X-47B: Stealth-Kampfdrohne startet erstmals von Flugzeugträger

Von Markus Becker

DPA

Zum ersten Mal ist eine US-Stealth-Kampfdrohne von einem Flugzeugträger gestartet. Zuvor hat die X-47B bereits die Landung auf einem Trägerdeck an Land erfolgreich simuliert. Die Drohne verspricht den USA einen entscheidenden Vorteil im Ringen um die Macht im Pazifikraum.

Die USA haben den Drohnenkrieg in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet, doch sie wollen mehr: Der unbemannte fliegende Killer der Zukunft soll für gegnerisches Radar kaum sichtbar, dank Strahlantrieb enorm schnell und außerdem schwerer bewaffnet sein als bisherige Kampfdrohnen.

Die X-47B bietet einen Ausblick auf diese Zukunft: Die Drohne, die aussieht wie eine Miniaturversion des Tarnkappen-Langstreckenbombers B-2 "Spirit", hat in den vergangenen Tagen entscheidende Etappen in ihrer Entwicklung absolviert. Erst vergangene Woche ist sie an Land erfolgreich auf dem nachgebauten Deck eines Flugzeugträgers gelandet. Ein solches Manöver ist für Kampfpiloten eine enorme Herausforderung, für ein unbemanntes und bewaffnetes Flugzeug gilt es als technisch extrem diffizil.

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X-47B: Amerikas neuer fliegender Killer
Am Dienstag hat die Drohne einen weiteren Test bestanden: den Start vom Deck des Flugzeugträgers "George H. W. Bush". Die X-47B hob vor der Küste Virginias wie ein normales Kampfflugzeug mit Hilfe eines dampfgetrieben Katapults ab und landete später an der Naval Air Station in Patuxent River (US-Bundesstaat Maryland).

"Wir haben heute Geschichte erlebt", jubelte Konteradmiral Ted Branch, Kommandeur der US-Marineflieger im Atlantik. Der Start der X-47B markiere den Übergang "von der Marinefliegerei der Vergangenheit zur Marinefliegerei der Zukunft". Im Sommer soll die X-47B erstmals auf dem Deck eines echten Flugzeugträgers landen, der sich - anders als der Nachbau an Land - bewegt.

Schneller Einsatz rund um den Globus

Der Einsatz auf Flugzeugträgern gilt als Schlüsselfähigkeit der X-47B. Auf diese Art soll das US-Militär praktisch überall in der Welt in relativ kurzer Zeit mit bewaffneten Drohnen zuschlagen können. Derzeit ist das nur sehr begrenzt möglich: Die bisherigen Kampfdrohnen der Typen "Predator" und "Reaper" sind propellergetrieben und damit relativ langsam, für gegnerisches Radar leicht aufzuspüren und für moderne Kampfflugzeuge eine leichte Beute. Aufgrund ihrer geringen Reichweite müssen sie in den jeweiligen Konfliktgebieten stationiert werden, was nur mit Erlaubnis der betreffenden Länder möglich ist.

Die trägergestützte X-47B hat diese Nachteile nicht. Zudem ist ihre maximale Zuladung mit mehr als zwei Tonnen doppelt so groß wie die der "Reaper" und etwa viermal so groß wie die der "Predator". Auch ist sie autonomer: Während die älteren Modelle üblicherweise von einem Piloten aus der Ferne gesteuert werden, soll die X-47B nach Angaben der US-Marine ihre Missionen vollautomatisch erfüllen können. Laut Branch sei es sogar möglich, dass ein Pilot mehrere Drohnen zugleich kontrolliere.

Kritiker bemängeln, dass der immer massivere Einsatz der fliegenden Killer für zahllose Tote unter Zivilisten verantwortlich sei, das Ansehen der USA beschädige und in naher Zukunft auch andere Staaten in die Entwicklung von Kampfdrohnen treiben werde.

