Man muss ein Teleskop nicht mit einer Rakete ins All schießen - ein großer Ballon tut's auch. Der Testflug eines solchen Ballons, der bis in die Stratosphäre aufsteigt, ist jetzt in den USA geglückt. "Sunrise" heißt das Projekt, bei dem Wissenschaftler die Sonne aus so großer Höhe beobachten wollen, dass die üblichen Störungen der Atmosphäre keine Rolle mehr spielen.
Mehr als 36 Kilometer Höhe erreichte der in New Mexico gestartete Ballon, der größer als Jumbojet ist. Zehn Stunden blieb er in der Luft. Das am Ballon befestigte Teleskop schoss dabei Fotos der Sonnenoberfläche, Instrumente sammelten weitere wissenschaftliche Daten. Die aufgenommenen Bilder gleichen jenen, die man von Raumflügen kennt: Unter einem schwarzen Himmel schwebt man über der Erde, deren Krümmung man gut erkennen kann.
"Wir konnten sämtliche Funktionen der wissenschaftlichen Geräte testen", sagte David Elmore vom National Center for Atmospheric Research (NCAR), "jetzt können wir guten Gewissens mit der Planung der ersten richtigen Mission beginnen". Nach dem zehnstündigen Test wurde das Teleskop vom Ballon abgekoppelt und kehrte an einem Fallschirm zur Erde zurück.
Sunrise ist ein Projekt, an dem neben US-Forschern auch das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung aus Katlenburg-Lindau, das Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik und das Instituto de Astrofisica de Canarias aus Teneriffa beteiligt sind.
Die Forscher glauben, dass sie mit dem Ballon Vorgänge auf der Sonne beobachten können, die ihnen bislang verborgen blieben. "Wir hoffen, dass wir die wichtigsten Mysterien des Magnetfelds aufklären können", sagte NCAR-Direktor Michael Knölker. Das Magnetfeld der Sonne ist von großer Bedeutung, denn es hat Auswirkungen bis zur Erde.
Beginn einer neuen Ära von Ballonmissionen?
Bei heftigen Sonneneruptionen breiten sich geladene Teilchen und Magnetfelder weit ins Sonnensystem hinein aus. Treffen sie auf das Magnetfeld der Erde, entsteht ein Magnetsturm: Polarlichter zucken selbst in niedrigen Breiten über den Himmel, Satelliten fallen aus, Funkverkehr und GPS-Empfang werden gestört, zuweilen treten selbst größere Stromausfälle auf. Sogar Öl-Pipelines könnten anfällig sein. Das Feld wirkt zugleich indirekt auf das Klima der Erde, denn Schwankungen im Magnetfeld der Sonne beeinflussen auch die herkömmliche Sonnenstrahlung.
Sunrise könnte zugleich den Beginn einer neuen Ära von wissenschaftlichen Ballonmissionen markieren. Es ist deutlich billiger, Geräte an einem Ballon aufsteigen zu lassen, statt sie an Bord eines Raumschiffs ins All zu schießen. Zudem können Instrumente an einem Ballon ausgiebig getestet werden, bevor man sie mit einer Rakete startet. Fliegt ein Satellit erst einmal in einem Erdorbit, ist es für Änderungen oder Reparaturen zu spät - oder diese werden extrem teuer.
Das Sonnenteleskop soll in 36 Kilometern Höhe schweben - oberhalb der meisten atmosphärischen Störungen. Die UV-Strahlung der Sonne ist in diesen Höhen noch nicht durch Wasserdampf oder Ozon abgeschwächt. Das ermöglicht Aufnahmen im UV-Bereich in höherer Auflösung als mit Teleskopen, die sich auf der Erde befinden.
Für den Sommer 2009 ist ein zweiwöchiger Sunrise-Flug über der Arktis geplant. Im schwedischen Kiruna soll der Ballon starten. Um die Sonnenwende herum kann das Teleskop die Sonne kontinuierlich beobachten - ein weiterer Vorteil derartiger Ballonmissionen. Die Forscher können so quasi ohne Unterbrechung zuschauen, wie sich das Magnetfeld der Sonne ändert.
hda
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