Der Name ist Programm. Denn wie ihr mythischer Namenspatron - ein Vogel der regelmäßig verbrennt und sich aus seiner Asche wieder neu erschafft - hat auch die US-Raumsonde "Phoenix" eine respektable Wiederauferstehung hinter sich. Eigentlich war der Planetenspäher vor acht Jahren schon einmal mausetot. Im Frühjahr 2000 hatte die US-Weltraumbehörde Nasa ihre geplante Mission "Mars Surveyor 2001 Lander" abgesagt.
Schuld daran waren zwei andere Mars-Einsätze, die wenige Monate zuvor spektakulär in die Hose gegangen waren: Der "Mars Climate Orbiter" war wegen eines Schusseligkeitsfehlers in eine viel zu niedrige Marsumlaufbahn geschickt worden und in der Atmosphäre zerbröselt. Der "Mars Polar Lander" schlug aufgrund eines technischen Problems wahrscheinlich ungebremst auf der Marsoberfläche auf - und blieb für immer still.
In dieser Situation mussten die Nasa-Offiziellen unter allen Umständen das Risiko eines weiteren Fehlschlags vermeiden. Die dritte Mission wurde also gestrichen, und die fast fertige Sonde in einem Reinraum bei Lockheed Martin in Denver eingelagert. Konnte man ja vielleicht irgendwann noch mal brauchen, das Ding.
Und tatsächlich: Nach drei Jahren Bedenkzeit besannen sich die Raumfahrtmanager und beschlossen, die Sonde technisch aufzuhübschen. Im Jahr 2007 dann die Wiederauferstehung als "Phoenix": Die Sonde wurde doch noch zum Mars geschickt, als Teil des "Mars Scout"-Programms, mit dem kleinere - und vor allem billigere - Sonden zur Planetenerkundung getestet werden sollen.
Seit ihrem Start im vergangenen August hat "Phoenix" fast 700 Millionen Kilometer hinter sich gebracht. Am Sonntag soll die Sonde nun in der Nähe des Marsnordpols landen. Eine schwere Aufgabe: Der kosmische Späher muss mit Fallschirm und Bremsraketen von 20.000 Kilometern pro Stunde zunächst auf weniger als 10 Kilometer pro Stunde abgebremst werden, um dann möglichst sanft auf der Marsoberfläche aufzusetzen. Das Manöver ist so delikat, dass man bei der Nasa Angst vor einem ungebremsten Aufschlag hat.
"Das wird kein Spaziergang", sagt Manager Ed Weiler. "Eine Sonde sicher auf dem Mars aufsetzen zu lassen, ist kompliziert und risikoreich." Denn von rund einem Dutzend Mars-Landeversuchen sind über die Jahre noch nicht einmal die Hälfte geglückt, nur fünf Sonden kamen wohlbehalten an.
Die Europäer wollen das komplizierte Bremsmanöver in der Marsatmosphäre mit ihrer eigenen Sonde "Mars Express" beobachten - aus 400 bis 2500 Kilometern Abstand. Die Nasa hat die Landestelle für "Phoenix" eingehend untersucht und hofft, dass sie tischeben und so gut wie felsfrei ist. Der Schuss muss sitzen, denn die dreifüßige Sonde ist an ihren Landeort gebunden und kann nicht wie die Mars-Roboter "Spirit" und "Opportunity" über die Marsoberfläche rollen. Mit einem Roboterarm aus Aluminium und Titan soll "Phoenix" Proben aus dem Permafrostboden holen. Ab dem zehnten Marstag der Mission soll die Buddel-Aktion starten, jeden Tag soll zwei Stunden lang im gefrorenen Boden gekratzt werden.
"Der Mars hat in seiner Frühzeit eine Menge Wasser gehabt"
Gut 50 Zentimeter tief kann die Sonde mit der Mini-Schaufel graben. Bereits kurz unter der Oberfläche hoffen die Forscher auf Wassereis zu stoßen. "Der Mars hat in seiner Frühzeit eine Menge Wasser gehabt, das noch irgendwo unter der Oberfläche vorhanden sein muss", sagt der Berliner Planetenforscher Gerhard Neukum im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
Die alles entscheidende Frage ist nach wie vor: Gibt - oder gab - es Leben auf dem Mars? "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es Leben am trockenen Marsäquator gibt, wenn, dann nur an den Polen", sagt Planetenforscher Neukum. Für einen direkten Nachweis von Leben - zum Beispiel in Form von Bakterien - fehlen "Phoenix" allerdings die Instrumente. Bestenfalls indirekte Hinweise könnten sich im freigeschaufelten Bodenmaterial finden. Auf der Oberseite verfügt die Sonde über einen eigenen Mini-Ofen. In ihm sollen die Bodenproben erhitzt und dann ihre chemische Zusammensetzung analysiert werden.
Drei Monate geben die Nasa-Forscher ihrem Marslabor. Doch solche Zeitrahmen sind nicht in Stein gemeißelt. Die beiden Rover "Spirit" und "Opportunity" machen vor, dass selbst nach mehrfachem Ablauf der geplanten Lebensdauer aufsehenerregende Ergebnisse zu erwarten sein können. Um ebenfalls eine Mars-Erfolgsgeschichte schreiben zu können, muss "Phoenix" aber zunächst die Landung am Wochenende überstehen - am besten unbeschadet. Eine Wiederauferstehung hat das Gerät schließlich schon hinter sich. Und die ist genug.
Mit Material von dpa
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