Mit einem Durchmesser von ungefähr drei Millionen Lichtjahren ist der Gasball fünf Milliarden Mal größer als unser Sonnensystem und damit das größte bislang bekannte Objekt seiner Art. Bestehend aus heißem Gas rast er durch den fernen Galaxiehaufen Abell 3266.
Allerdings schrumpft der Riesenball von Stunde zu Stunde: Die umgebenden Galaxien ziehen ständig Materie aus seinem Kern ab, die dann sowohl den Schweif des Gaskometen bildet als auch zum Baumaterial für neue Sterne wird. Stündlich geht dabei so viel Masse verloren, wie in der gesamten Sonne steckt.
Entdeckt hat den Rekord-Feuerball Alexis Finoguenov. Der Forscher, der an der University of Maryland in Baltimore und am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München arbeitet, hatte gemeinsam mit Kollegen Röntgenaufnahmen des europäischen Weltraumteleskops "XMM-Newton" ausgewertet.
Der Gasball habe sich vermutlich vor etwa zwei Milliarden Jahren bei der Kollision einer großen Galaxie mit einer kleineren gebildet, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal" (Bd. 642, S. 790). Dabei spaltete sich ein Gasklumpen vom kleineren Kollisionspartner ab und wurde ins All geschleudert, wo er schließlich in den Gravitationsbereich des Galaxienhaufens Abell 3266 geriet.
Tauziehen zwischen Gasball und gierigen Galaxien
Momentan befindet sich der Ball in der Nähe des Zentrums des Haufens, der mehrere hundert Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist und mit seinen vielen hundert Galaxien zu den massereichsten Galaxienhaufen des südlichen Himmels gehört.
Obwohl er selbst schon nach irdischen Maßstäben unglaublich heiß ist, hebt sich der Gasball auf den Röntgenbildern von "XMM-Newton" als kühle, dichte Struktur vom umgebenden wesentlich heißeren Gas des Galaxienhaufens ab. Aus diesem Grund konnten die Forscher auch die Schweifbildung sehr gut beobachten: Das Gas wird buchstäblich vom Kern abgestreift und sammelt sich hinter ihm.
Finoguenov und seine Kollegen schätzen, dass der Feuerball auf diese Weise jede Stunde eine Materiemenge verliert, die der Masse der Sonne entspricht. "Das ist wohl wie die Lieferung eines massiven Blocks Baumaterials für die größte Ansammlung von Galaxien, die uns bekannt ist", sagte Finoguenov.
"In Abell 3266 sehen wir Strukturbildung in Aktion", sagte Mark Henriksen von der University of Maryland, einer der mitarbeitenden Wissenschaftler. "Dunkle Materie ist der gravitatorische Kleber, der den Gasball zusammen hält. Aber während dieser durch die Galaxien-Ansammlung rast, entspinnt sich ein Tauziehen, das die Galaxien letztlich gewinnen werden."
stx/ddp
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