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27.06.2006
 

Sorge um ISS

Unbekanntes Müll-Objekt bedroht Raumstation

Ein Stück Weltraumschrott ist der Internationalen Raumstation so nahe gekommen, dass die Flugleitzentrale schon über eine Kursänderung nachdenkt - was den Start der Raumfähre "Discovery" gefährden könnte. Das geheimnisvolle Objekt steht nicht im Verzeichnis der bekannten Weltraum-Trümmer.

Am Samstag soll das Space Shuttle "Discovery" mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter an Bord ins All starten. Das Ziel der Raumfähre: die Internationale Raumstation (ISS). Ausgerechnet in deren Nähe ist nun ein unbekanntes Objekt aufgetaucht.

In der Bodenstation seien die Wissenschaftler in Sorge, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Das Objekt sei etwa 2,8 Kilometer von der ISS entfernt, teilte die russische Flugleitzentrale bei Moskau unter Berufung auf die US-Weltraumbehörde Nasa mit. "Die Lage ist ziemlich ernst", sagte der russische Flugbahnspezialist Alexander Kirejew.

Der zuständige russische Verantwortliche Jewgeni Melnikow sagte der russischen Zeitung "Trud", man habe der Nasa bereits Vorschläge für verschiedene Ausweichmanöver der Weltraumstation geschickt. Nach seinen Angaben müsste dann aber auch der Start der "Discovery" gestoppt werden.

Offenbar handelt es sich bei dem Objekt um Weltraumschrott, genau identifizieren konnten die Spezialisten in der Bodenstation den Störenfried jedoch noch nicht. "Das Objekt hat keine Nummer im Verzeichnis des Weltraummülls", erklärte Kirejew nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Es sei aber wahrscheinlich ein Teil eines alten Weltraumapparates.

Ausgebrannte Raketenstufen, abgesprengte Verkleidungsteile, zerstörte oder schlicht stillgelegte Satelliten fliegen mittlerweile zu Tausenden um den Erdball. Alleine 9500 Objekte von mehr als zehn Zentimetern Durchmesser haben Beobachter des "US Space Surveillance Network" der Nasa bislang gezählt. Allerdings gefährden auch schon kleinere Teile als rasende Geschosse Raumfahrer und Satelliten.

Simulationen und Verzeichnisse, wie sie etwa an der Technischen Universität Braunschweig im Auftrag der europäischen Weltraumbehörde Esa erstellt werden, zeigen die Umlaufbahnen aller registrierten Schrottteile. Zu diesen gehört das mysteriöse Objekt in der Nähe der ISS aber nicht.

Spionagesatelliten hinterlassen dunklen Schrott

Allerdings gibt es im Erdorbit noch die sogenannten schwarzen Satelliten und die Überbleibsel der Raketen, die sie am Himmel platzierten. Spionage- und Militärsatelliten unterliegen der Geheimhaltung - auch noch lange, nachdem sie von ihren Betreibern deaktiviert worden sind.

Experten gehen von einigen Hundert großen Objekten im Orbit aus, die offiziell gar nicht existieren. SPIEGEL ONLINE berichtete über aufmerksame Amateure, die von der Erde aus versuchen, solche dunklen Späher und ihre Überreste zu identifizieren - und ihre Flugbahnen ins Internet stellen.

Die Flugleitzentrale bei Moskau beobachtet nun, ob sich das Objekt weiter auf die ISS-Flugbahn zubewegt. In diesem Fall müsste die Besatzung der Raumstation, Jeff Williams und Pawel Winogradow, sicherheitshalber in das angekoppelte Rettungsraumschiff Sojus-TM wechseln. Die ISS ist bereits mehrfach Flugobjekten im All ausgewichen.

Bleibt die ISS jedoch an ihrer Position, soll Astronaut Reiter europäische Forschungsgeräte auf die Station bringen - und ein halbes Jahr lang als zweiter Bordingenieur auf der ISS bleiben.

stx/AFP/dpa

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