Von Holger Dambeck und Christoph Seidler
Am 1. Februar 1958 hob eine "Juno"-Rakete der Army mit dem Satelliten "Explorer 1" an Bord von Cape Canaveral in Florida ab. Mit Hilfe des fliegenden Spähers entdeckten die Wissenschaftler den mächtigen Strahlungsgürtel um die Erde, der aus geladenen Teilchen besteht - ein großer Erfolg. Es war eine weiterentwickelte Version der V2, die den ersten US-Satelliten ins All brachte. Zuvor waren Versuche der Navy im Rahmen des "Vanguard"-Programms spektakulär gescheitert.
Immerhin, der erste künstliche Erdbegleiter amerikanischer Bauart war im All - allerdings hatten es die Sowjets sogar noch vorher geschafft, ihren zweiten "Sputnik" auf den Weg zu bringen - mit der Hündin "Laika" an Bord, die allerdings schon nach wenigen Stunden starb.
Washingtons Raumfahrtprogramm, geschwächt durch die Konkurrenz zwischen militärischen und zivilen Teams steckte noch in den Kinderschuhen - und war unfähig, den ambitionierten Sowjets Paroli zu bieten. Eilig wurden zwischen dem US-Kongress und Präsident Dwight Eisenhower ein Gesetz, der " National Aeronautics and Space Act", ausgehandelt. Streitpunkt zwischen dem Präsidenten und dem Parlament war, wie stark der Einfluss der Militärs in der neuen Organisation sein würde. Eisenhower favorisierte eine zivil ausgerichtete Behörde. Außerdem ging es um die Frage, wie viel Einfluss das politische Aufsichtsgremium der Nasa haben würde. Man einigte sich schließlich auf ein machtvolles Gremium, gegen das sich der Präsident lange gesträubt hatte - aus Angst vor einem Machtverlust.
Start mit 8000 Angestellten
Das Gesetz, das der Präsident am 29. Juli 1958 unterschrieb, bündelte alle nichtmilitärischen Weltraumaktivitäten des Landes unter dem Dach der neuen Weltraumbehörde National Aeronautics and Space Administration (Nasa) - zum Wohle "der gesamten Menschheit", wie es im Gesetzestext heißt. Eisenhower wurde Chef des Aufsichtsgremiums, damit war auch diese Frage geklärt. An die Führungsspitze der neuen Organisation wurden der Elektrotechniker Keith Glennan vom Case Institute of Technology in Cleveland und Hugh Dryden gewählt.
Offiziell ging die Nasa am 1. Oktober 1958 an den Start. Das Inventar: etwas mehr als 8000 Mitarbeiter, drei größere Laboratorien (das Langley Aeronautical Laboratory, das Ames Aeronautical Laboratory und das Lewis Flight Propulsion Laboratory) und zwei kleinere Teststände. Für all das gab es ein Budget von 100 Millionen Euro.
Mit vergleichsweise bescheidenen Ressourcen wollte die neue Organisation dem Kampf um die Vorherrschaft im All aufnehmen - und erlitt gleich die nächste Niederlage. Während Nasa-Forscher im Rahmen des Projektes "Mercury" untersuchten, ob und wie Menschen im All überleben können, schickten die Sowjets im April 1961 mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins All.
Der Affe, der ertrinken musste
Die Nasa-Teams hatten es gerade einmal geschafft, mit dem bemitleidenswerten "Gordo" einen Totenkopfäffchen ins All zu schicken, der bei der missglückten Landung im Südatlantik jämmerlich ersoff. Beim bemannten Flug ins All blieb den Amerikanern also ebenfalls nur der zweite Platz als Alan Shepard am 5. Mai 1961 mit "Freedom 7" einen ballistischen Flug absolvierte. Der erste Nasa-Astronaut, der die Erde komplett umkreiste, flog ein Dreivierteljahr später: John Glenn mit "Friendship 7".
Eine Initialzündung für Amerikas Engagement im All war eine Rede, die Präsident John F. Kennedy im Mai 1961 hielt. Darin kündigte er an, dass Nasa-Astronauten bis zum Ende des Jahrzehnts auf dem Mond stehen würden. Das "Apollo"-Programm begann - und mit ihm die vielleicht spektakulärste und kostspieligste Aufholjagd in der Geschichte der Wissenschaft.
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