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Zweiter Weltkrieg: Deutsches U-Boot-Wrack vor Brasiliens Küste entdeckt

Forscher sind vor der Küste Brasiliens auf die Überreste von U-513 gestoßen. Das deutsche U-Boot wurde 1943 von einem US-Flugzeug versenkt. Nur wenige Männer überlebten - darunter der Kommandant, der auch nach dem Krieg Karriere machte.

Zweiter Weltkrieg: Was mit deutschen U-Booten geschah Fotos
Getty Images

Der Tod kam für U-513 von oben. Am 19. Juli 1943 fuhr das deutsche U-Boot aufgetaucht vor der Küste Brasiliens, als es von einem amerikanischen Flugzeug überrascht wurde. Die Maschine vom Typ PBM Mariner warf ihre Bomben, U-513 sank schwer getroffen auf den Meeresgrund. Von 53 Besatzungsmitgliedern überlebten nur sieben - darunter Kommandant Friedrich Guggenberger.

Jetzt haben Forscher rund 120 Kilometer östlich der brasilianischen Stadt Florianópolis das Wrack des Boots entdeckt. Wie die Universität Vale do Itajaí am Freitag mitteilte, handelt es sich bei dem in 75 Metern Tiefe aufgespürten U-513 um das erste von elf Booten, die von den Alliierten im Zweiten Weltkrieg in brasilianischen Gewässern versenkt wurden.

Volle zwei Jahre habe die Suche gedauert. "Das ist von sehr großer historischer und kultureller Bedeutung", sagte Forscher Rafael Medeiros. Über den Zustand des Wracks wurde zunächst nichts bekannt.

Der Südatlantik war im Zweiten Weltkrieg Schauplatz heftiger Kämpfe. Deutsche U-Boote lauerten dort Nachschub-Konvois für England auf. Auch im Nordatlantik waren die Deutschen aktiv - sogar unmittelbar vor der Küste der USA, wo sie Hunderte Schiffe versenkten. Die U-Boote wurden von alliierten Kriegsschiffen und Kampfflugzeugen gejagt. Brasilien schloss sich 1942 dem Kampf gegen Nazi-Deutschland an.

Versenkung auf der vierten Feindfahrt

U-513 war ein Boot der Klasse IX-C. Sie war neben der Klasse VII - zu dem auch das durch den Kinofilm "Das Boot" berühmt gewordene U-96 gehörte - die meistgebaute und erfolgreichste deutsche U-Boot-Klasse des Zweiten Weltkriegs. Die Boote des Typs IX waren größer und schwerer als die der Klasse VII. Dadurch waren sie besser geeignet für Langstrecken-Einsätze, aber insbesondere unter Wasser weniger manövrierfähig.

Die Dienstzeit von U-513 war relativ kurz. Es wurde im Januar 1942 zunächst zu Trainingszwecken in Dienst gestellt, im September 1942 an die Front geschickt und versenkte auf vier Feindfahrten sechs Schiffe mit insgesamt knapp 30.000 Bruttoregistertonnen. Vor der vierten Feindfahrt übernahm Friedrich Guggenberger im Mai 1943 das Kommando - und schon sein erster Einsatz auf U-513 sollte sein letzter sein.

Nach dem Angriff des US-Flugzeugs konnte er sich schwer verletzt mit sechs seiner Männer vom sinkenden U-513 retten. Einen Tag lang trieben die Überlebenden in einem Rettungsboot, ehe sie von der "USS Barnegate" aufgenommen wurden.

Zweimal gelang ihm gemeinsam mit weiteren Soldaten die Flucht aus dem Kriegsgefangenenlager in Arizona, beide Male wurde er wieder geschnappt. Nach dem Krieg arbeitete Guggenberger zunächst als Architekt. Als 1956 die Bundeswehr und die Bundesmarine gegründet wurden, kehrte er zum Militär zurück - und brachte es bis zum Konteradmiral und Stabschef des Nato-Hauptquartiers für Nordeuropa.

Im Mai 1988 unternahm Guggenberger, damals 73 Jahre alt, einen Waldspaziergang und kehrte nicht zurück. Seine Leiche wurde erst fünf Jahre später entdeckt.

mbe/AFP

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