• Drucken
  • Senden
  • Feedback
25.07.2008
 

50 Jahre Nasa

Die Welt(t)raumbehörde

Von Holger Dambeck und Christoph Seidler

2. Teil: Die frühen Tage: Mit deutscher Technologie ins All

Prägend für die frühen Tage der US-Raumfahrt waren die "Paperclip Boys", eine Gruppe deutscher Raketenforscher, die ab dem Sommer 1945 in die USA gebracht wurden. Denn die Amerikaner bedienten sich kräftig bei Hitlers Ingenieuren. Führender Kopf war Wernher von Braun, der in Peenemünde an der V2-Rakete gearbeitet hatte, mit der die Deutschen im Krieg vor allem britische, französische und belgische Städte ins Visier genommen hatten. Die US-Öffentlichkeit erfuhr nach dem Krieg erst mit einem Jahr Verspätung von dem Know-how-Import aus Feindesland - und reagierte in vielen Fällen mit Ablehnung. Potenzielle Kriegsverbrecher wollte man nur ungern in eigenen Diensten haben. US-Comedian Tom Lehrer widmete von Braun einen zynischen Song, in dem er dessen schnellen Seitenwechsel aufs Korn nahm (siehe Video unten).

Doch das Wissen der Deutschen war den US-Behörden zu wichtig, um sich auf langwierige Diskussionen einzulassen: die Antriebstechnologie mit Alkohol und flüssigem Sauerstoff, eine Technik zur aktiven Kurskontrolle der Rakete während des Fluges und so weiter. Aller Kritik zum Trotz: Die Deutschen blieben in den USA, viele wurden später sogar eingebürgert. Von Braun und seine Leute starteten zunächst in White Sands, New Mexiko rund 60 V2-Raketen, später zogen sie nach Huntsville, Alabama um. Aus den einstufigen deutschen Raketen entwickeln sie bald schon mehrstufige Modelle. Auftraggeber war die Army Ballistic Missile Agency (ABMA).

Treibende Kraft der US-Raketenprogramme war die Angst vor der Sowjetunion, die sich ebenfalls deutsches Wissen gesichert hatte. "Die amerikanischen Raketenleute leisten der Kriegswissenschaft ihre Dienste mit einem weinenden und einem lachenden Auge. In friedlichen Zeiten würden sie um jeden Cent betteln müssen. Unter der Dringlichkeitsstufe 'kriegswichtig' sitzen die Staatsdollars locker", schrieb der SPIEGEL im Jahr 1950. Wichtig war vor allem die Arbeit von Brauns und seines Kollegen Walter Dornberger an der "Redstone", einer atomaren Kurzstreckenrakete für die US-Armee.

Doch die Raketenbastler hatten viel größere Träume: "Am Ende der Großraketenentwicklung wird das bemannte Weltraumschiff stehen, das der Rakete ihr ureigenstes Feld, den freien Weltraum, erschließen wird", warb von Braun. Doch die im wahrsten Sinne des Wortes hochfliegenden Pläne wurden zunächst von beunruhigenden Nachrichten wertlos gemacht.

Schuld daran war ein klar hörbares Piepsen aus dem All. Der sowjetische "Sputnik" kreiste ab dem 4. Oktober 1957 um die Erde und bewies die technologische Überlegenheit des Ostblocks. "In jener Nacht wurde den amerikanischen Wissenschaftlern eindringlich demonstriert, wie hilflos sie einem Feuerschlag interkontinentaler Fernraketen ausgesetzt wären, die ungleich schwerer zu orten sind, als ein ständig Funkzeichen ausstrahlender Satellit", schrieb der SPIEGEL. Der künstliche Erdtrabant aus Aluminium versetzte die Amerikaner in einen kollektiven Schockzustand. Die United States Information Agency berichtete in einem vertraulichen internen Memo, die Öffentlichkeit sei von der Demonstration der technologischen Leistungsfähigkeit Moskaus durchaus beeindruckt - und in Zukunft wohl eher geneigt, der Kreml-Propaganda mehr Glauben zu schenken.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Weltall

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP