Als Steve Robinson mit nur wenigen Handgriffen die losen Füllstreifen aus dem Hitzeschild der "Discovery" zog, ging ein Seufzer der Erleichterung durch das Nasa-Kontrollzentrum in Houston. Michael Massimino, der am Boden den heiklen Reparatureinsatz überwacht hatte, wollte Robinson nun so schnell wie möglich wieder im sicheren Inneren der "Discovery" wissen.
Doch Robinson konnte gar nicht genug bekommen von der Aussicht, die sich ihm an der Unterseite der Raumfähre bot. Anstatt seinen Außeneinsatz zu beenden, bestand er darauf, noch mehr Fotos zu schießen. "Ihr Jungs werdet noch glücklich sein, dass ich eine Kamera dabeihatte", sagte Robinson in sein Funkgerät. "Es ist wunderschön, den Orbiter aus diesen Blickwinkeln vor der Erde zu sehen."
Der Astronaut hatte Recht: Die Fotos, die Robinson und sein japanischer Kollege Soichi Noguchi von den drei Außeneinsätzen der aktuellen "Discovery"-Mission mitgebracht haben, sind einzigartig in der Geschichte der Raumfahrt. Nie zuvor gab es derart detailreiche und scharfe Aufnahmen von Weltraumspaziergängen und einem Space Shuttle im Orbit.
Die Nasa dürfte die beeindruckenden Fotos mit Wohlwollen sehen, denn das Image der US-Raumfahrtbehörde hat unter der wenig glücklich verlaufenen "Discovery"-Mission arg gelitten. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass die Amerikaner mit der Arbeit der Nasa so unzufrieden sind wie seit 20 Jahren nicht mehr. Faszinierende Impressionen aus dem All können da nur willkommen sein.
Astronauten machen sich bereit zur Rückkehr
Die sieben Astronauten haben unterdessen ihre Sachen für den Rückflug gepackt. Einen Tag vor dem Abkoppeln des Shuttles von der Internationalen Raumstation (ISS) verstauten sie am heutigen Freitag ihre Laptops und anderes technisches Gerät in der Fähre. Außerdem hievten sie einen großen Container mit dem Abfall der ISS aus den vergangenen zweieinhalb Jahren und anderen Dingen mit Hilfe eines Roboterarms in die Ladebucht der "Discovery".
Am Montag soll der Space Shuttle zur Erde zurückkehren, die Landung am Kennedy Space Center ist für 10.46 Uhr deutscher Zeit geplant. Mehrere TV-Sender werden das Ereignis live übertragen, auch die Nasa wird Direktbilder auf ihrer TV-Seite zeigen.
Die Raumfahrtbehörde hatte am Donnerstag entschieden, den Shuttle ohne einen zweiten Reparatureinsatz zur Erde zurückkehren zu lassen. Der Schaden am Isolierstoff unterhalb des Cockpitfensters der "Discovery" stelle eine nur geringe Gefahr dar und müsse deshalb nicht behoben werden, teilte der stellvertretende Leiter des Raumfährenprogramms, Wayne Hale, in Houston mit.
Hale räumte ein, dass es unter "unglücklichen Umständen" möglich sei, dass das rund 50 Zentimeter lange Stück Stoff beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre abreiße. Im schlimmsten Fall könne es ein Loch und einen knapp zwei Meter langen Riss in eine der Bremsklappen schlagen. "Aber selbst dass würde nicht ausreichen, die 'Discovery' und ihre Besatzung zu gefährden", sagte Hale. Das Risiko, dass Teile der Isolierdecke schwere Schäden am Heck der Raumfähre verursachen, liege nach Tests im Windkanal bei nur 1,5 Prozent.
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