Groß sind die Hallen der Nasa, so groß, dass offenbar manche Räume über Jahre oder gar Jahrzehnte verschlossen bleiben, ohne dass sich jemand für ihren Inhalt interessiert. Auf der Cape Canaveral Air Force Station in Florida etwa gab es einen solchen Raum - bis zwei Sicherheitsleute einen Blick in ihn werfen wollten.
Zwischen alten Filmrollen, dem gebrauchten Hauptreifen eines Space Shuttles, elektronischen Geräten und den Spuren diverser Nagetiere stießen sie auf ein Erbe des Kalten Krieges: zwei blaue Anzüge für Weltraum-Spione. Wie die Nasa mitteilt, hielten die Techniker den Fund zunächst für alte Kleidung von Astronauten der Gemini- oder Apollo-Missionen. Der Hersteller der Anzüge aber wusste es besser: Es handelt sich um MH-7-Trainingsanzüge, verwendet für ein militärisches Spionageprogramm.
Die US Air Force plante ab 1964 das "Manned Orbiting Laboratory" (MOL), das allerdings nie der Wissenschaft dienen sollte. Eine Gemini-Raumkapsel sollte Luftwaffen-Astronauten zu einer Raumstation bringen, um aus sicherer Höhe die Sowjetunion zu überwachen - ohne den Luftraum des Gegners zu verletzen und einen Zwischenfall zu verursachen. Nach einigen Wochen im Orbit sollte die Crew mit der Gemini-Kapsel wieder zur Erde zurückkehren.
Drei Astronautenteams wurden nach Angaben der Nasa für den Einsatz als Weltraumspione trainiert. Einer der jetzt im Launch Complex 5/6 gefundenen Anzüge trägt die Nummer 008 und die Aufschrift "Lawyer" auf dem linken Ärmel. Lieutenant Colonel Richard E. Lawyer gehörte zur ersten Gruppe, die für das MOL-Programm rekrutiert wurde. Der zweite Anzug trug die für einen Hightech-Spion äußerst treffende Nummer 007 - aber keinen Namen.
Die Weltraumspione verließen nie die Erde, und die Air Force gab die Pläne für das "Manned Orbiting Laboratory" 1969 auf. Dennoch hält die Nasa dem Programm zugute, "viele technologische Entwicklungen" hinterlassen zu haben.
Auch in den Annalen der Raumfahrtbehörde hinterließ das Spionagevorhaben seine Spuren. Sieben der jüngeren Astronauten wechselten in das bemannte Raumflugprogramm der Nasa und machten dort Karriere. Unter ihnen waren bekannte Namen: Robert Crippen etwa, der Pilot des ersten Space Shuttles. Noch höher hinaus ging es für den ehemaligen Beinahe-Weltraumspion Richard "Dick" Truly: Er war Pilot der zweiten Shuttle-Mission, brachte es in der US-Marine zum Vizeadmiral und leitete von 1989 bis 1992 als Direktor die Nasa.
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