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18. November 2016, 18:29 Uhr

World Solar Challenge in Australien

Projekt Sonnenwagen

Tausende Kilometer durch Australien, nur mit Sonnenenergie. Ein Studententeam aus Aachen stellt sich der Herausforderung bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Solarrennwagen.

Die Leistung eines Föhns reicht völlig, um bei der World Solar Challenge ganz vorn mitzufahren. Das hofft zumindest Hendrik Löbberding. Er ist der Vorsitzende des Sonnenwagenprojekts an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Der Sonnenwagen soll nur mit Solarenergie fahren, und zwar so schnell, dass er eine Weltmeisterschaft gewinnen kann. So ist der Plan.

Derzeit tüfteln die Aachener Studenten noch an dem Projekt. Am Freitag enthüllten sie ein erstes Modell. Der Prototyp soll Ende des Jahres fertig sein. 2017 wollen sie dann bei der World Solar Challenge ganz vorn mitfahren.

Die inoffizielle Weltmeisterschaft der Solarwagen findet alle zwei Jahre statt - die Rennstrecke führt 3000 Kilometer weit quer durch Australien. Los geht es in Darwin im Norden des Landes, Zieleinfahrt ist an der Südküste in Adelaide.

Der Rekord liegt bei 102 km/h

Gefahren wird nur tagsüber. Der bisherige Spitzenreiter ist der Nuna 4. Der Solarflitzer ist 2005 für die Universität Delft (Niederlande) an den Start gegangen und schaffte die Strecke in 29 Stunden und 11 Minuten, die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 102 Kilometer pro Stunde.

Das erste Rennen fand 1987 statt, der Gewinner SunRaycer schaffte knapp 70 Kilometer in der Stunde. 2015 traten 45 Solarautos an. Die Teilnehmer kommen meist von Universitäten und Technikinstituten.

Nicht mal jedes zweite Auto schafft es ins Ziel

"Wir möchten zeigen, dass E-Mobilität machbar ist", erklärt Löbberding die Teilnahme der Aachener. Der Sonnenwagen wird allerdings nicht ganz billig - die Studenten rechnen mit mehreren Hunderttausend Euro. Es gebe aber bereits mehrere Sponsoren.

An dem Projekt arbeiten mittlerweile mehr als 40 Studenten aus verschiedenen Ingenieurgebieten mit. Das Ziel lautet: ankommen. Bei dem Rennen gelinge dies im Schnitt nur 30 bis 40 Prozent der Wagen, so Löbberding.

Das Besondere an ihrem etwa vier Meter langen Modell seien das Gewicht und die Form, erklärt Löbberding. Mit 150 Kilogramm werde es sehr leicht und mit seinem flachen Design sehr windschnittig. Mit einem Kilowatt - etwa der Leistung eines Föhns - soll der Sonnenwagen 80 km/h erreichen.

Ausgestattet wird das Fahrzeug mit hocheffektiven Solarzellen, die viel von der Sonneneinstrahlung in elektrische Energie umwandeln. Das Computer-Herzstück des Wagens berechnet während der Fahrt aus aktuellen Daten etwa zu Wind, Sonne und Streckenverlauf die optimale Geschwindigkeit.

Die RWTH ist nach der Uni Bochum die zweite deutsche Hochschule, die bei der World Solar Challenge 2017 an den Start geht. Die Rallye findet vom 8. bis zum 15. Oktober wie gewohnt in Australien statt.

koe/dpa

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