Noch in der Nacht zum Montag werde entschieden, ob der Space Shuttle am Dienstag starten könne oder in Sicherheit gebracht werden müsse, sagte der stellvertretende NASA-Direktor Bill Gerstenmaier am Sonntag in Cape Canaveral (Florida). "Wie verfolgen derzeit zwei gegensätzliche Ziele. Eins ist, für den Flug bereit zu sein. Und das andere ist, den Shuttle zurückzurollen", sagte Gerstenmaier. "Sie werden wahrscheinlich den Eindruck haben, wir haben den Verstand verloren."
Die Raumfähre "Atlantis" sollte eigentlich am Sonntag starten. Nach einem gewaltigen Blitzeinschlag in die Startrampe musste der Start auf Dienstagabend verschoben werden. Ingenieure müssten überprüfen, ob einer der heftigsten Blitze, der das Kennedy Space Center in Florida je getroffen hat, Schäden verursacht hat, sagte Nasa-Manager Leroy Cain. Der Blitz schlug am Freitag in die Startrampe und damit nicht direkt in den Space Shuttle ein, der 17,5 Tonnen Material zum Weiterbau der Internationalen Raumstation ISS ins All bringen soll. Doch verursachte er nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde ein starkes elektrisches Feld an der "Atlantis".
Daraufhin sollten einige Systeme am Boden und im Shuttle sowie eine Vorrichtung überprüft werden, mit der der äußere Treibstofftank von der Raumfähre abgesprengt werden soll. Dort habe es verschmort gerochen, berichteten Techniker. Es müsse sichergestellt sein, dass dort keine Kabel beschädigt seien, sagte der für den Start zuständige Nasa-Manager Mike Leinbach.
"Wir wissen gerade soviel um zu wissen, dass wir nicht genug wissen, um den Start weiter voranzubringen", erklärte Leinbach am Samstag. Das Zentrum für Blitzforschung der University of Florida erklärte, der Blitz sei dreimal stärker gewesen als ein durchschnittlicher.
Start für Dienstag avisiert
1987 stürzte eine unbemannte Atlas-Centaur-Rakete kurz nach dem Start ab, weil sie vom Blitz getroffen wurde. Auch bei Apollo 12 zerstörte ein Blitz mehrere Systeme, was den Erfolg der Mondmission jedoch nicht gefährdete.
"Atlantis" sollte ursprünglich heute Abend, dann am Montag um 22.04 Uhr (MESZ) starten. Dann wurde der Start auf Dienstag 21. 42 Uhr verlegt. Die Startverzögerungen hingen davon ab, ob zusätzliche Reparaturen erforderlich seien, sagte der leitende Programm-Manager Cain.
Zusätzliche Probleme könnte der im Golf von Mexiko erwartete Tropensturm "Ernesto" bereiten, der sich möglicherweise zu einem Hurrikan der Kategorie 3 auf der fünf Punkte umfassenden Skala ausweiten wird. Die Nasa ist besorgt, dass "Ernesto" die Kontrollstation im texanischen Houston gefährden könnte.
Zusätzliche Gefahr: Hurrikan "Ernesto"
Mit dem Flug der "Atlantis" will die NASA dreieinhalb Jahre nach der "Columbia"-Katastrophe den weiteren Ausbau der Internationalen Raumstation (ISS) vorantreiben. Die Shuttle-Besatzung von sechs Astronauten unter Leitung von Brent Jett will die neuen Teile auf ihrer elftägigen Mission unter anderem bei drei komplizierten Außenbordeinsätzen montieren.
Der Aufbau der halb fertig gestellten ISS hat sich durch den Absturz der "Columbia" verzögert. Die zwei Shuttle-Missionen seit der Katastrophe vom Februar 2003 waren vor allem Testflüge für die verbesserten Sicherheitsvorkehrungen der Raumfähren. Nach der erfolgreichen "Discovery"-Mission im vergangenen Monat, in deren Rahmen der deutsche Astronaut Thomas Reiter einen langen Außenbordeinsatz absolvierte, konzentriert sich die Nasa nun wieder auf den Bau der ISS.
hda/AP/Reuters
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