Mars-Sonde "Phoenix"
Nasa rätselt über weiße Substanz im Marssand
Ist es Eis, oder ist es Salz? Seit rund drei Wochen gräbt die Marssonde "Phoenix" im roten Sand des Mars nach Spuren von Wasser und Leben. In einem Graben hat sie nun eine rätselhafte weiße Substanz gefunden.
Es könnte der erste Hinweis auf Wasser sein, nach dem die Marssonde "Phoenix" hier am Nordpol des Mars seit nunmehr schon drei Wochen sucht. Die rätselhaften weißen Flecken im roten Marssand sind nach Meinung der Forscher entweder Eis oder Salz.
In den Gräben, die "Phoenix" mit seinem Roboterarm gebuddelt hatte, stieß die Sonde auf die weiße Substanz. Um ihre Beschaffenheit zu klären, wird die Sonde nun über mehrere Tage Fotos machen. Sollte es sich um Eis handeln, erwarten die Forscher, dass es verdampfen wird, sobald es der Sonne ausgesetzt wird.
"Wir glauben, dass es Eis ist", sagte der an der Mission beteiligte Wissenschaftler Ray Arvidson von der Washington University. "Aber wir können es nicht mit Bestimmtheit sagen, bis wir es verschwinden sehen."
Doch selbst wenn es sich nicht um Eis, sondern um Salz handeln sollte, wäre die Entdeckung ein bedeutsamer Hinweis auf das einstige Vorhandensein von Wasser. Salz würde zurückbleiben, wenn Wasser im Boden verdunstet wäre.
In ihrem Ofen hatte die Sonde letzte Woche eine Sandprobe erhitzt und analysiert. Vorläufige Ergebnisse zeigten jedoch keine Spuren von Wasser oder Eis. Die Wissenschaftler planen, die Probe nochmals auf knapp tausend Grad Celsius zu erhitzen.
"Phoenix" war am 25. Mai auf dem Mars gelandet. Die Sonde soll mit ihrem 2,40 Meter langen Roboterarm mindestens 90 Tage lang im Permafrost graben und nach Spuren von Leben suchen.
DIE PHOENIX-MISSION IM ÜBERBLICK
Ursprünglich sollte die Sonde als "Mars Surveyor 2001 Lander" schon vor sieben Jahren zum Mars abheben. Doch weil die Landung einer früheren Forschungssonde, des "Mars Polar Lander", im Dezember 1999 nahe des Marssüdpols zum Flop wurde, stoppte die Nasa das Programm. Die bereits fertiggestellten Bauteile wurden eingelagert - und bildeten mit einiger Verzögerung das Grundgerüst der Sonde "Phoenix", die schließlich im August 2007 starten durfte. Insgesamt kostet das Programm 420 Millionen Euro.
Der 350 Kilo schwere "Phoenix"-Lander ist in der Nähe des Marsnordpols gelandet. Im Gegensatz zu den Nasa-Rovern "Spirit" und "Opportunity" - und der verlorengegangenen Esa-Sonde "Beagle 2" - ermöglichten nicht Airbags die sanfte Landung auf der Planetenoberfläche, sondern ein Fallschirm und Bremsraketen. Die Landestelle hatte die Nasa mit dem "Mars Reconaissance Orbiter" untersucht.
Nach der Landung hat sich "Phoenix" nun an die wissenschaftliche Arbeit gemacht. Die Sonde ist stationär, kann also nicht wie die Rover "Spirit" und "Opportunity" über die Marsoberfläche rollen. Mit einem Roboterarm kann "Phoenix" bis zu 50 Zentimeter tief im Marsboden graben. Proben von dort werden dann mit Hilfe von acht kleinen Schmelzöfen, einem Massenspektrometer, zwei Mikroskopen und einem kleinen nasschemischen Labor untersucht. Auch eine Kamera und eine Wetterstation hat "Phoenix" an Bord.
Die Forscherteam um Chefwissenschaftler Peter Smith von der University of Arizona will herausfinden, ob es in der Nordpolregion des Mars Leben gegeben haben könnte - oder noch gibt. Zunächst soll das Forschungsprogramm der Sonde 90 Marstage ("Sol") dauern. Wenn die Instrumente auch danach noch funktionieren, kann die Mission verlängert werden.
Eine Kamera aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau soll eine entscheidende Rolle bei der Suche nach gefrorenem Wasser im Marsboden spielen. Das Gerät kann sowohl Makroaufnahmen von Bodenproben mit einer Auflösung von 50 Mikrometern (dem Viertel der Dicke eines menschlichen Haares) als auch Bilder der Umgebung und zur Not sogar großflächige Aufnahmen der Marslandschaft liefern.
lub