Einem internationalen Astronomenteam ist ein besonders eindrucksvoller Fang gelungen: Mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte haben die Forscher die am weitesten entfernte Galaxien-Gruppe entdeckt, die bisher beobachtet wurde. Das Studium der Rekord-Versammlung soll helfen, die Entstehung der imposanten Galaxienhaufen des heutigen Universums zu klären.
Der ferne Weltenschwarm besteht, wie die Wissenschaftler berichten, aus einem Zentralobjekt und 20 weiteren, gerade noch zu erkennenden Galaxien. Die Formation liegt in einer Distanz von rund 13,5 Milliarden Lichtjahren - ihr jetzt festgehaltenes Licht stammt damit aus einer Zeit, als das Weltall gerade erst ein Zehntel seines derzeitigen Alters aufwies.
Der Fund ist das Ergebnis einer systematischen Fahndung mit dem 8,2-Meter-Teleskop auf dem chilenischen Berg Cerro Paranal. Das Team, an dem auch das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg beteiligt war, hatte dabei die Umgebung von so genannten Radiogalaxien abgesucht. Diese Galaxien, die zu den massivsten Objekten im frühen Universum zählen, machen sich durch intensive Radio-Emissionen bemerkbar.
Seit langem gibt es Hinweise, dass solche Objekte bei der Entstehung von Galaxienhaufen eine zentrale Rolle spielen. Um die kosmischen Radiosender sind, wie Astronomen entdeckt haben, oft weitere Welten versammelt. Die auffälligen Galaxien können den Forschern daher als Wegweiser dienen, um die frühen Versammlungen aufzuspüren.
Die Gruppe um George Miley von der niederländischen Universität Leiden nutzte Filter, um das Licht von schwachen Galaxien hervorzuheben, die genauso weit entfernt sind wie die Radioquelle. Bei der fernsten der untersuchten Radiogalaxien, einem Objekt mit der Bezeichnung TN J1338-1942, wurden sie fündig: In ihrem Umfeld ließen sich 20 zugehörige Welten nachweisen.
Schätzungen zufolge besitzt die lockere Gruppe, deren Mitglieder mit Geschwindigkeiten von einigen hundert Kilometern pro Sekunde durchs All rasen, eine ähnliche Gesamtmasse wie reiche Galaxienhaufen nahe der Milchstraße. Allerdings müssten die fernen Galaxien noch sehr viel näher zusammenrücken, um eine vergleichbar kompakte Versammlung zu bilden.
Von der weiteren Untersuchung des Proto-Haufens erhoffen sich die Astronomen Aufschlüsse über eine der drängendsten Fragen der Kosmologie: Wie fanden sich nach dem Urknall die ersten Galaxien zu Haufen zusammen? Zur Beantwortung beitragen sollen unter anderem Beobachtungen mit der neuen Advanced Camera for Surveys, die gerade erst am Weltraumteleskop Hubble installiert worden ist.
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