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Projekt Orion Der Ritt auf der Bombe

3. Teil: Klemmende Platten, radioaktiver Fallout und politische Intrigen: Lesen Sie im dritten Teil, wie das Projekt Orion sein Ende fand

Emsige Tester: Die Anfangserfolge des Projekts Orion überzeugten selbst Skeptiker und anerkannte Experten wie Wernher von Braun
George Dyson

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Für Taylor und Dyson war der Erfolg von Orion eine ausgemachte Sache. Sehnsüchtig schauten sie durch ein Teleskop in Taylors Haus auf Jupiter und Saturn - und stießen mit einer Flasche Cognac an. Beide wollten beim Jungfernflug dabei sein, und Taylor erwog sogar, eines seiner vier Kinder mitzunehmen. Platz auf Orion sollte es reichlich geben - für bis zu 50 Personen. Größere Versionen, fabulierte Dyson, könnten eines Tages sogar "Kolonien von einigen tausend Menschen mit allen Annehmlichkeiten moderner Zivilisation zu Alpha Centauri bringen".

Offizielles Reiseziel aber war zunächst der Mars. Der Erdenmond sollte gleich auf einem Weg mitbesucht werden, um dort die amerikanische Flagge aufzurichten. Zur Landung hätte das Schiff, mit dem Heck voranfliegend, eine Reihe von zusätzlichen Atomschüssen abfeuern müssen, um "Gegenschub" zu erzeugen. Ähnlich energieintensiv wäre das Verlassen des Schwerefelds geworden. Um Bomben zu sparen, liebäugelte einer der Forscher daher mit dem winzigen Mars-Mond Phobos: Der hat mit nur etwa 26 Kilometern Durchmesser ein so schwaches Schwerefeld, dass ein Astronaut von der Oberfläche fast ins All springen könnte.

Unfreiwillig komisch: Werbefilm für das Projekt Orion aus den fünfziger Jahren
George Dyson

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Doch je mehr sich das Orion-Team mit den Details befasste, desto deutlicher wurden die Probleme. So hätte sich das Raumschiff praktisch nur in der Schwerelosigkeit vernünftig testen lassen, etwa unter anderem wegen des komplizierten Zusammenspiels aus Bombenzündungen, Schubplatten- und Schockabsorber-Schwingungen.

Als unerwartet kompliziert erwies es sich auch, die 850 Kilo schweren Bomben vom Schiff aus in ihre Zündposition rund 60 Meter hinter der Schubplatte zu befördern: Sie sollten entweder aus seitlich neben der Platte angeordneten Rohren dorthin geschossen werden - mechanisch eine große Herausforderung - oder durch ein Loch in der Mitte der Schubplatte.

Streng geheim: Studie zum "Nuklearimpuls- Raumfahrzeug" aus dem Hause General Atomic
George Dyson

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Dieses Loch aber müsste vor jeder Explosion mit einer Klappe verschlossen werden - bis zu viermal pro Sekunde. Ob dies bei Tausenden Zündungen zuverlässig funktioniert hätte, war zweifelhaft. Als sicher galt hingegen, so Dyson: "Wenn die Klappe plötzlich klemmt oder eine Ladung stecken bleibt, bist du geliefert." Zudem war fraglich, ob die Oberfläche der Schubplatte dem über 120.000 Grad heißen Plasma auf Dauer standhalten würde.

Zunehmende Sorgen bereitete auch der radioaktive Fallout. Die exzessiven Atomversuche der 1950er Jahre hatten Strontium-90-Spuren in Kinderknochen und in der Muttermilch hinterlassen. Die USA und die Sowjetunion vereinbarten ein Testmoratorium von 1958 bis 1961, gefolgt vom Atomteststoppabkommen von 1963.

Eine Orion-Mission zum Mars würde, wie Dyson errechnete, so viel Radioaktivität in der Atmosphäre hinterlassen, dass - statistisch - zehn Menschen daran stürben. Und selbst ein Teil der weit im All freigesetzten Spaltprodukte würde aufgrund ihrer elektrischen Ladung vom Magnetfeld der Erde eingefangen und in die Lufthülle gelangen.

Für das endgültige Aus sorgte schließlich die Politik. "Orion gelang es auf einzigartige Weise, die vier einflussreichsten Bereiche des Washingtoner Establishments gegen sich aufzubringen", erklärte Dyson 1965. Das Verteidigungsministerium war verärgert, weil Atombomben für nicht-militärische Zwecke abgezogen wurden. Die Nasa-Leitung, mit Ausnahme Wernher von Brauns, betrachtete Orion als überteuerte und unsichere Konkurrenz für die eigene Mars-Mission. Atomtest-Gegner sahen in Orion eine Fortsetzung des Rüstungswettlaufs.

Und Wissenschaftler lehnten das Projekt ab, weil es - wegen der Bomben - eine derart große Geheimniskrämerei erforderte, dass der Forschung ein offener Zugang zu den Resultaten verbaut würde. Wegen dieser Probleme fanden sich für Orion am Ende keine Förderer mehr. Im Januar 1964 beschlossen Nasa, Air Force und General Atomic bei einem Treffen in Huntsville, das Projekt zu beerdigen.

Bombenbauer Taylor wechselte 1966 vom Pentagon zur Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nach Wien - und wandelte sich zum erklärten Gegner jeglicher Atomwaffen. Heute lebt Taylor als Rentner im US-Staat New York. Nachts, berichtete er, träume er immer mal wieder von neuartigen Atombomben: "Kürzlich wachte ich um zwei Uhr auf und machte mir Notizen bis um sechs. Sie sind immer noch sinnvoll. Aber ich sehe keinen Grund mehr, sie öffentlich zu machen. Am liebsten würde ich alles vergessen."

Claus-Peter Sesín, GEO Wissen

Der Beitrag beruht auf dem Buch "Project Orion - The Atomic Spaceship 1957-1965" (Henry Holt, 2002), verfasst von George Dyson, dem Sohn des am Orion-Projekt beteiligten Physiker Freeman Dyson.

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