An frisch entdeckten Asteroiden herrscht derzeit kein Mangel. Einige von ihnen, wie etwa 2002 NT7, könnten der Erde in wenigen Jahrzehnten ungemütlich nahe kommen. Keine unmittelbare Gefahr geht von einem anderen Neuzugang aus, den Astronomen am 14. Juli aufgespürt haben. Dennoch könnte der rund 800 Meter große Himmelskörper für mulmige Gefühle sorgen, denn er wird den Planeten nur knapp passieren.
Der Asteroid 2002 NY40 nähert sich der Erde in den nächsten Tagen bis auf 1,3-fache Monddistanz, berichtet die Nasa. Am 18. August soll der Felsbrocken in den Stunden vor Tagesanbruch von Europa aus mit lichtstarken Ferngläsern und kleinen Teleskopen zu erkennen sein. Beobachter sollten, so die US-Raumfahrbehörde, auf einen schwachen Lichtpunkt achten, der sich am Stern Wega in der Konstellation Leier vorbeibewegt.
Zwar wird das Objekt nur eine scheinbare Helligkeit von neun Magnituden erreichen, doch für einen Asteroiden ist das mehr als beachtlich. Die letzte bekannte Passage, bei der ein Himmelskörper vergleichbarer Größe der Erde derart nahe kam, liegt lange zurück: Am 31. August 1925 sauste der ebenfalls etwa 800 Meter messende 2001 CU11, wie Forscher nachträglich errechnet haben, unbemerkt knapp außerhalb des Mondorbits vorbei. Entdeckt wurde der Felsen erst im letzten Jahr.
Diesmal haben die Wissenschaftler Zeit, sich auf das seltene Ereignis vorzubereiten. Durch Spektraluntersuchungen soll die Zusammensetzung von 2002 NY40 ermittelt werden. Außerdem wird ein Team mit dem großen Radio- und Radarteleskop des Arecibo-Observatoriums in Puerto Rico Radarwellen zum Asteroiden senden und die Reflektionen aufzeichnen, um eine dreidimensionale Karte des Objekts zu erstellen.
"Die Radardaten werden auch unsere Kenntnis von der Umlaufbahn des Asteroiden verbessern", sagt Jon Giorgini, ein Mitglied der Gruppe vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa. "Bislang wissen wir, dass in den nächsten Jahrzehnten kaum ein Risiko einer Kollision mit 2002 NY40 besteht", so der Forscher. "Wenn die Arecibo-Radarmessungen abgeschlossen sind, werden die jetzigen Unsicherheiten um mehr als den Faktor 200 schrumpfen, so dass wir die Bewegungen des Asteroiden in den nächsten hundert Jahren vorhersagen können."
Auch Don Yeomans vom Near-Earth Object Program des JPL sieht im Vorbeiflug von 2002 NY40 eine einmalige Chance: "Für den Fall, dass wir irgendwann einmal einen erdnahen Asteroiden zerstören oder ablenken müssen, brauchen wir mehr Informationen über diese Objekte." Die meisten der kosmischen Besucher sind jedoch für die Erde ungefährlich. Sie könnten im Gegenteil, so der Wissenschaftler, in ferner Zukunft sogar nützlich sein - als Lieferanten kostbarer Bodenschätze.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Weltall | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH