Zürich Archäologen entdecken Tür zur Steinzeit

Auf einer Baustelle in Zürich kamen zahlreiche Gegenstände aus der Steinzeit zum Vorschein - darunter eine 5000 Jahre alte Tür. Damit stammen die drei ältesten bekannten Pforten Europas allesamt aus der Schweiz. Forscher glauben zu wissen, warum das so ist.

AP / Hochbaudepartment Zürich

Seit fünf Monaten graben Forscher in Zürich auf einer Baustelle an der Oper. Jetzt sind sie auf einen besonderen Fund gestoßen: eine 5000 Jahre alte Tür. "Stabil und elegant" wirke das Stück aus der Steinzeit, sagte der Archäologe Niels Bleicher. Die Steinzeit habe im Alpenraum bis ins dritte Jahrtausend vor Christus gedauert - anders als etwa im vorderen Orient, wo die Menschen schon weit früher Metall verarbeitet und Städte gegründet haben.

Es handele sich um die "drittälteste Tür der Schweiz und wahrscheinlich Europas", berichtet das für die Grabung verantwortliche Hochbaudepartement der Stadt Zürich. Sie ähnele dem zweitältesten Fund aus Pfäffikon, sei aber besser erhalten. Die Tür habe eine "ausgefeilte Steckverbindung", auch die Türangel sei gut erhalten. Die Tür wirkt beinahe, als könne sie sogleich wieder eingehängt und genutzt werden.

Warum die drei ältesten bekannten Türen Europas allesamt und ausgerechnet aus der Schweiz stammen, liegt laut Bleicher vor allem an der Bodenchemie im Alpengebiet. "Pflanzliche Stoffe halten sich hier besser als in den meisten anderen Regionen Europas", sagte der wissenschaftliche Leiter der Grabung im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Dafür gibt es in der Schweiz kaum eine Sehne oder ein Stück Leder aus alter Zeit." Anders sehe es in Nordeuropa aus: Dort finde man statt alter Türen eher Moorleichen und Überreste von Tieren im Boden.

Ein bisschen Zufall könnte beim Schweizer Türen-Monopol natürlich auch im Spiel sein, wie der Archäologe betont, denn größere Grabungen seien selten. Die aktuelle Untersuchung an der Oper sei die größte der vergangenen 30 Jahren im Kanton Zürich. "Und ich bin sicher, dass die Erkenntnisse über Wirtschaft und Kultur der damaligen Zeit weit wichtiger sein werden als das, was wir durch diese Tür erfahren werden", meint Bleicher.

Auf der Baustelle hatten die Archäologen in den letzten Wochen mehrere Entdeckungen gemacht: Die Grabung hat Reste von mindestens fünf übereinander liegenden Siedlungen zutage gefördert. Sie stammen aus der Zeit zwischen 3700 und 2500 vor Christus. Es wurden auch Sedimentschichten gefunden, die Pegeländerungen des Zürichsees dokumentierten. Zudem kam ein Feuersteindolch aus Italien zum Vorschein, dazu ein bislang unbekannter Typ Pfeilbogen mit Rindenverzierung sowie mehrere vollständige Feuerzeug-Sätze aus Schwefeleisen-Knollen, Feuerschläger und Zunderschwamm.

Zudem wurden Bauteile aus Holz entdeckt, die über die damalige Bauweise informieren. Darüber lagen Reste neuzeitlicher Schanzenanlagen. Das Material überteffe die Erwartungen, meldet das Baudepartment. Die archäologischen Ausgrabungen sollen so viele Relikte wie möglich aus dem Boden schaffen - bevor auf dem Areal der Bau eines unterirdischen Parkhauses beginnt.

mbe/boj/AP

insgesamt 20 Beiträge
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Achim 21.10.2010
1. Ach so ...
»Warum die drei ältesten bekannten Türen Europas allesamt und ausgerechnet aus der Schweiz stammen, liegt laut Bleicher vor allem an der Bodenchemie im Alpengebiet.« Wie langweilig! Und ich dachte schon, es läge daran, dass die Schweizer schon vor 5.000 Jahren Bankschließfächer anboten ...
mbberlin, 21.10.2010
2. ...
Zitat von Achim»Warum die drei ältesten bekannten Türen Europas allesamt und ausgerechnet aus der Schweiz stammen, liegt laut Bleicher vor allem an der Bodenchemie im Alpengebiet.« Wie langweilig! Und ich dachte schon, es läge daran, dass die Schweizer schon vor 5.000 Jahren Bankschließfächer anboten ...
Kann ja die Türe für eines gewesen sein. :-)
aristophanis, 21.10.2010
3. ..
Zitat von Achim»Warum die drei ältesten bekannten Türen Europas allesamt und ausgerechnet aus der Schweiz stammen, liegt laut Bleicher vor allem an der Bodenchemie im Alpengebiet.« Wie langweilig! Und ich dachte schon, es läge daran, dass die Schweizer schon vor 5.000 Jahren Bankschließfächer anboten ...
sowas ähnliches dachte ich auch..
Klo, 21.10.2010
4. Ich auch!
Zitat von aristophanissowas ähnliches dachte ich auch..
Seltsam, wie doch viele verschiedene Leute den gleichen Gedanken zur gleichen Zeit haben können. Woran das wohl liegt?
bundespiepmatz 21.10.2010
5. Bretter in der Steinzeit?
Und wie wurden die damals gesägt? Im Baumarkt mit der Kreischsäge? Ich denke, hierin haben Archäologen einen Erklärungsbedarf. Oder es gibt einen Messfehler und die Tür ist tatsächlich jüngeren Datums, wurde aber durchs alpine Erdreich chemisch kontaminiert und damit für die C14-Methode älter.
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