Am frühen Sonntagmorgen um 0.32 Uhr taucht der Mond in den Kernschatten der Erde ein, wird sich allerdings nicht vollkommen verfinstern. Statt weißlich leuchtet er kupferrot, weil die irdische Atmosphäre den langwelligen, roten Spektralbereich des Sonnenlichts in den Schattenkegel der Erde lenkt. Vom Mond aus würde man unseren Planeten in einem feuerroten Ring sehen.
Das Schauspiel endet zwar erst um 4.05 Uhr, wenn der Mond den Kernschatten der Erde wieder ganz verlässt. Die vollständige Verfinsterung aber dauert nur von 2.06 Uhr bis 2.31 Uhr. "Das liegt daran, dass der Mond nicht zentral durch den Kernschatten läuft, sondern eher am Rand", berichtet die Vereinigung der Sternfreunde (VdS), die das Himmelsereignis live im Internet überträgt. "Der Mond wird deshalb relativ hell aussehen." Das Spektakel ist nach Angaben der VdS besonders leicht zu beobachten, da es hoch am südlichen Himmel im Sternbild Widder stattfindet. Die nächste totale Mondfinsternis über Europa ist am 4. Mai 2004 zu sehen.
Stoff für Legenden
Um Mondfinsternisse ranken sich zahlreiche Legenden. Den "Blutmond" erklärten etwa die Amazonas-Indianer mit einer Pfeilattacke eines jugendlichen Bogenschützen, die den Mond bluten lässt, bis ein Schamane den Pfeil herauszieht und die Wunde heilt. In anderen Kulturen stellen wilde Kreaturen dem Erdbegleiter nach. So fürchteten die Wikinger den mythischen Wolf Hati, der dem Mond am Himmel nachjagt und ihn gelegentlich fängt. Mit viel Lärm konnten die Wikinger den bösen Wolf jedoch ein ums andere Mal in die Flucht schlagen.
Im alten China glaubten die Menschen, bei einer Mondfinsternis versuche ein himmlischer Drache, den Mond zu verschlingen. Noch heute heißen die Schnittpunkte zwischen Erdbahnebene und Mondbahn daher Drachenpunkte, denn nur an diesen Punkten kann es zu einer Mondfinsternis kommen. Da die Mondbahn leicht gegen die Erdbahn geneigt ist, wandert unser Trabant bei seinem monatlichen Kurs um die Erde meist ober- oder unterhalb am Erdschatten vorbei. Nur wenn der Vollmond genau an einem der beiden Drachenpunkte steht, wird er vom Erdschatten getroffen.
Christoph Kolumbus nutzte angeblich das Wissen um eine bevorstehende Mondfinsternis, um sich unter Einheimischen auf Jamaika Respekt zu verschaffen, die ihm und seinen Seeleuten keine Nahrungsmittel mehr liefern wollten. Am Abend des 29. Februar 1504 berichtete er den Stammesoberhäuptern, die Götter seien mit ihrem Verhalten unzufrieden - und deutete auf den sich langsam dunkelrot färbenden Mond. Kolumbus soll dann ein gutes Wort für die Jamaikaner bei den Göttern eingelegt haben, woraufhin der Mond wieder erstrahlte und die Europäer etwas zu essen bekamen.
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