Freigabe zum Start erteilt hat. So überzieht man die Prognosefähigkeit von Simulationen und verunsichert unnötig die Öffentlichkeit.
Atomkrafteimer 12.04.2014
5. Aporpos
Zitat von latelounge123Da kann man doch nur sagen: Herzlichen Dank ! Das ist also die Antwort des DLR auf Bürgerproteste. Man kann zwar keine neuen Startbahnen mehr bauen, aber dafür verdichten wir den Flugverkehr noch mehr. Unfassbar, welche Ignoranz hier demonstriert wird. Macht ja nichts, ich hätte da evtl. auch noch einen Vorschlag: Diese blöden Wutbürger mir ihren nervigen Interessen an Lebensqualität sollte man einfach aus dem Bereich der Flughäfen absiedeln. Und das ganze für das zweifelhafte Vergnügen eines Holzklassenflugs mit minimalem Service, der sich mittlerweile auch für die Veranstalter des ganzen Theaters kaum lohnt (siehe http://www.spiegel.de/reise/aktuell/recaro-chef-mark-hiller-ueber-flugzeugsitze-der-zukunft-a-963491.html) Zitat:"Die Luftfahrtindustrie ist nicht sehr profitabel. Viele Fluglinien schreiben Verluste." Man kann nur hoffen, daß die eine oder andere Rahmenbedingung (Steuern, Sprit) diesem Schwachsinn endlich ein Ende bereiten.
Apropos Ignoranz. Wie im Artikel bereits erwähnt, soll sich bis 2035 das Luftverkehrsaufkommen verdoppeln. Das heißt noch mehr Passagiere und noch mehr Fracht. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie vermutlich auch schon einmal geflogen sind und die ein oder andere Postsendung - dank Luftfahrt - schneller erhalten haben, gehen täglich allein in Deutschland mehr Menschen in die Luft als Bürgerbewegungen zu diesem Thema zusammengenommen an Mitgliedern haben. Wenn man es hardcore-demokratisch betrachteten würde, sind die fliegenden Menschen in einer grundsätzlichen Mehrheit. Natürlich, Demokratie bedeutet nicht, dass Mehrheiten, nur weil sie in der Mehrheit sind, alles auf dem Rücken von Minderheiten tun und lassen dürfen. Umgekehrt können aber auch nicht ständig Partikularinteressen das Mehrheitsinteresse blockieren. Sie werfen der Luftfahrtbranche Ignoranz vor. Das mag durchaus so sein. Aber die meisten Bürgerbewegungen sind nicht weniger ignorant, wenn sie die Tatsache der steigenden Nachfrage außen vor lassen. Steigenden Nachfragen mit simplen Dagegensein oder künstlicher Verknappung zu begegnen ist langfristig sinnlos. Es braucht vernünftige Alternativen. Der Witz an der Sache ist jedoch, dass diese Alternativen, z.B. eine ICE-Neubaustrecke, dann wieder von anderen Bürgerbewegungen bekämpft werden, die keine Hochgeschwindigkeitstrasse durch ihren Vorgarten sehen wollen.
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