Der Schock traf die USA ins Mark. Anfang Oktober 1957 schossen die Russen mit "Sputnik I" den weltweit ersten Satelliten ins All. "Sputnik II" folgte Anfang November - mit Hündin Laika an Bord. "Die Amerikaner bauen die besseren Auto-Heckflossen", höhnte ein Sowjetwissenschaftler in Anspielung auf damalige Chevrolets, "aber wir bauen die besseren Raketen." US-Politiker reagierten verwirrt. "Nutzten die Sowjets für die Sputnik-Starts Atomenergie?", fragten aufgeregte Kongress-Abgeordnete bei einer Anhörung. "Und könnte es sein, dass derjenige, der den Weltraum kontrolliert, auch die Welt beherrscht?"
Um den Anschluss - zivil wie militärisch - nicht zu verpassen, gründete die US-Regierung im Januar 1958 die Advanced Research Projects Agency (ARPA, später in DARPA umbenannt, mit D für "Defense", Verteidigung). Sie hatte die Aufgabe, Raumfahrtpläne zu koordinieren und neue Vorhaben zu fördern - wie abstrus diese auch erscheinen mochten.
Bald hatten die Forscher kühne Ideen ersonnen, darunter das "Projekt Orion": ein gigantisches, 4000 Tonnen schweres Raumschiff, das von Hunderten in schneller Folge explodierender Atombomben ins All getrieben werden sollte. "Mars bis 1965, Saturn bis 1970", lauteten die Ziele des Orion-Teams.
Nuklearenergie galt als entscheidender Trumpf - und die Amerikaner lagen auf diesem Gebiet weit vorn: Mitte Juli 1945 war es einem Physiker-Team um Robert Oppenheimer - Leiter des "Manhattan-Projekts" der Los Alamos National Laboratories in New Mexico - erstmals gelungen, eine Atombombe zu zünden. Bereits drei Wochen nach dem "Trinity-Test" lösten "Little Boy" und "Fat Man" in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki ein nukleares Inferno aus; über 100.000 Menschen starben sofort. Der Kriegsgegner Japan kapitulierte daraufhin.
Der Sieg versetzte Amerika in einen Atomrausch. Alles Nukleare galt als großartig. Von 1955 an kreuzten die ersten "Nautilus"-Atom-U-Boote in den Meeren. Atomgetriebene Flugzeuge und Raketen schienen nur eine Frage der Zeit. So wirkte auch das Orion-Projekt weit weniger absurd, als es heute anmutet.
Kurz nach dem Trinity-Test kam Stanislav Ulam, ein Mitarbeiter Oppenheimers im "Manhattan"-Team, auf die Idee, mit der enormen Energie von Atomexplosionen Raumschiffe anzutreiben. Ihm schwebte ein Flugkörper vor, der Atombomben abwirft und in geringem Abstand hinter sich zündet. Zahlreiche Detonationen kurz nacheinander sollten das Gefährt auf ein Vielfaches der Erdanziehung beschleunigen und ins All katapultieren. Diese Art eines Nuklearantriebs - der zur Grundlage des Orion-Projekts werden sollte - ließ sich Ulam patentieren.
Die ersten Schritte zur Umsetzung unternahm Frederick de Hoffmann. Der österreichische Physiker war ein begnadeter Programmierer und stieg im "Manhattan"-Projekt zur rechten Hand Edward Tellers auf, einem der "Väter" der im November 1952 gezündeten ersten Wasserstoff-Bombe "Ivy Mike". Teller empfahl de Hoffmann, als die Rüstungsfirma "General Dynamics" einen Projektleiter für das neue Geschäftsfeld Nuklearenergie suchte. 1955 wurde der Ableger "General Atomic" in San Diego gegründet. Drei Jahre später hatte de Hoffmann die Firma in einen Forschungspark für Physiker verwandelt, die dort, ähnlich wie in Los Alamos, ihre Ideen ungehindert umsetzen konnten. Unter ihnen waren etliche Nobelpreisträger.
Ted Taylors größter Coup war das von ihm als Unterabteilung von General Atomic und auf dessen Campus gegründete Projekt Orion. Bereits 1956 stellte er die ersten Wissenschaftler für sein Team ein. Anfang 1958 - nach dem Sputnik-Schock - warb General Atomic für das atomgetriebene Raumschiff. Die Orion-Akten beschäftigten die ARPA, das Pentagon und die Rüstungsindustrie - und stießen auf Zurückhaltung: Wer Orion für verrückt hielt, wagte nicht nein zu sagen, Befürworter zögerten mit der Zustimmung. Politiker und Air-Force-Generäle trieb nur die Sorge: "Wenn wir es nicht machen - kommen uns die Russen vielleicht wieder zuvor?"
Taylor wurde 1925 als Sohn amerikanischer Eltern in Mexiko-Stadt geboren. Schon als Kind hatte er eine Vorliebe für explosive Einfälle; eine selbstgebastelte Bombe legte er auf die Schienen der Straßenbahn - zum Glück wurde niemand verletzt. Nach einem Physikstudium in Kalifornien ging er 1949 nach Los Alamos.
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