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Erste Mondlandung Alles nur gelogen?

3. Teil: Lesen Sie im dritten Teil, wie die Nasa die Gerüchteküche zusätzlich anheizte und sich seitdem Zweifler und Gläubige im Internet duellieren

Saturn-5-Rakete als Museumsstück im Johnson Space Center der Nasa: Beim Flug ins All nur Luft an Bord?
SPIEGEL ONLINE

Saturn-5-Rakete als Museumsstück im Johnson Space Center der Nasa: Beim Flug ins All nur Luft an Bord?

Tatsächlich schaffte sich die Nasa das Problem auf elegante Weise vom Hals. Statt offiziell gegen die Moon-Hoaxer vorzugehen und sie wegen übler Nachrede zu verklagen, überließ sie den Kleinkrieg einer Reihe von Idealisten, die, wie Geise, die Mondlandung am Bildschirm miterlebt hatten, als ein - für sie glaubhaftes - "Urerlebnis". Seither duellieren sich Verteidiger und Bezweifler der Mondlandung auf privater Ebene im Internet.

Besonders streitlustig ist der ehemalige Nasa-Mitarbeiter und Astronom Philip Plait, der mit seiner "bad astronomy"-Website unverdrossen gegen die Hydra der Hoaxer kämpft. Jede neue Spekulation unterzieht er einer spöttischen Entlarvung. Für jede "Anomalie" hält er eine plausible Erklärung bereit.

Der unterschiedliche Schattenwurf auf den Fotos? Jeder Amateurfotograf, sagt Plait, kenne das Phänomen. Durch Bodenunebenheiten würden Schatten gestreckt oder gestaucht und zeigten dann in verschiedene Richtungen. Die Flagge? Sie hänge an einem waagerechten, am Stangernende befestigten Draht, ihr Flattern sei verursacht durch das Nachzittern der Stange nach dem Einrammen in den Mondboden.

Der fehlende Landekrater? Der liegen gebliebene Staub? Der Rückstart ohne Brennstrahl? Das Triebwerk der Fähre, erklärt Plait, sei bereits vor dem Aufsetzen auf den Mondboden stark gedrosselt oder abgeschaltet gewesen. Es konnte also weder einen Krater brennen noch Staub wegblasen. Und im Mondvakuum habe der Hydrazin-Treibstoff eine transparente Abgasflamme erzeugt.

Apollo-15-Astronaut James Irwin: Zitternde Stange lässte Flagge flattern
NASA

Apollo-15-Astronaut James Irwin: Zitternde Stange lässte Flagge flattern

Die fehlenden Sterne am Himmel? Jeder wisse aus eigener Erfahrung, dass ein heller Vordergrund vor dunklem Hintergrund Belichtungsprobleme beschere. Bei normalen Verschlusszeiten würden die Lichtpunkte im Hintergrund verschluckt. Die verdeckten Fadenkreuze? Hervorgerufen durch den so genannten Blooming-Effekt, bei dem helle auf benachbarte dunkle Bildpunkte übergreifen.

Doch die Strahlung! Wie hätten die Astronauten den Protonenhagel ohne meterdicke Bleiwände und gewaltige Schutzanzüge überleben sollen? Ganz einfach, sagen Strahlenexperten, die Belastung sei viel geringer gewesen, als von den Moon-Hoaxern behauptet. Die Apollo-11-Astronauten erhielten während ihres Fluges "nur" eine Strahlendosis von 6,1 Millisievert, so viel, wie wir alle in zwei bis drei Jahren durch natürliche Strahlung absorbieren. Die Propagandisten der Mondlüge operierten mit Extremwerten, wie sie allenfalls im Zentrum der Van-Allen-Gürtel oder bei heftigen Sonnenstürmen gemessen werden. Wären die Astronauten tatsächlich in einen solchen Sturm geraten, hätten sie durchaus eine tödliche Dosis abbekommen können.

