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08.06.2004
 

Naturschauspiel

Venus befleckt die Sonne

Die Venus hat über Deutschland ein seltenes Schauspiel gezeigt: Bei größtenteils klarem Himmel ist der Nachbarplanet erstmals seit 122 Jahren wieder zwischen Erde und Sonne gewandert und war sechs Stunden lang als schwarzer Fleck zu sehen.



Beginn des Venustransits, fotografiert auf Hawaii: Der Nachbarplanet schiebt sich von links vor die Sonnenscheibe
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Bernd Weferling

Beginn des Venustransits, fotografiert auf Hawaii: Der Nachbarplanet schiebt sich von links vor die Sonnenscheibe

Kein lebender Mensch hat das seltene Phänomen jemals beobachtet: Am 6. Dezember 1882 hat es den letzten so genannten Venustransit gegeben. Am heutigen Dienstag herrschten in Deutschland ideale Bedingungen für die erneute Beobachtung des Naturspektakels, sagte ein Sprecher der "Vereinigung der Sternfreunde" in Freiburg. Der Planet ist ab 7.20 Uhr als kleiner schwarzer Punkt von Ost nach West über die Sonnenscheibe gewandert und hat sie um 13.23 Uhr verlassen.

Von verschiedenen Weltregionen aus war die Venus an unterschiedlichen Stellen auf der Sonnenscheibe zu sehen. Diesen Umstand nutzten Astronomen und Entdecker bereits am 3. Juni 1769: Den damaligen Venustransit beobachteten sie aus mehreren Perspektiven, um so die Entfernung zwischen Erde und Sonne, die so genannte Astronomische Einheit, zu bestimmen.

Moderne Himmelsforscher erhoffen sich vom heutigen Venustransit abermals wichtige Erkenntnisse. Während der erdnächste Planet vor der Sonne entlangzog, wurde seine Atmosphäre durchleuchtet. Durch die Veränderungen im Spektrum des Sonnenlichts wollen Astronomen Neues über die Vorgänge in der Venus-Atmosphäre erfahren.

Venustransit: Schwesterplanet auf Achse
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DER SPIEGEL

Venustransit: Schwesterplanet auf Achse

Das Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (KIS) nahm mit einem Teleskop auf Teneriffa die Monsterstürme ins Visier, die oberhalb der Venus-Wolken mit Geschwindigkeiten von über 500 Stundenkilometern toben. Auch der Ursprung rätselhafter Lichterscheinungen in der Venus-Hülle könnte auf diese Weise geklärt werden. Sie sehen wie Blitze aus - obwohl es auf der Venus gar keine Gewitter gibt.

Das vielleicht noch wichtigere Ziel der Freiburger Forscher aber liegt außerhalb unseres Sonnensystems: Der Versuch auf Teneriffa soll zeigen, ob die Durchleuchtungstechnik helfen könnte, außerirdische Lebensformen aufzuspüren. Schon ein kleines Zeichen von Sauerstoff im Lichtspektrum eines fernen Planeten könnte ein klares Indiz sein.

Wer den Venustransit heute verpasst hat, bekommt vielleicht noch eine zweite Chance: Am 12. Juni 2012 wird sich das Schauspiel wiederholen. Eine dritte Möglichkeit aber bietet sich den heute lebenden Menschen mit Sicherheit nicht - der übernächste Venustransit ereignet sich am 11. Dezember 2117.

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