World Solar Challenge in Australien Projekt Sonnenwagen

Tausende Kilometer durch Australien, nur mit Sonnenenergie. Ein Studententeam aus Aachen stellt sich der Herausforderung bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Solarrennwagen.

DPA

Die Leistung eines Föhns reicht völlig, um bei der World Solar Challenge ganz vorn mitzufahren. Das hofft zumindest Hendrik Löbberding. Er ist der Vorsitzende des Sonnenwagenprojekts an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Der Sonnenwagen soll nur mit Solarenergie fahren, und zwar so schnell, dass er eine Weltmeisterschaft gewinnen kann. So ist der Plan.

Derzeit tüfteln die Aachener Studenten noch an dem Projekt. Am Freitag enthüllten sie ein erstes Modell. Der Prototyp soll Ende des Jahres fertig sein. 2017 wollen sie dann bei der World Solar Challenge ganz vorn mitfahren.

Die inoffizielle Weltmeisterschaft der Solarwagen findet alle zwei Jahre statt - die Rennstrecke führt 3000 Kilometer weit quer durch Australien. Los geht es in Darwin im Norden des Landes, Zieleinfahrt ist an der Südküste in Adelaide.

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Solar World Challenge: Das Rennen der Öko-Autos

Der Rekord liegt bei 102 km/h

Gefahren wird nur tagsüber. Der bisherige Spitzenreiter ist der Nuna 4. Der Solarflitzer ist 2005 für die Universität Delft (Niederlande) an den Start gegangen und schaffte die Strecke in 29 Stunden und 11 Minuten, die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 102 Kilometer pro Stunde.

Das erste Rennen fand 1987 statt, der Gewinner SunRaycer schaffte knapp 70 Kilometer in der Stunde. 2015 traten 45 Solarautos an. Die Teilnehmer kommen meist von Universitäten und Technikinstituten.

Nicht mal jedes zweite Auto schafft es ins Ziel

"Wir möchten zeigen, dass E-Mobilität machbar ist", erklärt Löbberding die Teilnahme der Aachener. Der Sonnenwagen wird allerdings nicht ganz billig - die Studenten rechnen mit mehreren Hunderttausend Euro. Es gebe aber bereits mehrere Sponsoren.

An dem Projekt arbeiten mittlerweile mehr als 40 Studenten aus verschiedenen Ingenieurgebieten mit. Das Ziel lautet: ankommen. Bei dem Rennen gelinge dies im Schnitt nur 30 bis 40 Prozent der Wagen, so Löbberding.

Das Besondere an ihrem etwa vier Meter langen Modell seien das Gewicht und die Form, erklärt Löbberding. Mit 150 Kilogramm werde es sehr leicht und mit seinem flachen Design sehr windschnittig. Mit einem Kilowatt - etwa der Leistung eines Föhns - soll der Sonnenwagen 80 km/h erreichen.

Bridgestone

Ausgestattet wird das Fahrzeug mit hocheffektiven Solarzellen, die viel von der Sonneneinstrahlung in elektrische Energie umwandeln. Das Computer-Herzstück des Wagens berechnet während der Fahrt aus aktuellen Daten etwa zu Wind, Sonne und Streckenverlauf die optimale Geschwindigkeit.

Die RWTH ist nach der Uni Bochum die zweite deutsche Hochschule, die bei der World Solar Challenge 2017 an den Start geht. Die Rallye findet vom 8. bis zum 15. Oktober wie gewohnt in Australien statt.

