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Zahnersatz Neue Beißer aus dem Automaten

2. Teil: Die Silikonmasse gehört eines Tages der Vergangenheit an

Zahnersatz wird nicht nur aus Keramik, sondern auch aus verschiedenen Metallen maschinell hergestellt. Allerdings ist dabei nicht immer Fräsen das Verfahren der Wahl. "Bei Goldkronen ist es Humbug, weil zwei Drittel als Staub verloren gehen", erklärt Thomas Riehl, Leiter der Anwendungsberatung bei Bego Goldschlägerei. Die Rückgewinnung des Materials ist zwar möglich, aber zu aufwendig. Aus diesem Grund passte der Betrieb das sogenannte Lasersinter-Verfahren, mit dem sonst Bauteile gefertigt werden, an die Herstellung von Zahnersatz an: Dabei lenkt der Computer einen haarfeinen Laserstrahl ringförmig durch ein Häufchen mit Metallstaub aus Silber, Gold oder einer Chrom-Cobalt-Legierung. Wo der Strahl das Material auf einige hundert Grad Celsius erhitzt, schmilzt es zunächst und backt durch die Hitze zusammen. Auf die verfestigte Metallfläche wird dann erneut Staub aufgetragen und wieder ringförmig gebacken. So wächst das Objekt Schicht um Schicht in die Höhe. Eine Brücke aus Goldpulver kann mit diesem Verfahren etwa in einer halben Stunde fertiggestellt werden.

Bisher ist der Bremer Familienbetrieb laut eigenen Angaben der einzige in Deutschland, der Edelmetalle automatisiert bearbeiten kann. "Es darf dabei allerdings keine Luft in die Maschinen gelangen. Sonst bilden sich Oxide im Zahnersatz, und er kann später brechen", erklärt Riehl die technische Herausforderung. Die Bremer Manufaktur hat sich vor anderthalb Jahren in eine moderne Brücken- und Kronenfabrik verwandelt. Mittlerweile summen in ihren Räumen neben drei Fräsanlagen für Keramik auch fünf Laserschmelzmaschinen für Metalle. Stündlich treffen neue Datensätze von gescannten Gebissen aus den Praxen ein, bis zu tausend Kronen und Brücken verlassen pro Tag das Werk. Die Branche rechnet damit, dass sich auch das Lasersintern rasch als Fertigungstechnik durchsetzen wird.

Die Mundscanner sind noch im Versuchsstadium

Und der Automatisierungstrend in der Dentalbranche geht noch weiter. Die neueste Entwicklung: Die Dentalfirmen wollen auch das ungeliebte Abdrucknehmen ersetzen und die auszubessernde Zahnreihe direkt mit einer Kamera aufnehmen. Auf diese Weise kann der Arzt Zeit sparen, wenn er das digitale Gebissfoto direkt an ein Fertigungszentrum schickt. Die Firma 3M Espe mit Sitz in Seefeld machte auf der diesjährigen Internationalen Dental-Schau mit einem Mundscanner von der Größe einer elektrischen Zahnbürste Schlagzeilen. Sirona Dental Systems aus Bensheim folgte mit einer Intraoralkamera - und auch Hintersehr hat einen Mundscanner entwickelt.

Die Daten für die automatisierte Fertigung ermitteln die Unternehmen durch unterschiedliche optische Verfahren. 3M bestrahlt die Zähne etwa mit einem Laser und wertet das zurückgeworfene Licht aus. Die Systeme von Sirona und Hintersehr wiederum setzen auf die Streifenlichtprojektion: Dabei wirft ein Projektor Lichtmuster auf den Zahn, der dann fotografiert wird. Anschließend berechnet eine Software aus der Krümmung der Lichtstreifen ein dreidimensionales Bild des Zahnstumpfes und daraus die erforderliche Krone.

Die Anbieter werben mit der hohen Präzision der Aufnahmen. Doch nicht alle Anwender sind von der Ausgereiftheit der Systeme überzeugt. "Diese Scanverfahren sind fehleranfälliger und nicht so präzise wie das Einscannen der Gipsmodelle", sagt Kleinert. Andere bemängeln, dass Blut und Speichel die Messung durch Spiegelungen verfälschen können. Um dieses Problem zu vermeiden, bietet Sirona ein Spray an, mit dem vor den Aufnahmen eine Lösung mit Titandioxidpartikeln auf die Zähne aufgebracht wird. Dadurch entsteht eine matte, kontrastreiche Oberfläche. Manch potentiellem Anwender ist zudem der Scanbereich zu klein. "Man kann einzelne Zähne aufnehmen. Aber das ist keine hochwertige Versorgung", so Rübeling. "Im Moment sind die Mundscanner eher im Versuchsstadium", sekundiert Bego-Experte Riehl.

Aber auch wenn bei den Geräten Verbesserungsbedarf besteht und sie noch nicht zur Standardausrüstung gehören - kaum ein Experte bezweifelt, dass die Silikonmasse eines Tages der Vergangenheit angehören wird. Nicht jeden macht das glücklich: "Es ist unbefriedigend zu sehen, wie Maschinen und Computer den Job übernehmen", sagt Zahntechnikerin Klose. Viele ihrer Kollegen haben den Beruf längst gewechselt, manche wurden arbeitslos. "Ganz verzichten wird man auf uns nicht können, weil es immer noch Sonderanfertigungen gibt", sagt sie. Hintersehr sieht es inzwischen pragmatisch: "Anfangs habe ich mir auch viele Gedanken gemacht, weil ich als Zahntechniker die Arbeitsplätze der anderen abschaffe. Aber für die Patienten verbessert sich die Qualität."


