Brieftaube mit Geheimbotschaft Historiker knackt Weltkrieg-Code

Wochenlang rätselten Experten in Großbritannien über eine geheimnisvolle Brieftauben-Nachricht aus dem Zweiten Weltkrieg. Während andere Wissenschaftler schon aufgaben, konnte ein Historiker nun den Code knacken: "Truppen, Panzer, Geschütze, Pioniere, hier."

Getty Images

Hamburg - Beim Renovieren seines Hauses in Bletchingley, Surrey, machte der 74 Jahre alte Brite David Martin vor wenigen Wochen eine erstaunliche Entdeckung: Er fand das Skelett einer Brieftaube, das erkennbar aus der Zeit des Zweiten Weltkrieg stammte, weil sich am Bein eine rote Kapsel befand. Darin lag eine verschlüsselte Botschaft.

Martin war überzeugt davon, dass die Nachricht dechiffriert werden könnte - auch nachdem Historiker des britischen Geheimdienstes bereits aufgegeben und erklärt hatten, der Code sei nicht zu knacken. Und Martin sollte recht behalten. Denn nun hat ein britischer Historiker laut "Daily Mail" die Botschaft entschlüsselt. Demnach wurde sie von einem 27 Jahre alten Soldaten abgeschickt, der in der Normandie deutsche Truppen und Panzer observierte - und Angriffsziele ausspionierte.

In der kurzen Nachricht bezeichnet er die Deutschen als "Jerrys", ein oft verwendeter Spitzname. Weiter heißt es unter anderem: "Truppen, Panzer, Geschütze, Pioniere, hier. Gegenmaßnahmen gegen Panzer funktionieren nicht."

Der Experte Gord Young knackte den Code dank eines alten Handbuchs der Royal Artillery. Dieses hatte ein Veteran des Zweiten Weltkriegs aufbewahrt, der mit dem Historiker verwandt ist. Young arbeitet am Lakefield Heritage Research im kanadischen Ontario.

Die Nachricht belegt laut Young, dass der Fallschirmspringer William Stott hinter die feindlichen Linien gelangt war. Demnach sollte er den Militärstrategen helfen, die sogenannte D-Day-Offensive der Alliierten im Sommer 1944 zu steuern. "Wir waren in der Lage, den Großteil der angeblich unentwirrbarren Brieftaubenbotschaft zu knacken", sagte der Historiker. Allerdings habe die Nachricht nicht vollständig entschlüsselt werden können.

Die handgeschriebene Nachricht besteht aus 27 Gruppen von jeweils fünf Buchstaben: "AOAKN", "HVPKD" und so weiter. Die Verwendung einer Brieftaube war dabei nicht ungewöhnlich: Die Briten hatten 250.000 von ihnen im Kriegseinsatz, berichtete der britische Geheimdienst.

kgp/wit

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insgesamt 77 Beiträge
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Ontologix II 16.12.2012
1. Ingenieur?
DER SPIEGEL wird nie Englisch lernen. Schon wieder ein kapitaler Übersetzungsfehler. Ein "engineer" ist im Militärzusammenhang ein "Pionier". Ohje, Hamburger Abitur, vermutlich.
jeepster 16.12.2012
2. und ich dachte schon . . .
. . . es handelt sich um den "tötlichen Witz"
mark0509 16.12.2012
3. Lieblose Übersetzung
Ingenieure hieß vermutlich im englischen engineers, was die Truppengattung der Pioniere bedeutet...
unnglaublich 16.12.2012
4. Grr, das ist mal wieder so ne Überschrift....
Wenn das Codebuch vorlieget, "knacke" ich den Code nicht, ich entschlüssele ihn. Und dann hat das Ganze eine etwa andere Bedeutung
UCL 16.12.2012
5. Oldschool
… war wohl nicht anders zu erwarten, daß nur die Classics hier weiter helfen. Und gut, wer ein sauber geführtes Archiv und Zugriff auf die Bibliothek der Bibliotheken hat -- jedoch ist das wiederum für so manche dieser kleingeistigen White Shirts zu teuer gewesen; unnötig, wie es noch in den 90igern hieß, da die IT ja längst alles abdeckte - ja, ja ! Diesen Irrtum zu korrigieren kostete dann offensichtlich mehr, als jemals nur ansatzweise eingespart wurde … Oldschool ist vielleicht doch noch ganz interessant, auch der 'analogen Unwägbarkeiten' wegen.
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