Montag, 23. November 2009

Wissenschaft



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13.06.2008
 

Erste interstellare Werbebotschaft

Kauft Chips, Aliens!

Von Christoph Seidler

Spam fürs Weltall: Radioastronomen in der Arktis haben Werbegeschichte geschrieben und den Zwergstern "47 Ursae Majoris" mit einer sechsstündigen Dauerreklamebotschaft bombardiert. Wenn es dort Außerirdische gibt, müssen sie einen Promo-Spot ertragen - über amerikanische Tortillachips.

Longyearbyen - Die Werbe-Pioniertat ereignete sich auf Spitzbergen, nur etwas mehr als 1000 Kilometer vom Nordpol entfernt. Sechs Stunden lang sendeten die Anlagen des europäischen Forschungsprogramms EISCAT eine 30-Sekunden-Botschaft ins rund 42 Lichtjahre entfernte Sternbild Großer Bär.

Tortilla-Chips: Werbebotschaft für "47 Ursae Majoris"
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AP

Tortilla-Chips: Werbebotschaft für "47 Ursae Majoris"

Der Inhalt der interstellaren Botschaft: Nicht Friedenswünsche oder Grüße, keine Informationen über das Sonnensystem, den Planeten Erde, den Homo sapiens. Stattdessen: Werbung. Das Teleskop schickte den Spot eines US-Produzenten von Tortilla-Chips ins All. Als MPG-Datei, codiert in Nullen und Einsen (siehe Video). Erdacht hatte den in Stop-Motion-Technik realisierten Streifen ohne Alien-spezifische Inhalte ein 25-Jähriger Chipskäufer aus Großbritannien.

Ziel war "47 Ursae Majoris", ein gelber Zwergstern, der unserer Sonne ähnelt. Astronomen haben zwei Exoplaneten entdeckt, die ihn umkreisen, vergleichbar mit Saturn und Jupiter. Gasriesen, die mit großer Wahrscheinlichkeit unbelebt sind. Aber die Astronomen haben noch Hoffnung: "Es gibt gute Chancen, dass es dort einen erdähnlichen Planeten gibt", sagte EISCAT-Chef Tony van Eyken. Dieser sei im Zweifelsfall nur so klein, dass man ihn bisher nicht habe entdecken können.

Im Prinzip findet natürlich auch jede Werbebotschaft, die über das normale Fernsehen ausgestrahlt wird, ihren Weg in die Weiten des Universums. Doch mit dem von Chips-Kunden gestalteten Spot wurde zum ersten Mal eine Werbebotschaft direkt an die außerirdische Zielgruppe adressiert. Auch technisch: EISCAT-Chef van Eyken sprach von einem der klarsten Signale der Erde. Das werbetreibende Teleskop funktioniere quasi wie "ein Leuchtturm, der aus unserem Sonnensystem herausstrahlt."

Es war eine Win-Win-Situation: Für den beteiligten Chipshersteller war die Aktion vor allem aus PR-Gründen interessant, für die beteiligten Radioastronomen ging es ums Geld. Im vergangenen Jahr hat der Forschungsrat in London angekündigt, keine britischen Wissenschaftler bei EISCAT mehr bezahlen zu wollen. Das Programm betreibt Radioteleskope an drei Standorten in Nordeuropa und kümmert sich vor allem um die Erforschung der oberen Atmosphäre.

Wie viel Geld sich der Chips-Hersteller die Aktion kosten lässt, wurde nicht öffentlich gemacht. Die Werbewirkung könnte allerdings recht begrenzt sein: Sollten außerirdische Lebewesen nach Empfang des Spots tatsächlich Hunger auf Tortillas bekommen, würde ihre Antwort eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Bestenfalls in 80 Jahren könnten Bestellungen auf der Erde eintrudeln.

Deswegen soll der Werbespot am Wochenende auch im britischen Fernsehen ausgestrahlt werden - damit bis zur Erschließung neuer Zielgruppen wenigstens die Erdlinge brav Chipstüten kaufen.

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