Ein internationales Forscherteam machte sich vor kurzem daran, dreidimensionale Karten des Universums zu erstellen. Dabei beschränkten sie sich zwar auf einen Ausschnitt, doch die Ergebnisse faszinieren die Astronomen. Das Team vom Sloan Digital Sky Survey (SDSS) vermaß die Position von 46.000 sehr hellen roten Galaxien innerhalb eines Raumes mit fünf Milliarden Lichtjahren Durchmesser.
Es zeigte sich, dass in Abständen von 500 Millionen Lichtjahren größere Galaxienhaufen durch die Riesenkugel schweben. Die Zwischenräume sind relativ leer. Ihre Ergebnisse stellte die Gruppe gerade bei einem Treffen der American Astronomical Society vor, sie sollen außerdem im "Astrophysical Journal" veröffentlicht werden.
Der Grund für das Muster von Materie sollen Schwingungen im Raum sein, die noch auf den Urknall zurückgehen. "Im frühen Universum gab es einen Bereich mit überdurchschnittlich viel Materie, den eine Wechselwirkung von Druck und Gravitation zum Schwingen brachte. Dabei entstanden Gravitations-Wellen, genauso als würde man einen Kiesel in einen Teich werfen", erklärte Bob Nichol von der University of Portsmouth in England.
"Diese Schwerkraft-Wellen breiteten sich über Millionen von Jahren aus, bis das Universum abkühlte und sie einfror. Die heutige Verteilung der Galaxien ist ein Abdruck der Wellen", so der SDSS-Forscher Nichol.
Die Existenz der Tiefkühl-Wellen ist keine Neuigkeit für Astronomen. 1970 hatte man erstmals angenommen, dass sie existieren. 1999 konnte man sie durch Schwankungen in der kosmischen Hintergrundstrahlung nachweisen, den Nachglühen des Urknalls im Mikrowellenbereich das Universum füllt.
"Wir haben jetzt einen Zollstock"
Schon lange hatte man vermutet, dass die beim Urknall ausgesendeten Erschütterungen auch die Materie für die Entstehung von Galaxien zusammengeschoben haben. Tatsächlich entsprechen die jetzt entdeckten Galaxienmuster genau den Vorhersagen.
Die 500 Millionen Lichtjahre großen kosmischen Wellentäler könnten den Astronomen bei weiteren Messungen helfen. "Wir haben jetzt einen Zollstock, mit dem wir die Ausdehnungsrate des Universums bestimmen können", sagte Idit Zehavi von der University of Arizona. Die Ausdehnung sei abhängig von der dunklen Materie und der dunklen Energie - jenen beiden rätselhaften Phänomenen, die nach bisherigen Erkenntnissen gemeinsam bis zu 95 Prozent der Masse des Universums ausmachen, aber noch nie direkt nachgewiesen werden konnten.
Die Übereinstimmung zwischen der Theorie und der tatsächlichen Galaxienverteilung ist für die Physiker allerdings mit bitterer Ironie verbunden, denn sie bringt keine neuen Ansätze für weiterführende Forschungen. "Gerade weil alles so gut zusammenpasst und unser bisheriges Standardmodell bestätigt wird, können wir aus unseren Messungen keine neuen Erkenntnisse zur eigentlichen Natur der dunklen Energie und der dunklen Materie gewinnen", sagte SDSS-Leiter Daniel Eisenstein.
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