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11.03.2004
 

"Betreten verboten"

Sauerländer wollen Bushs Mondstation verhindern

Muss George W. Bush im Sauerland um Erlaubnis fragen, eher er eine Mondstation bauen lässt? 1200 Leser eines Anzeigenblattes im westfälischen Hügelland meinen: ja. Sie hatten vor drei Jahren Mondgrundstücke gekauft, für 30 Mark pro Parzelle - und fühlen sich nun betrogen.

Nasa-Vision einer Mondstation: Sauerländer protestieren gegen Baupläne
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NASA

Nasa-Vision einer Mondstation: Sauerländer protestieren gegen Baupläne

"Damals war das ein Party-Gag", sagt Torsten-Eric Sendler, Chefredakteur des "Sauerland-Kuriers". "Die Leute haben sich ein Mondgrundstück geschenkt, wie man ja auch eine Zeit lang Sterne verschenkt hat." Doch da hatte der Journalist die Rechnung ohne den sprichwörtlichen westfälischen Dickschädel gemacht. Kaum hatte US-Präsident George W. Bush seine Pläne für den Bau einer Mondstation publik gemacht, pochten die Sauerländer auf ihre Urkunden.

"Nachdem die Pläne zum Bau einer Mondstation bekannt wurden, haben uns einige besorgte Leser angeschrieben und gefragt, was mit ihrem Grundstück ist", so Sendler. Daraufhin forderte das Anzeigenblatt dazu auf, Protestbriefe an den US-Präsidenten zu schreiben. "Wir haben heute mehr als 60 Briefe ans Weiße Haus geschickt", erklärt Sendler. Der Inhalt der Briefe ist sehr - deutsch. So warnten die Leser die Amerikaner etwa davor, ihren lunaren Vorgarten mit Weltraum-Schrott zu verunzieren. Andere sprachen gar ein striktes Betretungsverbot aus.

Chefredakteur Sendler sagte, die Geschichte sei damals rechtlich einwandfrei gewesen. Die Verkaufsrechte seien von der US-Regierung an den Mond-Besitzer Dennis Hope übertragen worden, mit dem man zusammen gearbeitet habe. Damit war der Sauerland-Kurier nicht allein: Auch andere deutsche Unternehmer arbeiten bis heute mit Hope zusammen, um Parzellen auf dem Mond zu verhökern - wie etwa die Astrox GmbH von Holger Czajka, die bereits 10.000 Grundstücke verkauft haben will.

Der in Nevada lebende Hope hat sich 1980 im Grundbuchamt im kalifornischen San Francisco als Eigentümer des Trabanten registrieren lassen - und nahm bei der Gelegenheit auch gleich Venus, Mars, Jupiter sowie alle anderen Planeten und deren Monde in Beschlag. Dazu sicherte er sich das Copyright für die Besitzerurkunden, die Grundstückskäufer von ihm erhalten. Insgesamt, so sagt Hope, gibt es bisher zweieinhalb Millionen Besitzer eines Mond-Grundstücks. Darunter seien viele Prominente wie etwa die Schauspieler Tom Hanks, Tom Cruise, Nicole Kidman und Meg Ryan sowie zwei Ex-Präsidenten und rund 25 Kongressabgeordnete.

Ob die illustre Gesellschaft wirklich rechtmäßig Teile der Mondoberfläche besitzt, ist allerdings umstritten: Seit 1967 existiert der so genannte Outer Space Treaty, ein Uno-Abkommen über die Nutzung des Weltraums. Das All und alle Himmelskörper, heißt es darin, seien für alle Nationen da. Privatpersonen werden zwar nicht ausdrücklich genannt, doch die meisten Juristen sind sich einig: Wenn ein Staat keine Rechte geltend machen kann, können es seine Bürger auch nicht. Sauerländer eingeschlossen.

Markus Becker

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