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23.08.2006
 

Abschlag von der ISS

Nasa erlaubt Golf im All

Im Weltraum darf nun doch Golf gespielt werden: Die Nasa hat einem russischen Astronauten erlaubt, einen Ball von der Internationalen Raumstation aus ins All zu schlagen. Die Werbeaktion war zuvor aus Sicherheitsgründen verboten worden.

Wenn auf Erden die Amerikaner das Erntedankfest feiern, schwingt im All ein Russe den Golfschläger: Mikhail Tyurin wird am 23. November von der Internationalen Raumstation (ISS) aus einen Ball ins All schlagen, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa bekanntgegeben hat. Tyurin tut das nicht nur aus Spaß am Sport: Mit der Aktion will ein kanadischer Golfschläger-Hersteller für seine Produkte werben. Man darf jetzt schon darauf gefasst sein, dass anschließend vom längsten Abschlag der Sport-, wenn nicht gar der Menschheitsgeschichte die Rede sein wird.

Internationale Raumstation: Russe will Golf im All spielen
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REUTERS

Internationale Raumstation: Russe will Golf im All spielen

Mit der Abschlagserlaubnis hat die Nasa eine Kehrtwende vollführt. Erst Ende Mai hatte die Raumfahrtbehörde bei ihren russischen Partnern interveniert, als sie von der geplanten PR-Aktion erfuhr. Der Golfball, so hatten die Nasa-Experten vorgerechnet, werde mit einer Geschwindigkeit von acht Kilometern pro Sekunde um die Erde sausen. Damit stelle er eine Gefahr für die ISS, amerikanische Space Shuttles und Satelliten dar. Der für Juni geplante Abschlag wurde daraufhin abgesagt.

Jetzt aber hat die Nasa eingelenkt. Der Golfball werde nur drei Gramm wiegen und innerhalb von drei Tagen in der Erdatmosphäre verglühen, sagte Kirk Shireman, stellvertretender Programm-Manager der ISS. Der Golfschläger-Hersteller, der über die Kosten des Werbegags schweigt, will nach eigenen Angaben nicht nur für seine Produkte werben, sondern auch an den ersten Abschlag im All erinnern: Vor 35 Jahren habe der US-Astronaut Alan Shepard während der "Apollo 14"-Mission auf dem Mond Golf gespielt.

Ausbau der ISS soll weitergehen

Tyurin und der US-Astronaut Miguel Lopez-Alegria sollen Mitte September an Bord einer Sojus-Kapsel zur ISS fliegen und sechs Monate lang an Bord der Raumstation bleiben. Eigentlich sollte der japanische Weltraumtourist Daisuke Enomoto die beiden Astronauten begleiten. Da der Geschäftsmann aber die medizinischen Tests nicht bestanden hat, muss er am Boden bleiben. Über einen möglichen Ersatz ist laut Shireman noch keine Entscheidung gefallen.

Sport auf dem Mond im Juni 1971: Astronaut Edgar  Mitchell, Pilot des "Apollo 14"-Landemoduls, wirft einen Speer, sein Kollege Alan Shepard holt zum Golf-Abschlag aus
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NASA-JSC

Sport auf dem Mond im Juni 1971: Astronaut Edgar Mitchell, Pilot des "Apollo 14"-Landemoduls, wirft einen Speer, sein Kollege Alan Shepard holt zum Golf-Abschlag aus

Die Nasa konzentriert sich unterdessen auf den weiteren Ausbau der ISS, der seit dem "Columbia"-Unglück im Februar 2003 unterbrochen ist. Am Sonntag öffnet sich das Zeitfenster für den Start der Raumfähre "Atlantis", die 17,5 Tonnen Material zur ISS in 350 Kilometer Höhe bringen soll. Die sechsköpfige Shuttle-Besatzung unter Leitung von Brent Jett will die neuen Teile auf ihrer elftägigen Mission unter anderem bei drei komplizierten Außenbordeinsätzen montieren.

Die ISS soll fertig gestellt sein, bevor die Nasa ihre Space Shuttles im Jahr 2010 ausmustert. Die "Atlantis" soll unter anderem neue Sonnensegel zur ISS bringen, die später rund ein Viertel des Strombedarfs der Raumstation decken sollen. Der Terminkalender der Shuttle-Crew ist so eng wie bei kaum einer anderen Mission zuvor. Die Astronauten haben viereinhalb Jahre für ihren Einsatz trainiert, so lange wie noch keine Besatzung vor ihnen.

Die Raumfähre kann im Zeitraum vom 27. August bis zum 13. September in Cape Canaveral abheben, aber die Nasa hofft auf einen Start vor dem 7. September, damit sich die Mission nicht mit dem Sojus-Flug von Tyurin und Lopez-Alegria überschneidet. "Atlantis"-Kommandant Jett unterstreicht, bei der Vollendung der ISS gehe es um mehr als den Aufbau eines Labors im Weltraum: "Es bereitet uns als Weltraumagentur darauf vor, den nächsten Schritt zu tun - zurück auf den Mond als ständiger Außenposten oder hinaus zum Mars."

mbe/AP

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