Sonntag, 22. November 2009

Wissenschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
14.06.2007
 

ISS-Bordcomputer

Dreifacher Absturz im All

Ein höchst irdisches Problem hat im All ungeahnte Konsequenzen: Drei lebenswichtige Bordcomputer der Internationalen Raumstation sind ausgefallen. Bis diese wieder funktionieren, wird die ISS von der Raumfähre "Atlantis" in der richtigen Höhe gehalten.

Cape Canaveral/Moskau - Der Gast muss im Moment Schwerstarbeit leisten. Seit an Bord der internationalen Raumstation (ISS) drei Bordcomputer gleichzeitig ausgefallen sind, sorgen Hilfsdüsen des angedockten Space Shuttles "Atlantis" dafür, dass die ISS nicht an Höhe verliert. Das Problem trat am Mittwoch auf, nachdem Astronauten bei einem Außeneinsatz ein neues Sonnensegel angeschlossen hatten.

Installationsarbeiten: An Bord der ISS fielen drei Computer aus, nachdem ein neues Solarelement angeschlossen worden war
REUTERS

Installationsarbeiten: An Bord der ISS fielen drei Computer aus, nachdem ein neues Solarelement angeschlossen worden war

Es sehe so aus, als ob das Einspeisen des Stroms aus den neuen Sonnensegeln dem Bordsystem noch Probleme bereite, sagte eine Sprecherin des russischen Raumfahrtkonzerns Energija in Moskau. Ob dies tatsächlich der Auslöser des Computerfehlers war, steht aber noch nicht abschließend fest.

Nach Angaben von Mike Suffredini, der bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa für das ISS-Programm verantwortlich ist, stellt der Ausfall eine Premiere dar: Nie zuvor seien alle drei Computer im russischen Teil der Raumstation ausgefallen und hätten sich nicht wieder automatisch hochfahren lassen, wie es jetzt der Fall ist. Allerdings sind Computerausfälle an sich keine Seltenheit an Bord der ISS. Russische Ingenieure arbeiten daran, die Bordcomputer wieder hochzufahren.

Die Rechner sind für die Navigation der Raumstation sowie für deren Lebenserhaltungssysteme wie etwa die Luftaufbereitung notwendig. Allerdings hat die ISS einen Sicherheitsvorrat an Sauerstoff für 56 Tage an Bord. Außerdem könnte sie auch nach einer gewissen Zeit ohne Kurskorrektur noch zurück in ihre Idealposition gebracht werden.

"Atlantis" könnte noch länger bleiben

Dass Suffredini bei der täglichen Pressekonferenz am gestrigen Mittwochabend auch eine mögliche Evakuierung der ISS erwähnt hatte, sorgte für Verwirrung. "Ich glaube nicht, dass dies etwas ist, wovon wir uns nicht erholen werden", sagte Suffredini. "Wir haben noch genügend Zeit, das Problem zu lösen." Nur wenn sich die Computer auch nach dem Abdocken der "Atlantis" nicht wieder starten ließen, könnte eine Evakuierung der ISS nötig werden. "Das wäre der schlimmste Fall, der eintreten könnte", sagte Suffredini. Für diese Option ist aber stets eine Rettungskapsel an die Raumstation angedockt.

Die Nasa bemühte sich klarzustellen, dass es nur ein "extremes Szenario" sei, die ISS zeitweilig ohne Besatzung zu lassen. Eine deutlich größere Rolle spielt die Erwägung, die Mission der "Atlantis" um einen weiteren Tag zu verlängern. Schon wegen eines Schadens an einer Hitzeisolierung des Shuttles wird die Besatzung zwei Tage länger im All bleiben als ursprünglich geplant. Nun könnte ein weiterer Tag wegen der Computerpanne hinzukommen.

Die Nasa meldete, dass ihre russischen Kollegen über Nacht "einige Verbindungen" zu den Bordcomputern wiederherstellen konnten. "Es gebe aber noch einiges aufzuräumen und auch noch einige Nachforschungen anzustellen", sagte Nasa-Flugdirektorin Holly Ridings. Warum die Rechner ausgefallen seien, könnten weder Russen noch Amerikaner derzeit sagen.

Dass der Rechnerabsturz "die Zukunft der Forschung im All in Frage" stellt, wie es die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) aus Houston meldete, dürfte schon deswegen übertrieben sein, weil die Internationale Raumstation nur einen kleinen Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung im Weltall leistet. Satelliten im Orbit und auf Routen durchs Sonnensystem liefern Wissenschaftlern weitaus mehr Daten aus der Schwerelosigkeit als die teuren Symbole der bemannten Raumfahrt - die oft hauptsächlich mit der Pflege der eigenen Lebenserhaltungssysteme beschäftigt sind.

stx/AP/dpa/Reuters

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH












Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern