Neun Tage nach dem Absturz der "Columbia" ist die US-Raumfahrtbehörde bei der Aufklärung der Unglücksursache noch nicht entscheidend weiter gekommen. Die Nasa erhofft sich jedoch neue Aufschlüsse von den Überresten der Raumfähre. Zu den womöglich wichtigsten Stücken unter den insgesamt 12.000 geborgenen Trümmern zählt eine am Sonntag entdeckte Tür mit hydraulischem Schließmechanismus, die offenbar zur Einstiegsluke gehört.
Außerdem fanden die Suchmannschaften den 60 Zentimeter langen Teil eines Flügels, an dem sich noch Hitzeschutzkacheln befinden, sowie die 135 Kilogramm schwere Abdeckung eines Fahrwerksgehäuses. Diese Stücke könnten eine zentrale Rolle spielen: An der linken Tragfläche der "Columbia" und besonders im linken Fahrwerksschacht hatten Sensoren wenige Minuten vor dem Abbrechen der Funkverbindung einen auffälligen Temperaturanstieg registriert.
Von der zuvor favorisierten Theorie, wonach ein beim Start abgefallenes Schaumstoffteil die Tragfläche des Raumgleiters auf verhängnisvolle Weise beschädigt haben könnte, ist die Nasa in der vergangenen Woche abgerückt. Stattdessen konzentrieren sich die Ermittler mittlerweile auf Daten, die ein Militärradar einen Tag nach dem Start der "Columbia" sammelte. Darauf soll ein Objekt zu erkennen sein, dass sich mit hoher Geschwindigkeit vom Space Shuttle entfernt.
Bislang ist jedoch unklar, worum es sich bei dem Gegenstand handeln könnte. Nach Angaben des Ex-Admirals Harold Gehman, der die Untersuchungskommission leitet, war es möglicherweise ein Eisbrocken, der sich von der Abwasserklappe der "Columbia" löste. Diese Öffnung dient der Entsorgung von Urin sowie von Wasser aus den Brennstoffzellen des Shuttle. Die Flüssigkeit wird normalerweise zerstäubt und tritt in Form kleiner Eiskristalle aus.
Allerdings gab es bereits 1984 bei einer Shuttle-Mission Probleme mit dem Abwassersystem: Damals hatte sich ein Eisbrocken von der Größe eines Basketballs gebildet. Die Nasa-Ingenieure waren so besorgt, dass sie die Astronauten anwiesen, das Eis mit dem Roboterarm der Fähre zu beseitigen. Die verunglückte "Columbia" hatte jedoch aus Platzgründen keinen derartigen Greifer an Bord, zudem ließ sich die Abwasserklappe nicht ohne weiteres von der Crew beobachten.
Ein unentdeckter Eisbrocken an der "Columbia" könnte, so die Nasa, beim Zünden des Antriebs den Flügel beschädigt haben. Bislang ist dieses Szenario aber nur eines von vielen, die von den Ermittlern überprüft werden. Immerhin scheint sich die Vermutung zu bestätigen, dass die Ursache des Unglücks an der linken Tragfläche zu suchen ist: Die verschwommene Aufnahme eines Militärteleskops, die kurz vor dem Absturz entstand und am Wochenende von der Nasa veröffentlicht wurde, zeigt offenbar Schäden auf dieser Shuttle-Seite.
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