Im All gibt es keine Schienen. Trotzdem strebte in der Weltraum-Euphorie der sechziger und frühen siebziger Jahre sogar die britische Eisenbahngesellschaft in unendliche Weiten. Das Jahrzehnt zwischen dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten "Sputnik" 1957 und Neil Armstrongs ersten Schritten auf dem Mond 1969 inspirierte die Betreiber von Massentransportmitteln zu Phantasien über den mutmaßlich kurz bevorstehenden Fahrgastbetrieb Richtung Sterne.
In einer fliegenden Untertasse, angetrieben von einem Fusionsreaktor, sollten Passagiere befördert werden. Diese Idee des Erfinders Charles Osmond Frederick ließ sich British Rail im Dezember 1970 gar patentieren. Unter der Patentnummer 1310990 wurde es im März 1973 veröffentlicht.
Der einzige Schönheitsfehler - und wohl der Grund dafür, dass bis heute kein solches Objekt von einem britischen Bahnsteig aus zu den Sternen geflogen ist - ist erschütternd simpel: Heute wie damals gibt es den in der Patentschrift geschilderten Antrieb nicht. Kurz gesagt sollten an einem Punkt unter dem Ufo Laserstrahlen so aufeinander treffen, dass in einem unter Hochdruck genau dorthin gespritzten Flüssigtreibstoff eine "kontrollierte thermonukleare Fusion" stattfindet. "Möglicherweise supraleitende Magneten" an der Unterseite des Gefährts könnten die Partikel aus dieser Fusionsreaktion vom Ufo ablenken.
"Das alles fußt auf einem Fusionsprozess, den es bis heute nicht gibt. Und selbst wenn es ihn gäbe, würde er eine unglaubliche Menge Energie benötigen", sagte Michel van Baal von der Europäischen Raumfahrtbehörde (Esa) der Londoner Zeitung "Daily Telegraph".
Ein Sprecher des britischen Verkehrsministeriums erklärte auf Nachfrage der Zeitung, heute gebe es keine Pläne zur Einführung fliegender Untertassen mit Kernkraft-Antrieb.
stx
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