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01.12.2005
 

Saturnmond

Titan blieb lebensfeindliche Eiswüste

Forscher haben einen ersten großen Bericht über die Daten der Raumsonde "Huygens" vom Saturnmond Titan vorgelegt. Das wilde Wetter und die geologische Aktivität erinnern demnach an die junge Erde, doch Titan blieb eine eisige und wohl auch lebensfeindliche Welt.

Titan ist der einzige Mond im Sonnensystem, der eine dichte Atmosphäre besitzt. Doch Lebensformen haben Wissenschaftler auf ihm nicht erwartet, ehe sie die europäische "Huygens"-Sonde auf den Weg zu dem Saturnmond geschickt haben. Nicht nur in dieser Hinsicht hat die Raumsonde die Erwartungen erfüllt: Titan ist eine eisige Welt mit rauem Wetter. Obwohl "Huygens" neben Wassereis auch organische Komponenten im Titan-Boden nachweisen konnte, halten es die Forscher nach den vorliegenden Daten aber für nahezu ausgeschlossen, dass sich auf dem Mond Leben entwickeln konnte.

"Huygens" konnte nach der Landung noch knapp vier Stunden Daten zur Erde übermitteln. Dann versagten wegen der an der Oberfläche herrschenden Temperaturen von minus 180 Grad die Batterien der Sonde. Sieben Teams aus den USA und Europa haben jetzt im Fachblatt "Nature" einen ersten großen Zwischenbericht über die Auswertung der Messdaten vorgelegt.

Titan ähnelt demnach in mancher Hinsicht einer Tiefkühlversion der jungen Erde. Auch Wettersysteme, Atmosphärenschichten und sogar Blitze sowie Anzeichen für geologische Aktivität habe die Raumsonde beobachtet. Die Entwicklung sei jedoch in einem frühen Stadium eingefroren.

Flüssiges Methan statt Wasser

Die Eiswelt des größten Saturnmonds liegt verborgen unter einer dichten Wolkendecke. Wegen der tiefen Temperaturen an der Oberfläche fehlen jedoch flüssiges Wasser und selbst Wasserdampf in der Atmosphäre. Daher besteht der urtümliche, Wasserstoff-reiche Zustand seit Jahrmilliarden unverändert, berichten die Forscher. Unter diesen Bedingungen sind Seen und Bäche aus Flüssiggas statt Wasser möglich.

Flüssiges Methan, das als Regen fallen oder aus Eisvulkanen sprudeln könnte, überflutet vermutlich regelmäßig die Titanoberfläche. Das zumindest legen die erdähnlichen Flussbette und Abflussrinnen nah, die "Huygens" während seiner Landung beobachtet hat, schreiben die Wissenschaftler. Auch durch die Titan-Atmosphäre wabern große Mengen Methangas, aus denen sich unter Einfluss des Sonnenlichts ein dicker, undurchsichtiger "organischer Smog" bildet. Kohlenstoff- und Stickstoff-haltige Aerosole nieseln als konstanter "organischer Regen" auf die Mondoberfläche, berichteten Guy Israel vom französischen Forschungszentrum CNRS und seine Kollegen.

Verborgene Gasquellen

Der Analyse einer Gruppe um Hasso Niemann vom Goddard Space Flight Center der Nasa zufolge deutet jedoch nichts darauf hin, dass das Methangas in der Titanatmosphäre von Lebensformen stammt. Die Kohlenwasserstoffverbindung strömt vermutlich aus dem Inneren des Mondes und wird über bislang nicht entdeckte Quellen kontinuierlich oder in wiederholten Ausbrüchen freigesetzt.

Wie auf der Erde besteht die Titanatmosphäre zum großen Teil aus Stickstoff, der vermutlich wie bei unserem Heimatplaneten mit gefrorenen, Ammoniak-haltigen Kleinstplaneten auf den Mond kam. Die Datenanalyse könnte noch so manche Überraschung für die Planetenforscher bieten, meint Tobias Owen von der University of Hawaii in einem Begleitartikel in "Nature".

Die Tandemsonde "Cassini-Huygens" ist ein amerikanisch- europäisches Gemeinschaftsunternehmen. Der Nasa-Orbiter "Cassini" war nach siebenjähriger Reise im Dezember 2004 in eine Umlaufbahn um den Ringplaneten Saturn eingeschwenkt und hatte die europäische Titan-Sonde "Huygens" ausgeklinkt. Das Landemodul setzte am 14. Januar 2005 auf dem Mond auf, der mit einem Durchmesser von mehr als 5000 Kilometern größer ist als der Planet Merkur.

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