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20.06.2002
 

Staubige Urwolke

Baby-Sonne baut sich Planeten

Gleich mehrere spektakuläre Entdeckungen haben Planetenjäger auf einer US-Konferenz vorgestellt. Zu den Funden zählt auch eine junge Sonne, die offenbar von einer klumpigen Urwolke umkreist wird.

Stern mit zirkumstellarer Scheibe (Zeichnung): Urwolke aus Staub und Felsen
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REUTERS

Stern mit zirkumstellarer Scheibe (Zeichnung): Urwolke aus Staub und Felsen

Für Astronomen, die sich dem Aufspüren ferner Planeten verschrieben haben, scheint ein Zeitalter großer Entdeckungen anzubrechen. Erst in der vergangenen Woche hatten US-amerikanische, britische und australische Astronomen von 15 neuen Trabanten außerhalb unseres Sonnensystems berichtet, darunter einem, der dem Jupiter in vieler Hinsicht ähnelt.

Jetzt gibt es schon wieder Neuigkeiten: Auf der internationalen Konferenz "Scientific Frontiers in Research on Extrasolar Planets", die am Freitag in Washington zu Ende geht, haben Planetenjäger nicht nur weitere zuvor unbekannte Welten vorgestellt. Ein Team verkündete zudem die Entdeckung eines Sternsystems, das ihrer Ansicht nach ein Zwilling unseres eigenen Sonnensystems ist - allerdings Milliarden Jahre vor unserer Zeit.

Stern KH 15D: Auffällige Unbeständigkeit
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AP

Stern KH 15D: Auffällige Unbeständigkeit

Der sonnenähnliche Stern in der Konstellation Einhorn ist etwa 2400 Lichtjahre von der Erde entfernt und wird weder von einem stellaren Partner noch von einem Planeten umkreist. Die Wissenschaftler um William Herbst und Catrina Hamilton von der Wesleyan University in Middletown, Connecticut, vermuten vielmehr, dass das Gestirn namens KH 15D eine Urwolke aus Staubkörnern, Felsbrocken und möglicherweise auch Asteroiden um sich schart.

Aus dem Material der so genannten zirkumstellaren Scheibe könnten sich später Planeten entwickeln, glauben die Forscher. Genügend Zeit, um sich Trabanten zuzulegen, bleibt dem Stern jedenfalls: Er ist Schätzungen zufolge erst drei Millionen Jahre alt. Damit ist KH 15D, der zu einem offenen Sternhaufen in der Nähe des Conusnebels gehört, kaum dem stellaren Kindergartenalter entwachsen.

Die Aufmerksamkeit der Astronomen erregte die Jungsonne mit ihrer Unbeständigkeit: Wie die Forscher herausfanden, verblasst KH 15D alle 48,3 Tage, um für 18 Tage nur mit einem Bruchteil seiner maximalen Helligkeit zu leuchten. Ein Partnerstern oder Planet wäre zu klein, um eine derart lange Verdunklung hervorzurufen. Deshalb, so folgern die Forscher, muss etwas deutlich Größeres den Stern umrunden - etwa eine ausgedehnte Ansammlung von Staub und Felsen.

Bislang ist die klumpige Urwolke allerdings nur hypothetisch, und manche Forscherkollegen halten die Schlussfolgerungen von Herbst und Hamilton für zu gewagt. In einem sind sich die Experten aber einig: Dass KH 15D ein höchst interessanter Stern ist, der weitere Untersuchungen verdient. Die Wissenschaftler aus Connecticut planen bereits neue Beobachtungen, um ihre Theorie weiter zu untermauern.

KH 15D war zwar eines der ungewöhnlichsten Sternsysteme, das auf der Konferenz vorgestellt wurde, aber bei weitem nicht das einzige. Europäische Astronomen um Michel Mayor und Didier Queloz vom Genfer Observatorium präsentierten insgesamt zwölf neue extrasolare Trabanten. Damit holten sie wieder auf im Vergleich mit dem Team um die US-Planetenjäger Paul Butler und Geoffrey Marcy, das in der vergangenen Woche ihre Entdeckungen bekannt gegeben hatte.

Wie bei den von Butler und Marcy verkündeten Neuzugängen findet sich auch im Planeten-Repertoire der europäischen Gruppe ein Trabant, der mit dem Jupiter eng verwandt zu sein scheint. Der ferne Gasriese besitzt eine vergleichbare Masse und umkreist den Stern HD 190360A einmal in sieben Jahren in einer Entfernung von 3,7 Astronomischen Einheiten (AE), also dem 3,5fachen der mittleren Erde-Sonne-Distanz. Beim Jupiter beträgt der Abstand zur Sonne, die er in knapp zwölf Jahren einmal umrundet, rund 5,2 AE.

Am wichtigsten ist den Forschern jedoch eine andere Eigenheit des aufgespürten Planeten: Er besitzt im Gegensatz zu dem von Butler und Marcy vorgestellten Jupiter-Vetter keine elliptische, sondern eine kreisförmige Umlaufbahn. Damit hebt er sich auch von vielen anderen extrasolaren Trabanten ab, die meist auf höchst exzentrische Weise um ihr Zentralgestirn wirbeln. Mit den neuen Funden, resümiert Queloz, "nähern wir uns der Entdeckung von Sonnensystemen wie dem unseren".

Martin Paetsch

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