Resolution zum Hochwasserschutz Wissenschaftler setzen auf Verantwortung der Anwohner

Deutschland erlebte erneut eine Hochwasser-Katastrophe - was muss jetzt getan werden? 16 Experten fordern mehr Initiative von Bürgern, die von Fluten bedroht sind. Auch politische und technologische Verbesserungen seien nötig.

Wärmebild des Deiches am Rothenseer Verbindungskanal: Vom Hubschrauber aus haben Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe die Temperatur des Bodens gemessen. Blaue Bereiche (mit gelben Ovalen markiert) zeigen Wasser, das durch den Boden ins Hinterland gesickert ist. Gelbe Bereiche auf der Deichkrone (mit schwarzen Ovalen markiert) zeigen kühle Flächen - sie sind vermutlich durchfeuchtet.
BRG

Wärmebild des Deiches am Rothenseer Verbindungskanal: Vom Hubschrauber aus haben Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe die Temperatur des Bodens gemessen. Blaue Bereiche (mit gelben Ovalen markiert) zeigen Wasser, das durch den Boden ins Hinterland gesickert ist. Gelbe Bereiche auf der Deichkrone (mit schwarzen Ovalen markiert) zeigen kühle Flächen - sie sind vermutlich durchfeuchtet.


Hamburg - 16 Professoren für Wasserbau und Hydrologie fordern in einer Resolution einen besseren gesellschaftlichen Dialog zum Hochwasserschutz in Deutschland. Insbesondere gefordert sei die "Eigenverantwortung betroffener Bürger und deren Bereitschaft zur eigenen Risikowahrnehmung und zur Mitwirkung", heißt es in dem Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Der Konsens der Bürger bestimme, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten. Die Gesellschaft müsse sich entscheiden, wie viel Sicherheit sie möchte. Die aktuelle Katastrophe habe etwa in Grimma gezeigt, dass Bewohner gefordert seien, ihr Risiko abzuwägen. In Grimma und in anderen Orten war die Errichtung einer Flutschutzmauer am Widerstand von Bürgern gescheitert.

Es müssten gleichwohl Prioritäten gesetzt werden, schreiben die 16 Experten um Andreas Schumann von der Ruhr-Universität Bochum: "Ein vollständiger Hochwasserschutz ist ökonomisch nicht sinnvoll und oftmals auch technisch nicht möglich." Zu klären sei, was auf jeden Fall verhindert werden sollte, "zum Beispiel der Verlust von Menschenleben und das Versagen kritischer Infrastruktur".

Allein die Errichtung neuer Flutungsflächen an den Flüssen könnte die Gefahr nicht wirksam mindern, schreiben die Forscher. Der Rückbau von Deichen und die Umsiedlung von Bürgern könne nur greifen, wenn die Maßnahmen politisch und gesellschaftlich akzeptiert würden. "Die vielfältigen Ausnahmeregelungen zur Ausweisung neuer Baugebiete in Überschwemmungsgebieten lassen aber daran zweifeln", heißt es in der Resolution.

Angesichts der Aussicht, dass wohl weiterhin in Flussauen gesiedelt werde, könne auf technische Maßnahmen zum Hochwasserschutz nicht verzichtet werden. Die Forscher fordern folgende Maßnahmen:

  • Künstlich angelegte Rückhaltebecken und steuerbare Flutpolder sollten Deiche ergänzen.
  • Konzepte müssten länderübergreifend gestaltet, die "föderale Zersplitterung im Hochwasserschutz" überwunden werden, schließlich seien Gemeinden im Unterlauf abhängig davon, wie viel Wasser im Oberlauf abfließen könne.
  • Gefordert seien neue bautechnische Ansätze für den Schutz von Siedlungen, sowie hochwassersichere Bauten.
  • Neue Systeme zur Deichüberwachung sollten eingesetzt werden. Dazu gehören etwa Hubschrauber-Sonden, deren Wärmebilder durchfeuchtete Schwachstellen in Deichen feststellen können (siehe Abbildung).

boj

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
gog-magog 17.06.2013
1.
Es ist davon auszugehen, dass die Wissenschaftler in allen Belangen Recht haben. Daher ergeben sich zwangsläufig folgende Sofortmaßnahmen: 1. Verbot einer Ausweisung von Baugebieten in Flut-Risikogebieten 2. Übernahme der Versicherungslast für bereits ausgewiesene solche Baugebiete durch die Kommunen 3. Grundsteuer-Zuschlag für bestehende bebaute Grundstücke in solchen Risikolagen und Einzahlung in einen Flut-Risikofonds 4. Besteuerung von Hochwasser-Versicherungsgewinnen und Einzahlung in den Flut-Risikofonds 5. Langfristige Umsiedlung von häufiger überfluteten Siedlungsgebieten in sichere Gegenden und Renaturierung der gewonnenen Flächen 6. Länderübergreifende nationale Hochwasser-Schutzsysteme ohne Rücksicht auf die Wünsche von Grundstückseigentümern Wenn das umgesetzt ist, kann man über weitere Maßnahmen nachdenken.
raumzeit3000 17.06.2013
2. interessant
Gut, dass man auch mal was von Wissenschaftler dazu hört. Ich finde, sie haben recht.
gog-magog 17.06.2013
3.
Zitat von raumzeit3000Gut, dass man auch mal was von Wissenschaftler dazu hört. Ich finde, sie haben recht.
Die Wissenschafler sagen das übrigens schon immer. Man muss nicht dort bauen, wo ein Erbgemeinderat oder anderer Amigo das feuchte Äckerchen vom Urgroßvater versilbern will.
na,na,na 17.06.2013
4. Ich finde es seltsam, dass Spenden Orgien
über das Fernsehen laufen, wo gebettelt wird. Es ist eine Unverschämtheit, denn wir Alle und zwar jede Person zahlt tagtäglich Solidaritätszuschalg. Diese Abgabe müsste unbedingt dafür hergenommen werden, die Betroffenenzu entschädigen und nicht als Zubrot für Schäubles Haushalt zu dienen. Wir sollten die Bundesregierung zwingen diese Abgabe für die Flutopfer zu verwenden.
diedenker 17.06.2013
5. Vorgesagte Katastrophe
Anstatt der Eigentümer des Autohauses seine teuren Autos zur Sicherheit in Sicherheit bringt, stellt man noch möglichst viele unverkäufliche Gebrauchtwagen dazu und kassiert die maximale Versicherungssummer. Es steigen die Versicherungsprämien und der dumme Deutsche wird mit einem Solidaritätsfonds belastet. In meiner alten Heimat im Schwarzwald gibt es auch viele Neubaugebiete an Bachläufen mit idyllischen Terassen und Grillpätzen. Unsere Grossväter wussten, dass es dort alle 20-30 Jahre mal zu Überschwemmungen gab, heute will das niemand mehr wissen und stellt sich heulend vor die Kamera. Die Behörden gehören geschlagen und die Menschen müssen endlich mal beginnen um die Ecke zu denken. Natürlich gibt es Flutopfer und wer vergeblich bis zur Erschöpfung gekämpft hat wird das alles ungerecht finden, aber wenn ich hinterm Deich baue, dann so, dass sich im Notfall mindestens die erste Etage schnell räumen lässt, möchte man meinen. Gleiches ist in der Schweiz in den Lawinenhängen passiert. Das kann einige Jahrzehnte gut gehen und dann passiert es halt wieder. Gesunden Menschenverstand einschalten und nicht immer die Allgemeinheit für das eigene Unglück verantwortlich machen. Wer keine Versicherung hatte, der kann auch keine Versicherungsleistung erwarten. So einfach ist das. Wieso sollte der Bürger der brav seine Steuern zahlt und auch eine Versicherung hat mit dem Fonds nun für die Bürger bezahlen die keine Versicherung hatten?
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