© Technology Review, Heise Zeitschriften Verlag, Hannover

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insgesamt 32 Beiträge
hoppersen 17.01.2010
...ich habe 10 Kronen im Speisesaal, die im Cerec Verfahren gleich am Behandlungsstuhl entworfen und im Raum nebenan sofort hergestellt wurden. Keine Provisorien, nach aushärten sofort aufgeätzt und fertig wars. Die Kronen [...]
...ich habe 10 Kronen im Speisesaal, die im Cerec Verfahren gleich am Behandlungsstuhl entworfen und im Raum nebenan sofort hergestellt wurden. Keine Provisorien, nach aushärten sofort aufgeätzt und fertig wars. Die Kronen passen optisch und funtional perfekt. Ich war auch aufgrund der Vielzahl an Kronen sehr dankbar für diese Vereinfachung, es ersparte mir etliche Gänge zum Zahnarzt.
wohin 17.01.2010
.... nicht effektiver, die Wissenschaft voranzutreiben, damit uns endlich die 3. Zähne "wachsen" können? Alles andere ist doch nur Flickschusterei!
.... nicht effektiver, die Wissenschaft voranzutreiben, damit uns endlich die 3. Zähne "wachsen" können? Alles andere ist doch nur Flickschusterei!
sic tacuisses 17.01.2010
aber übermorgen wohl kaum noch. Wieso ? Bei dem was wir unseren Urenkeln noch übrig lassen werden, werden die sowieso michts mehr zu beißen haben.
aber übermorgen wohl kaum noch. Wieso ? Bei dem was wir unseren Urenkeln noch übrig lassen werden, werden die sowieso michts mehr zu beißen haben.
schweineigel 17.01.2010
Ich kann mir denken, dass die Frästechnik langfristig aber billiger und besser ist. Metallkronen sind hässlich und unpraktisch. Besser ist es aus perfekter Keramik einen Zahn heraus zu fräsen. VORSCHLAG: Wäre es nicht eine gute [...]
Ich kann mir denken, dass die Frästechnik langfristig aber billiger und besser ist. Metallkronen sind hässlich und unpraktisch. Besser ist es aus perfekter Keramik einen Zahn heraus zu fräsen. VORSCHLAG: Wäre es nicht eine gute Idee, die Anpassung über das Internet auszulagern? Die fehlerbehaftete Punktewolke wird innerhalb einiger Minuten von einem externen CAD-Dienstleister korrigiert, optimiert und der Zahn für das Gebiss speziell designed - möglicherweise in einem Tele-Dialog mit dem Zahnarzt, der sich auf die medizinischen Aspekte konzentrieren kann, anstatt auch noch Designer und Ingenieur zu sein. Die erstellten Daten werden dann in der Praxis von einem CAM-System gefräst und eingesetzt. Korrekturen wären billig, wenn man berücksichtigt dass die STÜCKKOSTEN (also ohne Investitionsabschreibung und Vorbereitung) recht niedrig sind.
Zyklotron 17.01.2010
Für den Normalbürger wird auch das unerreichbar sein. Wie viele andere Entwicklungen bisher schon wieder in der Versenkung verschwunden sind. Immer noch verpassen Zahnärzte Kassenpatienten Amalgamfüllungen. Besser Lösungen nur [...]
Für den Normalbürger wird auch das unerreichbar sein. Wie viele andere Entwicklungen bisher schon wieder in der Versenkung verschwunden sind. Immer noch verpassen Zahnärzte Kassenpatienten Amalgamfüllungen. Besser Lösungen nur mit horrenden Zuzahlungen. Die Impfung gegen Karies? Verschwunden. Die Krankenkassen kann man eigentlich getrost abschaffen. Ein Strumpf unter dem Kopfkissen scheint da effektiver.
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Das M.I.T.-Magazin für Innovation
Ausgabe Januar 2010

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Natürlich schönes Material
Zahnersatz wird bisher meist aus Metallen gefertigt. Sie haben ideale mechanische Eigenschaften für den Einsatz im Mund und lassen sich leicht verarbeiten. Aus ästhetischen Gründen überdeckt (verblendet) man sie allerdings oft mit mehreren Keramikschichten, vor allem wenn die Brücke oder Krone für die vorderen Zähne bestimmt ist. Der Farbton der äußeren Lagen wird dann der natürlichen Zahnfarbe angeglichen. Trotzdem steigt die Nachfrage nach vollständig aus Keramik gefertigten Modellen – bei denen der Kern aus Hartkeramik besteht –, weil Metalle je nach Lichteinfall trotz der Keramikverblendung durchschimmern können. Geeignete Materialien für solche sogenannten Vollkeramikbrücken und -kronen gibt es bereits, zum Beispiel Zirkoniumdioxid. Sie haben auch ähnlich gute Eigenschaften wie Metalle, etwa eine hohe Bruchfestigkeit. Dennoch fragen viele Patienten gezielt nach dem Material, wenn sie auf bestimmte Metalle allergisch sind. Nicht alle Fachleute sind allerdings von Keramik überzeugt: Für besonders filigrane Strukturen sei das Material zu spröde, es können Risse und sogar Brüche darin entstehen. Vor allem bei Menschen, die nachts mit den Zähnen knirschen, sei Keramik weniger geeignet.





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