Gespenster auf dem Roten Planeten? "Spirit" fotografierte die Mini-Wirbelstürme
Dass sich auf der Marsoberfläche überraschen viel bewegt, wussten die Nasa-Forscher schon etwas länger. Die Sonde "Mars Global Surveyor" hatte bereits mehrere der sogenannten Staubteufel beobachtet. Doch jetzt gelangen dem Rover "Spirit" spektakuläre Nahaufnahmen der bizarren Erscheinungen.
"Das sind die besten Aufnahmen, die wir jemals von Winden auf der Marsoberfläche bekommen haben", sagte Mark Lemmon von der Texas A&M University. "Spirit" befindet sich derzeit in dem Gusev-Krater. Der Rover hätte eigentlich schon längst seinen Geist aufgegeben haben müssen - funktioniert jedoch weiterhin. Die Nasa hat inzwischen sogar das Mars-Rover-Programm verlängert, um die wertvolle Datenquelle so lange wie möglich nutzen zu können.
Bei den beobachteten Erscheinungen handelt es sich um kleine Wirbelstürme, die auch Staub vom Marsboden aufwirbeln. Sie entstehen, weil sich die Marsoberfläche unter der Sonneneinstrahlung enorm aufheizt.
Im März hatte "Spirit" zufällig mehrere der Staubgeister erspäht - allerdings nur aus weiter Entfernung und in schlechter Auflösung. Die Nasa-Wissenschaftler gingen die Geistersuche daraufhin systematisch an und ließen die Kamera immer wieder Serien aus 21 Fotos schießen, wobei der Abstand von Bild zu Bild bei 20 Sekunden lag.
Verdächtige schwarze Schlieren
Die Aufnahmen funkte "Spirit" dann als verkleinerte Vorschaubilder (Thumbnail) zur Erde - die Forscher suchten die Bilder mit Gespenstern heraus und forderten diese dann in voller Auflösung an.
Im Gusev-Krater war ohnehin mit Staubstürmen gerechnet worden. Satellitenaufnahmen zeigten viele schwarze Schlieren, die offenbar entstehen, wenn kleine Wirbelstürme über den Boden fegen und Staub mit sich reißen.
Aus den Beobachtungen der Staubgespenster wollen die Forscher erfahren, wie und zu welcher Tageszeit Winde wehen. Auch könne man aus der Größe der Staubwolken berechnen, wie viel Staub täglich in die Atmosphäre gepumpt werde, teilte die Nasa mit. Auch Zusammenhänge mit den großen Staubstürmen, die bestimmte Marsregionen immer wieder erfassten, könnten festgestellt werden.
Chaotische Einbrüche
Die Marswinde stellen nicht nur ein interessantes Forschungsobjekt dar - ihnen verdankt die Nasa auch, dass "Spirit" auch nach mehr als 450 Tage auf dem Mars beinahe klaglos seinen Dienst verrichtet. Im März tobte ein schwerer Sturm, der glücklicherweise auch die arg verstaubten Solarzellen säuberte - "Spirits" einzige Energiequelle. Mittlerweile schaffen die Zellen wieder 93 Prozent ihrer anfänglichen Leistung.
Die Esa-Sonde "Mars Express" kartiert derweil weiter die Marsoberfläche mit ihrer hochauflösenden Stereokamera. Eine der jüngsten Aufnahmen zeigt das Gebiet Aureum Chaos, das im östlichen Teil von Valles Marineris liegt. Wie der Name Chaos nahe legt, ist die Region scheinbar ungeordnet von Bergrücken durchzogen. Die Tafelberge sind wenige bis Dutzende Kilometer breit.
Die bizarre Struktur dürfte nach Meinung der Forscher beim Kollabieren der ursprünglich ebenen Oberfläche entstanden sein. Das Becken sei mit Sedimenten gefüllt gewesen, teilte die Esa mit. Unterirdisches Eis, Magma oder Wasser könnten verschwunden sein und die Einbrüche verursacht haben.
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