koe/dpa



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colinchapman 18.11.2016
1. einfache Rechnung
im australischen Sommer kann man ungefähr die "perfekte" Solarkonstante von 1,3 kW/qm ansetzen, bei 4m Länge und 1,5m Breite sind as 6qm oder ca. 7-8kW eingestrahlte Leistung. hochwertige Solarzellen bringen 25-30 Prozent Ausbeute, macht circa 2kW elektrische Eingangsleistung. Daraus resultieren die anderthalb Kilowatt mechanische Ausgangsleistung. damit wird man leider nie ein vollwertiges Fahrzeug antreiben können, nicht einmal dann, wenn man es nur zweimal täglich für eine halbe Stunde bewegt und es ansonsten in der Sonne zum Laden stehen lassen kann. und im deutschen Winter strahlen tagsüber vielleicht nur 150 Watt pro Quadratmeter ein, damit könnte man gerade mal das Abblendlicht am Auto betreiben. Die Solar Challenge ist eine nette Fingerübung, aber halt nur eine Fingerübung. Die physikalischen Grenzen sind die Solarkonstante und der photovoltaische Wirkungsgrad.
gummikuh23 18.11.2016
2.
Moin, ich gebe Dir Recht mit Deiner Rechnung, das zeigt nur, dass die Showcars der Messen Quatsch sind, zumal bei normalen Autos die Dachfläche erheblich kleiner ist. Mit einer PV Anlage reicht das aber gerade beinallen Jahreszeiten, die nicht Winter heißen locker. Ich finde die Challenge gut. Das Ziel ist sicher nicht, das jemals in Serie zu bringen, ich denke aber, dass daraus Erkenntnisse gewonnen werden, die die Studies mitnehmen, wenn sie später bei den Autoherstellern zu arbeiten anfangen.
mr.andersson 18.11.2016
3.
Zitat von colinchapmanim australischen Sommer kann man ungefähr die "perfekte" Solarkonstante von 1,3 kW/qm ansetzen, bei 4m Länge und 1,5m Breite sind as 6qm oder ca. 7-8kW eingestrahlte Leistung. hochwertige Solarzellen bringen 25-30 Prozent Ausbeute, macht circa 2kW elektrische Eingangsleistung. Daraus resultieren die anderthalb Kilowatt mechanische Ausgangsleistung. damit wird man leider nie ein vollwertiges Fahrzeug antreiben können, nicht einmal dann, wenn man es nur zweimal täglich für eine halbe Stunde bewegt und es ansonsten in der Sonne zum Laden stehen lassen kann. und im deutschen Winter strahlen tagsüber vielleicht nur 150 Watt pro Quadratmeter ein, damit könnte man gerade mal das Abblendlicht am Auto betreiben. Die Solar Challenge ist eine nette Fingerübung, aber halt nur eine Fingerübung. Die physikalischen Grenzen sind die Solarkonstante und der photovoltaische Wirkungsgrad.
Nope, da bei absolut klarer Sicht ohne irgendwelche Wolken rund 25% von der Atmosphäre reflektiert und absorbiert werden. Es sieht also noch schlechter aus. Aber darum geht es gar nicht, niemand wird jemals so ein Auto auf reguläre Strassen schicken wollen. Es geht darum mediale Aufmerksamkeit für das Forschungsgebiet zu bekommen und Drittmittel zu holen. Die gewonnen Erkentnisse können dann in anderen Solarprojekten verarbeitet werden.
Poco Loco 19.11.2016
4.
Auch wenn noch keine Serienreife besteht und so ein Fahrzeug im tagtäglichen Gebrauch noch nicht praktikabel ist, finde ich es doch bemerkenswert, dass es möglich ist alleine nur mit der Kraft der Sonne, 3000 KM in nur 29:11 h zurückzulegen. Zeigt es doch welches Potential in der Solarenergie steckt und wir vielleicht mal in Autos fahren können, die weder Batterien, Stromtankstellen oder Fossile Brennstoffe dazu benötigen.
karl-felix 22.11.2016
5. Na,ja
Zitat von colinchapmanim australischen Sommer kann man ungefähr die "perfekte" Solarkonstante von 1,3 kW/qm ansetzen, bei 4m Länge und 1,5m Breite sind as 6qm oder ca. 7-8kW eingestrahlte Leistung. hochwertige Solarzellen bringen 25-30 Prozent Ausbeute, macht circa 2kW elektrische Eingangsleistung. Daraus resultieren die anderthalb Kilowatt mechanische Ausgangsleistung. damit wird man leider nie ein vollwertiges Fahrzeug antreiben können, nicht einmal dann, wenn man es nur zweimal täglich für eine halbe Stunde bewegt und es ansonsten in der Sonne zum Laden stehen lassen kann. und im deutschen Winter strahlen tagsüber vielleicht nur 150 Watt pro Quadratmeter ein, damit könnte man gerade mal das Abblendlicht am Auto betreiben. Die Solar Challenge ist eine nette Fingerübung, aber halt nur eine Fingerübung. Die physikalischen Grenzen sind die Solarkonstante und der photovoltaische Wirkungsgrad.
mit der Einstellung kann man auch auf Bäumen überleben , nur ist das dem Menschen halt nicht gegeben . Der ist ein denkendes und lernendes Wesen und im Gegensatz zu Ihnen davon überzeugt, dass es technisch kein grosses Problem ist, die Sonnenenergie z.B. eines Fabrikdaches von VW in ein Fahrzeug zu übertragen , nichts spricht also dagegen , die Energie von einigen Quadratkilometern ( anstatt Ihrer 6 qm )Fotovoltaik-module zu nutzen oder den Wirkungsgrad der Module ( aus Ihren 25-30 % machten die Forscher im Labor auch schon mal vor Jahren ca. 45% ) Sie sehen , es ist in erster Linie eine Frage der menschlichen Intelligenz und die wird gerade mal wieder in Australien in bewunderswerter Weise vorgestellt. Ein erfüllter Trau , sich nur mit Hilfe des Lichtes über 3000 km fortzubewegen . Tolle Leistung. Aber schön , von Ihren Bedenkenb einmal gehört zu haben . Guckst Du, wie man das macht, lernst Du : www.kommunal-erneuerbar.de/de/206/energiegenossenschaften/erfolgreiche-beispiele/volkswagen-belegschaftsgenossenschaft.html Kann es sein , dass Ihnen die Trauben zu sauer sind weil die Mädels und Jungs Sie mangels Qualifikation nicht mitspielen lassen ? Kommt mir so vor wie die damalige physikalische Grenze der Eisenbahngegner von 30km/h , darüber geht nur der Tod. Ich finde das toll, was da ein paar Studenten auf die Beine stellen . Und schon die Steigerung des Durchschnittes von 70 km/h auf 102 km/h ist - wenngleich Geschwindigkeit nicht = Fortschritt ist , doch schon ein Fortschritt! Chapeau .
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