• Drucken
  • Senden
  • Feedback
29.01.2005
 

Schwarzes Loch

Fressorgie lässt Wolke leuchten

Das Schwarze Loch in der Mitte unserer Milchstraße galt unter Astronomen bisher als satt und behäbig. Doch offenbar hält der Moloch nur einen Verdauungsschlaf - und könnte schon bald wieder gewaltige Mengen an Materie verschlingen.

Milchstraßenzentrum: Sagittarius A und das plötzliche Leuchten der Wolke Sagittarius B2
Zur Großansicht
ESA

Milchstraßenzentrum: Sagittarius A und das plötzliche Leuchten der Wolke Sagittarius B2

Erst 350 Jahre ist es her, da genehmigte sich Sagittarius A einen ordentlichen Brocken Materie. Die schickte noch ein SOS-Signal in Form von Gammastrahlen ins All, ehe sie auf Nimmerwiedersehen im Innern des Lochs verschwand.

Der Gammablitz raste durch den Weltraum und traf auf die Wasserstoffwolke Sagittarius B2. Deren Aufleuchten haben Wissenschaftler jetzt mit dem Gammastrahlen-Teleskop "Integral" entdeckt. "Wir sehen das Echo eines natürlichen Spiegels nahe des galaktischen Zentrums", erklärt Mikhail Revnivtsev vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching. Der Blitz sei so stark gewesen, dass die Wolke fluoreszierte und es erstmals ermöglicht habe, die hektische Vergangenheit von Sagittarius A zu rekonstruieren.

Die Gammastrahlung entsteht, wenn die Materie am Rande des Schwarzen Lochs von der Gravitation zerstört und enorm erhitzt wird. Kurz darauf verschwindet die Materie hinter dem Ereignishorizont des Loches. Die Gammastrahlen konnten der Anziehung jedoch entfliehen.

Der Appetit von Sagittarius A überrascht die Forscher, denn seine Masse ist mehr als eine Million Mal größer als die unserer Sonne. Solche supermassiven Löcher, die in den Zentren der meisten Galaxien zu finden sind, gelten als weniger aktiv. Die große Masse des Schwarzen Lochs verstärkte noch die Intensität des Gammablitzes.

Revnivtsev und sein Team glauben, dass Sagittarius A zur Entstehungszeit des jetzt beobachteten Gammablitzes etwa zehn Jahre lang aktiv war, eventuell auch deutlich länger. Die Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass das Loch in der näheren Zukunft wieder Appetit auf Materie entwickeln wird.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Weltall

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP