Erst vor einem Monat musste sich die Nasa die Raumanzüge der Russen ausleihen, weil die eigenen nicht funktionierten: Gleich zwei von drei US-Modellen waren defekt. Die Panne hatte durchaus ernst zu nehmende Folgen: Fincke und sein russischer Kollege Gennadi Padalka müssen nun für eine riskante Außenreparatur die russische Ausstiegsluke benutzen, weil die russischen Anzüge nicht mit der US-Kommunikationstechnik kompatibel sind. Allerdings verlängert sich dadurch der Weg zur Reparaturstelle.
Die russischen Kleider scheinen allerdings auch nicht ganz in Ordnung zu sein, wie die Astronauten in der Nacht zum Freitag feststellen mussten. Nach nur 14 Minuten mussten sie ihren Weltraumspaziergang beenden, weil die Sauerstoffflasche auf Finckes Rücken rapide an Druck verlor. Die beiden Männer sollten in einem knapp sechsstündigen Außenbordeinsatz einen Schaden an der Stromversorgung für einen Lagekreisel reparieren.
Die so genannten Gyroskope sind für die stabile Position der Station im All zuständig. Die ISS verfügt über vier Gyroskope, von denen derzeit aber nur noch zwei funktionieren. Sollte ein weiteres ausfallen, müssten die treibstoffintensiven Schubdüsen zur Lageregelung in Aktion treten und verhindern, dass die Station außer Kontrolle gerät.
Fincke und Padalke setzen bei der Reparatur auf eine Mischung aus russischer und amerikanischer Technik und tragen besonders dicke Handschuhe, die nicht für einen derartigen Einsatz vorgesehen waren. Mit Hilfe eines Auslegers sollen die Astronauten die bis zu 30 Meter lange Strecke zur Reparaturstelle zurücklegen - so weit wie noch nie zuvor. Unterwegs gibt es mehrere spitze Gegenstände, die die Raumanzüge beschädigen könnten.
Grund für die Probleme sind die fehlenden Space Shuttles der Nasa. Nach der Columbia-Katastrophe vom Februar 2003 erteilte sie allen Raumgleitern Startverbot und setzt sich jetzt sogar über ihre eigenen Sicherheitsrichtlinien hinweg.
Als die Raumgleiter noch verfügbar waren, hätte die Nasa-Führung bei Arbeiten im freien Weltall niemals zurechtgebastelte Raumanzüge und die Kommunikation über Handzeichen zugelassen. Doch nach der Columbia-Explosion haben sich die Zeiten geändert. Nachschub wird jetzt mit russischen Versorgungsflügen ins All gebracht.
Für die geplante Reparatur verlangt Russland eine Entschädigung von der Nasa, weil sie am amerikanischen Teil der ISS durchgeführt werden sollte. Noch am Dienstag hatten russische Behörden mit einer Verschiebung gedroht. Jetzt wollen sie mit den USA erst nach dem Einsatz über die Finanzierung verhandeln.
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