Sonntag, 22. November 2009

Wissenschaft



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25.10.2004
 

Mysteriöser Mond

"Cassini" rast im Tiefflug über Titan

Von Thorsten Dambeck

"Cassini" wird in wenigen Stunden so nah wie nie zuvor am Saturnmond Titan vorbeifliegen. Die Nasa-Sonde soll den mysteriösen Mond ausspähen, ehe sie das europäische Landegerät "Huygens" auf Titans Oberfläche hinabschickt.

Saturnsonde "Cassini" (Zeichnung): Auf Tuchfühlung mit Titan
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JPL/NASA/ddp

Saturnsonde "Cassini" (Zeichnung): Auf Tuchfühlung mit Titan

Gespannt blicken Planetologen momentan auf die kosmische Nachbarschaft des Saturns. Denn dort nähert sich die Doppelsonde "Cassini-Huygens" dem größten Mond des Ringplaneten. Nur 1200 Kilometer werden das Raumvehikel von der mysteriösen Oberfläche Titans trennen, wenn der Flugverband aus Orbiter und Lander am morgigen Dienstag am Riesenmond vorbeizieht - bis dato die engste Begegnung mit dem Trabanten. Besonders die Europäische Weltraumagentur Esa dürfte das Manöver elektrisieren: Ihre "Huygens"-Sonde soll sich im kommenden Januar in die titanische Gashülle stürzen und einen Landeversuch riskieren.

Kurz vor dem spektakulären Sturzflug des Esa-Landers bietet also der Vorbeiflug eine günstige Gelegenheit, das Operationsgebiet von "Huygens" unter die Lupe zu nehmen. Denn erstmals kommt auch die Eintauchstelle in das Visier von Cassinis Bordinstrumenten. "Wir werden das Radargerät auf die Landestelle richten", erklärt US-Planetenforscher Ralph Lorenz vom Radarteam der Mission.

Bizarre Seen oder trockene Einöde?

Die Forscher hoffen so die Frage nach der Natur der mysteriösen Titanoberfläche zu beantworten: Warten unter dem undurchsichtigen Smog bizarre Seen aus wogenden Kohlenwasserstoffen, oder wird "Huygens" am Fallschirm hängend der trockenen Einöde düsterer Eiswüsten entgegensegeln?

"Huygens" bei der Fallschirm-Landung auf Titan (Zeichnung): Wüstenei oder Ozean?
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Mark Robertson-Tessi/ Ralph Lorenz

"Huygens" bei der Fallschirm-Landung auf Titan (Zeichnung): Wüstenei oder Ozean?

Eine zweites Titan-Rendevouz wird Cassini am 16. Dezember absolvieren - die endgültig letzte Chance für eine Vor-Ort-Aufklärung. Wird also nach den beiden Vorbeiflügen klar sein, ob die Landung nass oder trocken verläuft? "Wir werden wohl eine ganz gute Vorstellung haben", hofft Ralph Lorenz.

Allerdings habe sich Titan bislang immer komplizierter und verwirrender herausgestellt als ursprünglich gedacht. "Kleinere flüssige und trockene Regionen könnten sich abwechseln." Außerdem haben "Cassinis" Bordinstrumente selbst bei einem nahen Vorbeiflug nur eine begrenzte Auflösung. Lorenz: "'Huygens' könnte auch in einer Pfütze inmitten einer Wüste landen - aus dem Orbit wären solche Tümpel nicht auszumachen."

Trocken oder nass - Missionsanalytiker Michael Khan von der Darmstädter Bodenkontrolle der Esa will in dieser Frage lieber keine Prognose wagen. Er verweist auf die praktischen Aspekte des Vorbeiflugs. Dieser diene nämlich nicht nur der Erforschung des zweitgrößten Mondes unseres Sonnensystems.

Windgeschwindigkeiten von 360 km/h

Vielmehr spielten solche Manöver auch für die Steuerung von Cassini eine entscheidende Rolle: "Die Flyby-Manöver an Titan sind eine Gelegenheit, mit Hilfe seiner Anziehungskraft 'Cassinis' Umlaufbahn um den Saturn zu ändern", erklärt Khan. Während der vier Jahre dauernden ersten Missionsphase trifft sich die Saturnsonde 45 Mal mit dem Trabanten.

Titan-Atmosphäre, 1980 aufgenommen von "Voyager 1": Undurchsichtige Gashülle
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NASA / JPL

Titan-Atmosphäre, 1980 aufgenommen von "Voyager 1": Undurchsichtige Gashülle

Aber auch für die "Huygens"-Mission fallen interessante Informationen ab. Über zwei Stunden soll der Januar-Flug der europäischen Landesonde durch das titanische Wolkenmeer dauern, wie die Esa-Experten kalkulieren. Eine Rechnung jedoch mit einigen Unbekannten. Khan: "Wir werden beim morgigen Vorbeiflug die Hochatmosphäre Titans vermessen, um unser Dichtemodell der Atmosphäre zu kalibrieren - die verwendeten Modelle sind nämlich mit einer beträchtlichen Unsicherheit behaftet, insbesondere für große Höhen."

Wind ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Deshalb soll "Cassinis" Bordkamera nach ziehenden Titan-Wolken Ausschau halten, um die Windgeschwindigkeiten in der sturmgepeitschten Gashülle eingrenzen zu können. "Das könnte bei der Vorhersage des genauen Landeortes helfen", so der Raumfahrtingenieur.

Denn wenn sich zwischen 180 und 140 Kilometern Höhe über Titans Oberfläche "Huygens" Fallschirm öffnet, blasen ihm dort Stürme mit möglicherweise 360 Kilometern pro Stunde entgegen. Ab 118 km/h sprechen Meteorologen von einem Orkan. Das entspricht auf der Erde Windstärke zwölf und ist der höchste Wert auf der Beaufort-Skala. Den titanischen Winden geht dann lange noch nicht die Puste aus.

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