Wirtschaftskrise: CO2-Ausstoß steigt auch in der Flaute

Die Kohlendioxid-Konzentration in der Luft wird immer stärker. Selbst während der weltweiten Wirtschaftskrise haben die CO2-Emissionen 2011 um drei Prozent zugenommen. Ein Erfolg der Weltklimakonferenz in Durban wird immer unwahrscheinlicher.

Siedlung nahe einem Kraftwerk in Peking: China ist der weltweit größte CO2-Verursacher Zur Großansicht
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Siedlung nahe einem Kraftwerk in Peking: China ist der weltweit größte CO2-Verursacher

Berlin - 2011 war ein schwaches Jahr für die Wirtschaft. Dennoch sind die globalen Kohlendioxid-Emissionen aus der Industrie um drei Prozent gestiegen, wie eine am Montag veröffentlichte Studie zeigt. Damit wächst der Druck, dass die Uno-Klimakonferenz in Südafrika zu Ergebnissen kommt. Das Global Carbon Project weist jährlich in einer Karte die aktuelle CO2-Verschmutzung weltweit aus. Die jetzigen Ergebnisse zeigen, dass sich die Emissionen zwar während der Finanzkrise 2008 und 2009 verlangsamt haben - aber nicht nachhaltig. 2010 stieg die CO2-Verschmutzung um sechs Prozent und 2011 eben noch weiter.

Und das hat dramatische Folgen: Das Ansteigen der Konzentration der Treibhausgase führt zu einer erhöhten Absorption der Sonnenstrahlung und damit zu einem Anstieg der Temperaturen. Zu etwa zwei Dritteln ist der Effekt auf die CO2-Belastung zurückzuführen. Diese entsteht vor allem durch das Verbrennen fossiler Kraftstoffe und die Rodung von Wäldern.

"Die globale Finanzkrise war eine Gelegenheit für die Weltwirtschaft, sich von ihrem Emissionskurs zu verabschieden. Unsere Ergebnisse geben keinen Hinweis darauf, dass dies geschieht ", sagen die Autoren der Studie, die in der Zeitschrift "Nature Climate Change" veröffentlicht wurde.

Die Zunahme der CO2-Verschmutzung geht der Studie zufolge vor allem auf einige wenige große Entwicklungsländer zurück. Und das, obwohl die weltweite Finanzkrise durchaus langfristige umweltfreundlichere Konjunkturprogramme hervorgebracht hat - etwa in China, Südkorea und den USA. Dennoch: Allein die Emissionen aus China, dem weltweit größten CO2-Verursacher, verdoppelten sich von 2002 bis 2010, wie die Studie zeigt.

Die CO2-Emissionen der Menschheit steigen seit Jahren an, 2010 sogar schneller als je zuvor. Ein Teil des Kohlendioxids, aber nicht alles, wird in sogenannten Kohlenstoffsenken gebunden. Dazu zählen die Meere und die Wälder. Deshalb ist es auch wenig überraschend, dass die CO2-Konzentration immer weiter steigt.

Kaum Ergebnisse von Klimakonferenz erwartet

Die Hoffnung, dass bei der Klimakonferenz in Durban tatsächlich Fortschritte erzielt werden, schwindet täglich weiter. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet kaum noch entscheidende Ergebnisse. In der "wirklich wichtigen Frage", nämlich der Verlängerung des Kyoto-Protokolls, werde es kaum vorangehen, sagte sie in ihrem am Wochenende veröffentlichten Video-Podcast. Die Schwellenländer seien zurzeit eben nicht bereit, sich bindend auf eine Minderung ihrer Kohlendioxid-Emissionen zu verpflichten.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vermisst nach der ersten Verhandlungswoche beim Weltklimagipfel ebenfalls ermutigende Fortschritte. Ann-Kathrin Schneider, BUND-Beobachterin in Durban, erklärte, zwar lägen Vorschläge für eine zweite Kyoto-Verpflichtungsperiode auf dem Tisch, jedoch enthielten sie noch keine Zahlen zur Minderung der Kohlendioxid-Emissionen in den Industriestaaten.

Seit dem 28. November wird auf der Uno-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban über den Kampf gegen die Treibhausgase beraten. 15.000 Klimaexperten diskutieren über die Frage, ob der Kyoto-Prozess noch zu retten ist. Vor allem Entwicklungsländer wollen diesen Pfad beibehalten, weil er rechtlich bindende Verpflichtungen für die Industrieländer vorschreibt.

Die 37 Staaten, die sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls bis 2012 zu konkreten CO2-Reduzierungszielen verpflichtet haben, verursachen knapp 30 Prozent der klimaschädlichen Kohlendioxidausstöße. Die Unterzeichner allein können daher die Erderwärmung nicht auf zwei Grad begrenzen, selbst wenn sie deutlich weniger CO2 ausstoßen würden. Allein aus China und den USA kommen laut Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) fast 45 Prozent der Emissionen.

China trat zwar dem Kyoto-Protokoll von 1997 bei, mit Blick auf den damaligen Status als Entwicklungsland verpflichtete es sich aber nicht, den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern. Die USA, nach China zweitgrößter Verursacher von CO2, machten bei Kyoto gar nicht mit. Es ist bisher das einzige verbindliche Instrument zur internationalen Begrenzung der CO2-Ausstöße.

ler/Reuters/dapd

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