Doch Militärexperten sehen in den unbemannten Kampfflugzeugen (Unmanned Combat Aerial Vehicles, kurz UCAV) die Zukunft der Luftkriegsführung. Als ein Beleg gilt ausgerechnet die Entwicklung der neuesten bemannten Kampfjets F-22 und F-35. Insbesondere die F-35, auch als "Joint Strike Fighter" bekannt, ist von Problemen geplagt und sorgt für gigantische Kosten. Die geplante Anschaffung von 2400 Maschinen wird nach letzten Schätzungen wohl 1,5 Billionen Dollar kosten - doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

"Der letzte bemannte Kampfjet, den die USA bauen"

Die F-35 "könnte der letzte bemannte Kampfjet sein, den die USA jemals bauen", meint James Lewis vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington. "Bemannte Kampfflugzeuge sind teuer, komplex, und bei jedem Start von einem Flugzeugträger setzt man Menschen Gefahren aus." Drohnen zu Lande, zu Wasser und in der Luft seien deshalb die Zukunft der Kriegführung. "Es wird eine Kriegführung sein, die etwas weniger riskant für Menschen ist und vielleicht ein wenig effektiver beim Einsatz von Waffen", meint Lewis - auch wenn das geringere Risiko vor allem die Nutzer der Drohne betreffen dürfte.

Ähnlich äußerte sich Admiral Branch: "Unbemannte Systeme bieten sich an, wenn das Ziel schwer verteidigt oder aus anderen Gründen so gefährlich ist, dass wir keine bemannten Flugzeuge einsetzen würden." Kritiker wenden an dieser Stelle gern ein, dass dies auch die Hemmschwelle für Angriffe senke: Wo früher keiner stattgefunden hätte, werde jetzt eine Drohne losgeschickt.

Zudem ist die Reichweite der X-47B mit rund 4000 Kilometern in etwa doppelt so groß wie die der F-35. "Das macht sie strategisch bedeutend", sagte CSIS-Analyst Anthony Cordesman. Militärexperten denken vor allem an den Pazifikraum, der wieder verstärkt in den Fokus der US-Außenpolitik gerückt ist. Die X-47B könnte hier in der Region äußerst nützlich sein, da dort mit leistungsfähigeren Flugabwehrsystemen zu rechen ist als etwa in Afghanistan oder im Jemen. "Im Pazifik braucht die Marine immer größere Reichweite", sagt Brien Alkire vom US-Thinktank Rand Corporation. "Ein unbemanntes System kann diese Lücke füllen."

Mit Material von Reuters und AP

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insgesamt 121 Beiträge
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1. mhh
tadelicious 15.05.2013
Starten sollte nicht so das Problem sein, eher das Landen.
2. Was kostet dieses Ding?
fritzlothar 15.05.2013
Könnten sich die amerikanischen und sonstigen Christen vielleicht mal dazu durchringen, auch nur 10% der Kosten eines solchen Mordwerkzeuges an SPRI in Stockholm zu geben, damit die Friedensforschung Momentum bekommt? Das wäre wahrhaftige Nächstenliebe. Bevor mir jetzt Einseitigkeit vorgeworfen wird: das gilt selbstverständlich auch für Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten und sämtliche anderen Religionen. Alle predigen Frieden, jedoch keine lebt das wirklich.
3. Richtig so!
susuki 15.05.2013
Menschen in Überschall-Flieger, Raumkapseln und ähnlichem am Leben zu erhalten ist eine Verschwendung von Resourcen. Die Technik ein paar Bombengürtel oder Sturmgewehr tragende Religiöse Fanatiker kampfunfähig zu machen lässt sich sicher auf die Grösse eines Modelfliegers miniaturisieren.
4. Ich sehe das nicht als Vorteil,
radeberger78 15.05.2013
Zitat von sysopDie erste Stealth-Kampfdrohne der USA hat entscheidende Hürden auf dem Weg zum Einsatz genommen: Die X-47B ist erstmals von einem Flugzeugträger gestartet, zuvor wurde die Landung auf einem Trägerdeck an Land erfolgreich simuliert. X-47B: Stealth-Kampfdrohne startet von Flugzeugträger - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/x-47b-stealth-kampfdrohne-startet-von-flugzeugtraeger-a-899970.html)
angeblich können die Chinesen Satelliten anhand ihres eigenen GPS Signals orten und abschießen. In einem Konflikt ist die Drohne daher absolut wertlos, oder kann Sie ohne GPS fliegen?
5. Landen ist die "Kunst"!
Airkraft 15.05.2013
Starten ist einfach, besonders mit einem Katapult. Erst bei der Landung (speziell auf einem Flugzeugträger) "trennt sich die Spreu vom Weizen". Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass auch das klappen wird.
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