• Drucken
  • Senden
  • Feedback
20.06.2002
 

Kosmische Fontänen

Sterbender Stern verströmt Wasser

Am Ende ihrer Laufbahn betätigen sich manche Sterne offenbar als kosmische Springbrunnen: In der Umgebung eines alternden Gestirns haben Astronomen Ströme aus Wassermolekülen entdeckt.

Fontänen gibt es auch im Weltraum - allerdings haben sie nur wenig mit irdischen Wasserspielen gemein. Wie Wissenschaftler beobachtet haben, schleudert ein sterbender Stern Wassermoleküle in Form dünner, rotierender Ströme ins All. Über die Entdeckung berichtet das japanisch-britische Team in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature".

Stern W43A, Jets aus Wassermolekülen (Zeichnung): "Gebogen wie ein Korkenzieher"
Zur Großansicht
Kirk Woellert/ NSF

Stern W43A, Jets aus Wassermolekülen (Zeichnung): "Gebogen wie ein Korkenzieher"

Der kosmische Wasserspeier in der Konstellation Adler heißt W43A und ist etwa 8500 Lichtjahre entfernt. Seine aktive Laufbahn hat der Stern fast beendet, voraussichtlich wird er danach zu einem Weißen Zwerg kollabieren, während sich seine Gashülle als farbenprächtiger planetarischer Nebel entfaltet. Die nun entdeckten Wasserströme könnten, so hoffen die Forscher, neue Aufschlüsse über den Ursprung dieser Gebilde geben.

Bislang ist weitgehend unklar, wie die spektakulären Gasobjekte entstehen. "Eines der größten Rätsel der planetarischen Nebel ist, dass viele nicht kugelförmig sind, obwohl der Stern, von dem sie ausgestoßen werden, eine Kugel ist", erklärt Philip Diamond vom Jodrell Bank Observatory der University of Manchester. Nach Ansicht des Forschers sind die nachgewiesenen Jets möglicherweise mit verantwortlich für die seltsame Form der Gashüllen.

Dass in der Umgebung von W43A Regionen mit Wassermolekülen vorkommen, war schon vorher bekannt. Diese Gebiete werden "Maser" genannt, weil sie die Strahlung im Mikrowellenbereich ähnlich verstärken wie ein Laser. Mit Hilfe des "Very Long Baseline Array", eines Netzes aus zehn US-Radioteleskopen, konnten die Wissenschaftler jetzt die genaue Lage der Maser-Regionen ermitteln.

Wie das Team um Hiroshi Imai vom japanischen National Astronomical Observatory feststellte, sind die Maser-Gebiete in zwei kurvigen Linien angeordnet, die in entgegengesetzter Richtung vom Stern ausgehen - es musste sich also um Jets handeln. Merkwürdig ist allerdings die Form der Ströme, die sich mit mehr als 500.000 Kilometern pro Stunde vom Gestirn weg bewegen: "Ihre Bahn ist gebogen wie ein Korkenzieher", so Diamond, "als ob das, was sie herausschleudert, langsam rotieren würde."

Was die Wasser-Jets erzeugt, ist den Wissenschaftlern jedoch ein Rätsel. Nach dem bisherigen Wissen, erklärt Diamond, müsste der Stern dazu über eine rotierende Materiescheibe verfügen, die ihn in Nahdistanz umkreist. "Aber wir wissen bislang noch nicht, ob eine solche Scheibe überhaupt um einen so alten Stern entstehen kann", räumt der Forscher ein.

Vermutlich war es bereits ein Glücksfall, dass die Ströme überhaupt entdeckt werden konnten: Die Fontänen-Phase dauert nach Ansicht der Forscher nicht lange. "Unsere Analyse der Wasser-Jets deutet darauf hin, dass sie nur ein paar Jahrzehnte alt sind", so Imai. "Wenn der Stern erst zu einem Weißen Zwerg kollabiert, wird seine intensive ultraviolette Strahlung die Wassermoleküle auseinander reißen, so dass Beobachtungen wie die unsere unmöglich werden."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Weltall

© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP