Sie sind die Suppenküchen des Universums: Interstellare Wolken. Die gasförmigen Molekülhaufen im weitgehend leeren Raum produzieren genau die Kohlenstoffverbindungen, die die Grundlagen allen Lebens bilden könnten. Methan, Formaldehyd und Methanol vermuten Astronomen in den bis zu minus 260 Grad kalten Wolken - weit entfernt, in den Tiefen der Milchstraße.
Zumindest bislang. Doch jetzt sind Forscher erstmals auch in der Erdatmosphäre auf solch organische Baustoffe gestoßen, wie ein Team um Christine Floss im Fachmagazin "Science" berichtet. Die Weltraumforscherin von der Washington University in St. Louis entdeckte zusammen mit ihren Kollegen in der Stratosphäre ein kosmisches Staubteilchen mit organischer Materie, die offensichtlich nicht aus unserem Sonnensystem stammt.
Deren Spur ist nicht schwer zu erkennen: Die interstellaren Molekülwolken sind so kalt, dass in ihnen Atome entstehen, die sich leicht von den Verwandten auf der Erde unterscheiden; die Zahl ihrer Neutronen stimmt nicht überein. Mit Hilfe dieser verräterischen Signatur hatten Forscher zuvor bereits außerirdische Versionen von Wasserstoff und Stickstoff in der Erdatmosphäre entdeckt, Kohlenstoff fehlte allerdings noch.
Auch der aktuelle Fund war nur möglich, weil die Wissenschaftler dieses Mal sehr genau hinschauten. Das kohlenstoffhaltige Staubteilchen, nach dem spanischen Literaturnobelpreisträger Jacinto Benavente benannt, wurde mit einem neuartigen Massenspektrometer Schicht für Schicht auf seine Zusammensetzung untersucht.
Dabei zeigte sich, dass Benavente in 25 aufeinander folgenden Schichten eine seltsame Kohlenstoffzusammensetzung aufwies - und zudem sehr alte Materie mit sich trug: Das organische Material stammt, so die Vermutung der Forscher, aus einer Zeit, als sich unser Sonnensystem noch nicht einmal gebildet hatte.
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