Die Raumfahrt hat der Menschheit eine Reihe spektakulärer Ereignisse beschert: den ersten Menschen im All (Juri Gagarin, 1961), die ersten Schritte auf dem Mond (Neil Armstrong, 1969) oder die Roboterausflüge der Nasa auf dem Mars (2004). Wenn Wissenschaftler die erfolgreichste astronomische Mission aller Zeiten nennen sollen, dann denkt mancher allerdings nicht an diese populären Projekte, sondern an das Weltraumteleskop "Hubble".
Heute kreist das 13 Meter lange Ungetüm genau 15 Jahre um die Erde - für seine Betreiber, Nasa und Esa, ein Anlass, auf die bisherige Arbeit noch einmal zurückzublicken. Am 25. April 1990 wurde "Hubble" von der US-Raumfähre "Discovery" in etwa 600 Kilometer Höhe ausgesetzt. Der Shuttle hatte das zehn Tonnen schwere Teleskop huckepack ins All befördert.
Zu Beginn schien die Mission beinahe schon gescheitert. Statt der erwarteten brillanten Fotos lieferte "Hubble" nur unscharfe Bilder. Wie sich herausstellte, war der Hauptspiegel des Teleskops falsch geschliffen worden. Der Fehler konnte glücklicherweise bei späteren Reparaturmissionen korrigiert werden.
Seitdem hat "Hubble" die Astronomen mit 750.000 Fotos beglückt. Pro Woche funkt es 120 Gigabyte Daten zur Erde. Weil im Erdorbit der Blick nicht durch die Atmosphäre gestört wird, sind die Fotos etwa 20-mal schärfer als solche von terrestrischen Teleskopen.
Die Bilder erwiesen sich nicht nur als äußerst spektakulär, sie trugen auch entscheidend zu Theorien über unser Universum bei, etwa die Entstehung von Sternen, Schwarzen Löchern oder Galaxien. Dank "Hubble" konnte das Alter des Universums genau bestimmt werden: 13,7 Milliarden Jahre. Auch auf die Existenz der mysteriösen dunklen Energie lieferte das Superauge wertvolle Hinweise. Das Teleskop spürte außerdem sogenannte supermassive Schwarze Löcher auf, deren Existenz theoretisch vorhergesagt worden war.
Das Teleskop hat zwei Spiegel. Der Hauptspiegel besitzt einen Durchmesser von 2,4 Metern. Daneben hat "Hubble" mehrere Spektrometer und Kameras für spezielle Aufgaben an Bord.
Trotz der äußerst erfolgreichen Arbeit in den vergangenen 15 Jahren ist die Zukunft von "Hubble" ungewiss. Ursprünglich hatte die Nasa aus Kostengründen schon den kontrollierten Absturz beschlossen. Auch Proteste von Wissenschaftlern änderten daran nichts.
Das Teleskop müsste in den nächsten Monaten dringend repariert werden. Die Batterien sowie die Gyroskope zur Lageregelung müssten dabei ausgetauscht werden. Nach dem Absturz der Raumfähre "Columbia" am 1. Februar 2003 erschien der Nasa eine bemannte Mission jedoch zu riskant - eine Reparatur durch Roboter schließt die US-Weltraumbehörde aus.
Doch es gibt ein Fünkchen Hoffnung: Der neue Nasa-Direktor Michael Griffin macht das weitere Schicksal von "Hubble" von einem erfolgreichen Flug der Raumfähre "Discovery" abhängig. Sie soll zwischen dem 15. Mai und dem 3. Juni starten. Sobald die "Discovery" sicher zurückgekehrt sei, würden die Optionen für einen vierten Wartungsflug zu "Hubble" geprüft, sagte Griffin.
Wird das Teleskop nicht repariert, muss es von einem unbemannten Raumschiff kontrolliert zum Absturz gebracht werden. Auf den Nachfolger für "Hubble" müssen Astronomen so oder so lange warten: Das "James Webb Space Telescope" soll erst 2011 starten. Bis dahin blieben den Forschern nur die beiden anderen Weltraumteleskope "Spitzer" und "Chandra". "Spitzer" späht ausschließlich im Infrarotbereich, "Chandra" im Bereich von Röntgenstrahlung.
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