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02.09.2007
 

Marsmond Phobos

Billigflug zum Trabanten des Roten Planeten

Von Guido Meyer

Phobos als Ausguck: Russen und Amerikaner nehmen den Marsmond als Missionsziel ins Visier. Während die US-Sonde "Phoenix" zum Mars unterwegs ist, bereitet Moskau den Flug zu Phobos vor. Denn er gilt als billig erreichbares Labor für die Marserforschung. Astronauten würden dort gar bergauf rollen.

Alle zwei Jahre stehen Erde und Mars so zueinander, dass die Konstellation für Missionen zum Roten Planeten günstig ist. Der Flug zu unserem kosmischen Nachbarn kann dann mit relativ wenig Energieaufwand und in verhältnismäßig kurzer Zeit bewältigt werden. Diese Gelegenheit lässt sich die Nasa selten entgehen und schickt alle 24 Monate eine neue Sonde zum Mars. Anfang August entsandte sie das Raumschiff "Phoenix", das – als erste Landeeinheit überhaupt – am Marsnordpol aufsetzen soll.

"Phoenix" ist der Name eines mythologischen Vogels, der verbrennt und aus seiner Asche wieder neu ersteht. Ganz ähnlich steigt auch die Mission "Phoenix" aus der Asche ihrer Vorgängerprojekte auf. Der "Mars Polar Lander" der Nasa sollte 1999 am Südpol unseres Nachbarplaneten aufsetzen, ging aber während des Abstiegs verloren. Daraufhin baute die Nasa eine weitere Landeeinheit, den "Mars Surveyor 2001 Lander", gar nicht erst zu Ende. Doch nach den erfolgreichen Marsmissionen der letzten Jahre – darunter die Bodenfahrzeuge "Spirit" und "Opportunity" sowie die Sonden "Mars Odyssey" und "Mars Reconnaissance Orbiter" – wurden die Karten neu gemischt. Aus Teilen der beiden früheren Mars-Landemissionen haben Ingenieure der Nasa und der University of Arizona in Tucson nun "Phoenix" gebaut.

"Wir wollen in der Permafrost-Region nahe des Nordpols landen, die im Winter vereist und im Sommer eisfrei ist", sagt Douglas McCuistion, Direktor des Mars-Forschungsprogramms der Nasa. "Phoenix" solle zwischen 65 und 75 Grad nördlicher Breite aufsetzen. "Wir sind an einer Gegend interessiert, wo es sowohl Eis als auch Staub gibt", erläutert der Amerikaner, "wir sprechen dabei von schmutzigem Eis."

"Phoenix" wird an einer festen Stelle stehen und nicht umherfahren können. Die Landeeinheit ist die erste überhaupt, die die Polregionen des Mars besucht. Ihre Mission besteht hauptsächlich darin, nach Wasser und nach Leben zu fahnden. "Das wichtigste Indiz, wenn man nach Leben sucht, ist flüssiges Wasser", betont Peter Smith von der University of Arizona, Chefwissenschaftler von "Phoenix". Heute sei das Nass an den Polkappen zwar gefroren. Aber früher könne sich durch Drehbewegungen des Mars dessen Klima vorübergehend so verändert haben, dass das Eis schmolz. Die Wissenschaftler suchen nun nach Hinweisen auf solche ehemaligen klimatischen Schwankungen.

Leben in Etappen

Planetenwissenschaftler halten es für möglich, dass die Pole des Roten Planeten einst in Richtung Sonne ausgerichtet waren, sodass das Wasser an seiner Oberfläche bis zu einer Bodentiefe von einem halben Meter flüssig war. Mit Hilfe eines zwei Meter langen Roboterarms soll "Phoenix" bis in diese Tiefe bohren, von dort Proben entnehmen und vor Ort untersuchen.

"Manche Mikroorganismen können sich in eine Art Winterschlaf begeben und darin mehrere hunderttausend Jahre lang überleben", erläutert Smith. Allerdings wisse niemand genau, wie lange sich dieser Überdauerungszustand aufrecht erhalten lasse. In feuchten Zeiten könnten die Mikroorganismen auf dem Mars erwacht sein und sich vermehrt haben. Sobald die Bedingungen wieder schlechter wurden, hätten sie sich womöglich wieder in den Winterschlaf begeben, bis fünfzig- oder hunderttausend Jahre später die nächste Feuchtperiode kam.

Leben im gefrorenen Marsboden halten Astrobiologen für wahrscheinlicher als solches auf der Oberfläche des Planeten. Denn im Boden wären die Organismen besser vor der Strahlung aus dem Kosmos geschützt. "Phoenix" soll Proben aus dem schmutzigen Eis entnehmen und chemisch analysieren. "Wenn Wasserdampf aus dem Boden aufsteigt", erklärt Smith, "bleiben dort bestimmte Salze zurück." Fänden die Forscher solche Salze im Marsstaub, dann wäre das ein Hinweis darauf, dass es hier einst Wasser gab.

Wenn "Phoenix" im Mai 2008 an seinem Ziel ankommt, beginnt auf der nördlichen Marshalbkugel der Sommer. Die Sonne bescheint die Solarzellen der Sonde dann drei Monate lang so intensiv, dass diese ausreichend Strom für das Labor produzieren.

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