Bleibt die Kernfrage, ob ein Großunternehmen wie Apollo überhaupt fälschbar war? Gesetzt den Fall, dem wäre so. Warum hätte man dann "die teuerste Filmproduktion aller Zeiten" derart stümperhaft ins Werk setzen sollen? Warum haben die Russen, die in den Zeiten des Kalten Krieges über eine hervorragende Auslandsspionage verfügten, nichts gemerkt oder nichts gesagt? Und wieso hat nie einer der 400.000 Mitwirkenden des Apollo-Programms ausgepackt?

Fußabdruck auf dem Mond: Wie konnten die Astronauten die Strahlung überleben?
NASA Photo

Fußabdruck auf dem Mond: Wie konnten die Astronauten die Strahlung überleben?

Aber auch bei solchen Fragen sind echte Moon-Hoaxer nie um Antworten verlegen: Wurden die Hitler-Tagebücher denn nicht als plumpe Fälschung entlarvt, und hat die britische Regierung, als sie den Irakkrieg unter anderem mit Argumenten aus der Abschlussarbeit eines Politologie-Studenten begründete, nicht die Tippfehler der Quelle mit übernommen?

Die Russen, so Geise, hätten nur deshalb still gehalten, weil auch Gagarins legendärer Flug ein Täuschungsmanöver war; das Stillhalteabkommen sollte den militärisch-industriellen Komplexen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs das Überleben sichern. Und geschwiegen hätten die Beteiligten bis heute, weil sie genau wüssten, dass es den sicheren Tod bedeuten würde, alles offenzulegen. Ist es nicht seltsam, fragt Geise, dass Neil Armstrong seit Jahrzehnten kein einziges großes Interview gegeben hat?

Egal also, was die Gegner der Mondlügen-Vertreter präsentieren, die Moon-Hoax-Gemeinde hat immer schon ein Gegenargument parat. Es ist aussichtslos, sie des Schwachsinns zu überführen, denn in ihrer Haltung steckt prinzipielle Opposition: Was von offizieller Stelle, von Staat, Kirche, Wissenschaft "verordnet" ist, kann nur eine Lüge sein.

Auch Geises "Gesamtwerk" passt in dieses Raster. In den letzten 13 Jahren hat er sich zu allem und jedem geäußert, zum keltischen Nachrichtensystem und zum Ursprung des Menschen, zum Geheimnis der Pyramiden und zum Marsgesicht. Geise gehört dem inneren Zirkel des Vereins "Efodon" an, einer Abspaltung von Erich von Dänikens Gesellschaft für Prä-Astronautik. Efodon beschäftigt sich etwa mit der Frage, ob der Mond ein gestrandetes Raumschiff ist; ob die Lichterscheinungen und Flugbewegungen auf dem Mond etwas zu bedeuten haben, ob auf seiner Rückseite Landebahnen und Kuppelbauten existieren. Für manche lebt ja auch der Führer in einem Bunker auf dem Mond.

Ziel von Efodon ist die Revision unseres Geschichtsbildes. Denn das, sagt Geise, "stimmt vorne und hinten nicht". Das Mittelalter: weitgehend erfunden. Die Römer in Wahrheit Keltogermanen. Die Geschichte muss neu geschrieben werden.

Selbst wenn also ein chinesischer Astronaut oder ein irdisches Super-Teleskop den untrüglichen Beweis liefern sollten: Bilder von den drei zurückgelassenen Mondautos, den Landegestellen der diversen Mondfähren oder von der amerikanischen Flagge im Mare Tranquillitatis - es wäre für die Anhänger der Geschichtsrevision nur die Bestätigung, dass auch dieses Beweismaterial gefälscht sein muss. Der einzige Beweis, den Commander Gernot L. Geise gelten lassen würde, wäre, wenn er selbst mit auf den Mond fliegen dürfte. Ein solches Angebot, sagt er, würde er nicht ausschlagen.

Dann wäre er endlich dort, wo er immer sein wollte: in einer Raumkapsel, und nicht abgekapselt in einem Mansardenzimmerchen des Allgäuer Pfaffenwinkels. Gut möglich, dass Geise genau das mit seinen Büchern eigentlich erreichen will.

Wolfgang Michal, GEO Special

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