Erste Nachrichten über den spektakulären Fund kursierten bereits seit Tagen unter Experten und Hobby-Astronomen in Internetforen. In der Ankündigung eines Vortrags, der Mitte März auf der Lunar and Planetary Conference 2005 in Texas gehalten werden soll, war von dem Eissee auf dem Mars die Rede, entdeckt von der Esa-Sonde "Mars Express".
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat die Entdeckung, die eigentlich erst am 17. März im Wissenschaftsmagazin "Nature" publik gemacht werden sollte, jetzt bestätigt und Bilder der HRSC-Kamera an Bord von "Mars Express" veröffentlicht.
Das Forscherteam unter Leitung des Geologen John Murray von der englischen Open University ist überzeugt, auf den Fotos riesige Packeisschollen zu erkennen. Sie bildeten demnach einst einen See mit einer Fläche von 800 mal 900 Kilometern und einer Tiefe von etwa 45 Metern - also etwa den Ausmaßen der Nordsee. Das Gebiet befindet sich bei 5 Grad nördlicher Breite und 150 Grad östlicher Länge in der Elysium-Ebene des Roten Planeten.
Ein Packeis-Fund so nahe am Äquator des Mars wäre eine Überraschung, denn wegen der dortigen Sonnenstrahlung sollte Wassereis eigentlich relativ schnell verschwinden. Die Wissenschaftler glauben jedoch, dass eine Schicht aus vulkanischer Asche das Eis davor bewahrt hat.
Das Gebiet sei "morphologisch identisch" mit Eisbergen auf den Meeren der Erde, erklären die Forscher. Für die Existenz von Eis auf der vulkanischen Elysium-Ebene spreche zudem die extrem glatte Oberfläche des jetzt fotografierten Gebietes. Wäre das Eis verschwunden, müsse die Oberfläche durch Erosion stärker verändert worden sein.
Weiterhin überraschend ist das nach geologischen Maßstäben extrem geringe Alter des gefrorenen Sees, das Murray und seine Kollegen anhand der geringen Zahl von Meteoriten-Einschlagskratern auf lediglich fünf Millionen Jahre schätzen. "Bestätigen sich die Ergebnisse, ist Mars ein nach unseren Maßstäben noch heute geologisch aktiver Planet", sagte Ernst Hauber, Geologe am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin. Lange galt es als gesichert, dass der Mars seit mindestens 100 Millionen Jahren geologisch inaktiv ist.
Als Alternative zu der Interpretation, dass die kantigen Schollen "fossile Eisberge" in einem gefrorenen See sind, kommen nach Meinung der Forscher lediglich zerbrochene Schollen erkalteter Lavaströme in Frage. Das aber sei unwahrscheinlich, da die Platten etwa hundertmal größer seien als Lavaschollen auf der Erde. Zudem weise das Packeis über eine Strecke von mehr als 60 Kilometern kein Gefälle auf, was bei einem Lavastrom ungewöhnlich wäre.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Weltall | RSS |
| alles zum Thema Mars-Missionen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH