Es war die einzige totale Sonnenfinsternis dieses Jahres und die erste seit hundert Jahren auf dem eisigen Kontinent. Mehrere hundert Wissenschaftler trotzten Kälte und Frost, um das Spektakel zu erleben. 300 von ihnen hatten sich eigens einen Jumbojet gemietet, um einen garantiert wolkenfreien Blick auf die Eklipse zu genießen. Kostenpunkt: umgerechnet 7300 Euro pro Nase. Eine andere Gruppe, die einen russischen Eisbrecher gechartert hatte, war in einer weniger glücklichen Position: Wolken blockierten zeitweise den Blick auf das kosmische Schattenspiel.
Der Mondschatten traf gegen 23.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit über dem südlichen Indischen Ozean auf die Erde und wanderte dann von Osten nach Westen über die Antarktis. Rund eine Stunde später verließ der Schatten den Globus wieder. Wie bei der ringförmigen Sonnenfinsternis über Island im vergangenen Mai lief der Mondschatten von Ost nach West entgegen seiner sonst üblichen Richtung über die Erde, weil er hinter den momentan zur Sonne gekippten Südpol fiel.
Zu einer totalen Sonnenfinsternis kommt es, wenn Sonne, Mond und Erde genau in einer Linie stehen. Der Mond verdeckt dann die Sonnenscheibe komplett und wirft einen schmalen Schatten, der normalerweise von West nach Ost über die Erde wandert. Da der Abstand zwischen Mond und Erde im Laufe eines Monats etwas variiert, erscheint der Mond je nach Position leicht unterschiedlich groß am Himmel. Dadurch kann in einigen Fällen ein schmaler Rand der Sonne frei bleiben, es kommt dann zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis.
Die Sicht sei außerordentlich beeindruckend gewesen, sagte Wissenschaftlerin Natali Cadenhead. Nur die Pelzrobben habe die Finsternis kalt gelassen: "Sie dösten wie immer auf dem Eis herum." Die letzte totale Sonnenfinsternis in der Antarktis wurde am 21. September 1903 vom britischen Forscher Robert Scott beobachtet.
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