US-Militär: Rätsel um Flug des Hyperschall-Geschosses
Das US-Militär hat das Hyperschall-Geschoss X-51A "Waverider" zum dritten Mal fliegen lassen. Ob der Test ein Erfolg war oder mit einem erneuten Fehlschlag endete, ist bislang unbekannt. Doch sollte der "Wellenreiter" sterben, hat das Pentagon schon eine Alternative parat.
Hyperschall-Waffen sind derzeit en vogue beim US-Militär. Seit langem schon verfolgen die amerikanischen Streitkräfte die Vision, binnen einer Stunde jedes Ziel weltweit treffen zu können. Das Problem: Langstreckenbomber und Marschflugkörper sind zu langsam, ganz zu schweigen von Flugzeugträgern. Interkontinentalraketen wiederum wären zwar schnell genug und könnten mit konventionellen Sprengköpfen versehen werden. Doch wäre eine solche Rakete für andere Staaten nicht von einer nuklear bestückten zu unterscheiden - und könnten so einen Atomkrieg auslösen.
Hyperschall-Geschosse sollen diese Lücke füllen: Dank ihrer enormen Geschwindigkeit könnten sie in der Lage sein, weit entfernte Ziele in kurzer Zeit zu erreichen. Allerdings müssten sie dafür zunächst mehr als nur einige Minuten fliegen können - und darin lag bisher das Problem.
Das US-Militär hat deshalb jetzt zum dritten Mal die X-51A "Waverider" getestet. Das Fluggerät, ausgestattet mit einem sogenannten Scramjet-Antrieb, sollte am Dienstag etwa fünf Minuten lang eine Geschwindigkeit von fast 6000 Kilometern pro Stunde erreichen. Ein Sprecher der Edwards Air Force Base in Kalifornien bestätigte gegenüber der "Washington Post", dass der Flug stattgefunden habe. Nur: Über den Verlauf des Experiments schweigt das Militär bisher.
Ritt auf der Schockwelle
Ein erneuter Fehlschlag wäre ein empfindlicher Rückschlag für die US-Luftwaffe und die Pentagon-Forschungsabteilung Darpa, die die X-51A vom Boeing-Konzern entwickeln lassen. Der erste Testflug im Mai 2010 wurde noch als Erfolg gefeiert - obwohl schon damals nicht alles nach Plan lief. Die Ernüchterung folgte dann ein Jahr später, als ein weiterer Prototyp schon nach kurzer Zeit abstürzte. Der Scramjet-Antrieb, den es eigentlich zu testen galt, sprang erst gar nicht an.
Über den dritten Test wurde bislang nur bekannt, dass ein B-52-Bomber wie geplant von der Edwards Air Force Base abgehoben ist - mit der X-51A unter einer Tragfläche. Der Experimentalflieger sollte in einer Höhe von rund 15 Kilometern über dem Pazifik abgekoppelt und von seinem Raketenantrieb auf viereinhalbfache Schallgeschwindigkeit beschleunigt werden. Dann sollte der Scramjet-Antrieb übernehmen und die Geschwindigkeit auf etwa Mach 6 steigern. Bei diesem Tempo soll die X-51A auf seiner selbst erzeugten Schockwelle reiten - deshalb auch sein Beiname "Waverider".
In den Scramjet-Antrieb setzen Militärs und Raumfahrtingenieure große Hoffnungen. Der "Supersonic Combustion Ramjet" ("Überschall-Verbrennungs-Staustrahltriebwerk") besitzt praktisch keine beweglichen Teile und nutzt den Effekt, dass die Luft bei hohen Fluggeschwindigkeiten mit enormer Gewalt in den Einlass gepresst wird. Schaufelräder, die in herkömmlichen Strahltriebwerken die Luft verdichten, fehlen im Scramjet. So werden Geschwindigkeiten möglich, die konventionelle Triebwerke niemals aushalten würden. Im Jahr 2004 erreichte ein früheres Modell, die X-43, mit einem Scramjet fast zehnfache Schallgeschwindigkeit.
Sollte der dritte Test der X-51A fehlschlagen, könnte dies nach Ansicht von Experten durchaus das Ende des Projekts bedeuten. Doch für diesen Fall hat das US-Militär bereits eine Alternative parat: Ein Hyperschall-Gleiter, der mit einer Rakete bis in den erdnahen Weltraum gebracht wird und dann mit bis zu 20.000 km/h auf sein Ziel zustürzt. Der letzte Test des "Hypersonic Technology Vehicle 2" (HTV-2) fand im November 2011 statt und galt als Erfolg. Allerdings hatte man die Bedingungen entschärft, nachdem es im August 2011 bereits einen Fehlschlag gegeben hatte.
Die Darpa äußert sich dennoch äußerst optimistisch über die Zukunft der Hyperschall-Technologie: Erst im Juli ließ sie wissen, dass sie schon 2016 den Flug eines Prototypen mit 20facher Schallgeschwindigkeit für machbar hält.
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