Aus 800 Kilometern Höhe beobachtet der Esa-Satellit "Envisat" die Erde. Mit an Bord hat er die "Meris"-Kamera, die unter anderem Informationen über den Chlorophyll- und Schwebeteilchengehalt der Weltmeere liefert. Am 7. Mai hat der Satellit mit genau dieser Kamera die Nordsee vor der Küste Ostschottlands ins Visier genommen. Diese Meeresregion wird derzeit von einer massiven Algenblüte heimgesucht, die auf dem Bild auch gut zu erkennen ist.
Viel Sonneneinstrahlung und Wassertemperaturen von 10 bis 15 Grad sorgen dafür, dass sich unter anderem die Schaum- oder Schleimkugelalge (Phaeocystis) gut vermehren können. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat auf Norderney bis zu 25.500 Algenkolonien pro Liter Meerwasser gemessen. Das sei ein Messwert, der bisher nur viermal seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1985 überschritten wurde. Die Algen sorgen dafür, dass sich das Wasser trübt und braungrün schimmert. Außerdem müssen Badegäste einen unangenehmen Geruch aushalten, weil die Algen Schwefelverbindungen produzieren.
Ist die Algenblüte nach dem Verbrauch des Nährstoffs im Wasser - also vor allem Stickstoff - zu Ende, dann setzen die abgestorbenen Zellen Eiweiß frei. Dadurch können sich größere Mengen Schaum an den Stränden bilden, der aber völlig ungefährlich ist.
Für viele Meeresbewohner bleibt die Algenblüte indes nicht folgenlos. Die verwelkenden Algen selbst produzieren giftige Substanzen - und wenn sie zu Boden sinken, werden sie von Bakterien zersetzt. Dabei wird der gesamte Sauerstoff des Wassers in der Umgebung verbraucht. Es entsteht eine Todeszone im Meer.
chs
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