Die Techniker der Nasa könnten sich dieser Tage an ein altes Sprichwort erinnert fühlen: Je mehr ich weiß, umso mehr weiß ich, dass ich nichts weiß. Noch nie wurde ein Space Shuttle derart intensiv beobachtet, fotografiert, analysiert und überwacht wie die "Discovery". Und die Nasa beginnt, den Fluch der neuen Informationsflut zu spüren: Vorfälle, die bei den bisherigen 113 Shuttle-Missionen mit großer Wahrscheinlichkeit regelmäßig auftraten, werden jetzt erstmals entdeckt und - auch das eine Folge des "Columbia"-Absturzes vom Februar 2003 - prompt veröffentlicht.
Die Nasa muss sich deshalb mit jeder noch so kleinen Delle im Shuttle intensiv befassen - und erklären, ob, wie oder warum sie nicht reagieren will. Das betrifft nun auch die beiden Füllstreifen, die zwischen Hitzekacheln an der Unterseite der "Discovery" hervorlugen. Die Nasa hat beschlossen, dass Shuttle-Astronaut Steve Robinson am morgigen Mittwoch die beiden Streifen während eines heiklen Außeneinsatzes entfernen soll. In der 25-jährigen Geschichte der Space Shuttles wäre es die erste Reparatur im All. Robinson hat genau eine Stunde Zeit für die Notoperation, die wahrscheinlich auf der Nasa-TV-Webseite übertragen wird.
Angst vor Versagen des Hitzeschilds
Heraushängende Füllstreifen sind für Nasa-Ingenieure nichts Neues. Des Öfteren wurden sie bei Space Shuttles dokumentiert, allerdings nur nach der Landung. Niemand weiß, ob die Streifen während des Wiedereintritts in die Atmosphäre auf ihre spätere Länge heruntergebrannt sind, wie lang sie vorher waren und welche Probleme sie verursachen könnten.
Die Nasa befürchtet, dass die Streifen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zu kurzen Stummeln abbrennen und Turbulenzen am Hitzeschild der "Discovery" verursachen. Sie könnten die Temperaturen an der Unterseite des Raumschiffs, die bis zu 1400 Grad betragen, stellenweise um bis zu 25 Prozent und damit um mehrere hundert Grad steigen lassen.
Bei der Nasa weiß niemand, ob das gefährlich werden könnte. Es gebe eine "große Unsicherheit" über den potentiellen Effekt der Füllstreifen, sagte Wayne Hale, stellvertretender Manager des Shuttle-Programms. "Während des Wiedereintritts in die Atmosphäre könnte alles normal verlaufen, oder einige schlechte Dinge könnten passieren."
19 Millimeter über der Sicherheitsgrenze
Die Stücke ragen rund 2,5 Zentimeter hervor - 19 Millimeter zuviel für die strengen Richtlinien der Nasa, die nur 6 Millimeter Toleranz vorsehen. Es habe eine "sehr reale Möglichkeit" gegeben, die Sicherheitslimits des Shuttles zu überschreiten, sagte Hale. "Diesen Weg wollen wir nicht gehen." Letztlich könne niemand die aerodynamischen Kräfte am Shuttle abschätzen, wenn es in 60 Kilometern Höhe mit 18-facher Schallgeschwindigkeit in die Gashülle der Erde braust.
Doch die Nasa wäre nicht die Nasa, würde sie nicht prompt einen scheinbar eleganten Ausweg präsentieren. "Wir haben unsere Optionen abgewogen und einen sehr einfachen Plan erstellt", erklärte Hale. Am Mittwoch soll Astronaut Steve Robinson wagen, was nie ein Mensch zuvor gewagt hat: am Roboterarm der "Discovery" baumelnd den Hitzeschild des Raumschiffs reparieren. Niemals wurde eine solche Aktion auch nur geübt.
Der Shuttle-Klempner soll zunächst versuchen, die beiden keramikbeschichteten Filzstücke mit der Hand zu entfernen. Wenn das nicht möglich ist, soll er eine Spezialsäge zur Hilfe nehmen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Hightech-Werkzeug aus den Labors der Nasa, sondern um ein Behelfsinstrument. Die Bodenstation schickte eine Gebrauchsanleitung zur "Discovery" - und die Astronauten basteln jetzt an der Säge. "Das Ganze ist praktisch ein Griff mit einer gezackten Seite", meinte Nasa-Mitarbeiter Rob Navias.
"Unser Team liebt diese Herausforderung"
Sollte Robinson dann an der beschädigten Stelle angekommen sein, sei das Zurechtstutzen der Füllstreifen selbst eine Leichtigkeit, glaubt Hale. Allerdings räumte er ein, dass bei dem Manöver der Schutzschild durch die Werkzeuge oder den Astronauten beschädigt werden könnte. Die Keramikkacheln sind zwar sehr hitzebeständig, aber zerbrechen auch schnell. In diesem Fall wäre das Problem noch weit größer geworden als zuvor. Neue Einzelheiten zu dem heiklen Unternehmen will die Nasa am heutigen Dienstag um 10.30 Uhr Ortszeit (17.30 Uhr MESZ) bekannt geben.
Die Raumfahrtbehörde wagt den Einsatz, weil sie nicht noch ein Shuttle wegen eines Defekts am Schutzschild verlieren will. Der Absturz der "Columbia" im Februar 2003 wurde allerdings nicht von losen Fugenfüllstreifen, sondern von einem Loch im Hitzeschild an der linken Tragfläche ausgelöst. Ein Schaumstoffteil, das sich beim Start vom Haupttank löste, hatte den Schaden verursacht. Da beim Start der "Discovery" erneut herabfallender Schaumstoff beobachtet wurde, sind die Shuttle-Starts nun wieder bis auf weiteres ausgesetzt.
Die Moral der "Discovery"-Astronauten kann das nicht schmälern, wie Hale betonte. Schließlich habe man durch die neue Rundum-Beobachtung des Shuttles erstmals die Gelegenheit, Schäden wie etwa heraushängende Füllmasse zu erkennen und zu beheben. Dass die Reparatur im All riskant sei, befeuere die Astronauten nur zusätzlich. "Unser Team liebt eine Herausforderung wie diese", meint Hale.
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... durch die Erdatmosphäre wird der Laser "sehr früh" gestört, so dass sich die Streuung auf große Distanzen sehr stark auswirkt (nehme ich an). Darum hätte ich den Mond vorgeschlagen. Bin aber auch kein Physiker, [...] mehr...
Das war mir schon bewusst. Ich wusste nur nicht, wie groß die Streuung tatsächlich ist. Danke für die Ergänzung. ;-) mehr...
Hmm, nun ja. Bei diesen Messungen kommen vielleicht eine Handvoll Photonen wieder im Detektor auf der Erde an. Diese dann nachzuweise und vom Hintergrundrauschen zu separieren ist schon eine sportliche Leistung. Jeder Messpuls [...] mehr...
Ich bin jetzt kein Physiker, aber erfordert eine künstliche Kernfusion nicht einen stark gebündelten Laserstrahl? Der Strahl müsste doch direkt in die Kammer treffen. Das zweite Problem sehe ich in der Energie. In der [...] mehr...
verstanden, danke! mehr...
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