Mittwoch, 10. Februar 2010

Wissenschaft



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29.07.2008
 

Bransons Traumflugzeug

"Eve" schickt Touristen auf Weltall-Reise

Einmal die Erde von oben sehen - bald soll das für Hunderte Weltraumtouristen möglich sein. Milliardär Richard Branson hat jetzt das Trägerflugzeug für sein kommerzielles "Space Ship Two" vorgestellt. Kostenpunkt: 200.000 Dollar für zweieinhalb Stunden Reisen und fünf Minuten Schweben.

New York/Los Angeles - Die Sektkorken knallten in der kalifornischen Mojave-Wüste. Dort präsentierte der britische Milliardär Richard Branson jetzt einen weiteren entscheidenden Baustein für die kommerzielle Raumfahrt - das lange erwartete Trägerflugzeug "White Knight Two" für das "Space Ship Two". Das weiße Flugzeug hat schon einen Spitznamen: "Wir nennen es Eve", "Eva", sagte der Unternehmer vor den geladenen Gästen, "nach meiner Mutter Eve Branson, aber auch, weil es für einen ersten und neuen Anfang steht."

Bransons Unternehmen Virgin Galactic arbeitet seit vier Jahren mit dem US-Flugzeugdesigner Burt Rutan unter größter Geheimhaltung an dem Projekt. Rutan war auch der Entwickler des Raketenflugzeugs "Space Ship One", das 2004 zweimal aus der Mojave-Wüste in den Weltraum vorstieß.

Branson war von dem Projekt so angetan, dass er die Technik kaufte und nun mit der weiterentwickelten Version erste Touristen ins All schicken will. Insgesamt erwartet Virgin Galactic mehr als 250 Millionen Dollar Entwicklungskosten.

Das Trägerflugzeug soll die eigentliche Raumkapsel "Space Ship Two" auf mehr als 15.000 Meter Höhe befördern und dort ausklinken - erst dann startet der Raketenantrieb und bringt "Space Ship Two" auf eine Höhe von hundert Kilometern, an die Grenze zum Weltraum.

Das Mutterschiff für die Reise ist nun also komplett; die Raumkapsel, "Space Ship Two", ist nach Bransons Angaben zu 70 Prozent fertig. Sie soll im kommenden Jahr präsentiert werden und erste Testflüge unternehmen.

Virgin Galactic plant, den ersten Touristenflug im Jahr 2010 oder 2011 zu starten. Unter den ersten Reisenden werden der Physiker Stephen Hawking, die Schauspielerin Victoria Principal und der Designer Philippe Starck sein. "Das System wird Tausenden Menschen erlauben, ihren Traum zu verwirklichen, und es wird den Zugang der Menschen zum All verändern", sagt Branson. Weltweit gebe es bisher insgesamt 250 Interessenten. Verbindlich angemeldet ist auch die 31-jährige Sonja Rohde, die damit die erste deutsche Frau im All sein wird.

Rohde war nach Angaben des Münchner Reiseveranstalters Designreisen bei der Präsentation in Kalifornien anwesend. Das Unternehmen verkauft in Deutschland die Flüge ins All. Kostenpunkt: 200.000 Dollar (127.000 Euro) für einen Zweieinhalb-Stunden-Trip - mit gut fünf Minuten Schwerelosigkeit. Macht rund 666 Dollar pro Sekunde.

Im vergangenen Jahr hatte Bransons Projekt einen Rückschlag erlitten, nachdem bei einer schweren Explosion auf dem Testflughafen drei Techniker ums Leben gekommen waren. Neben Virgin Galactic gibt es noch andere Wettbewerber für den kommerziellen Wettlauf ins All, unter anderem

  • das europäische Unternehmen EADS Astrium
  • Blue Origin, eine Firma des Amazon-Gründers Jeff Bezos
  • Xcor, eine Firma, die einen Billig-Weltallflieger plant
  • Space Exploration Technologies Corp (SpaceX), eine Firma des PayPal-Gründers Elon Musk
  • Rocketplane Kistler
  • Bigelow Aerospace will Weltraum-Hotels errichten
  • Space Adventures of Vienna, Virginia - zurzeit noch Marktführer; dieses Unternehmen hatte im Jahr 2001 den ersten Weltraumtouristen, Dennis Tito, an Bord einer russischen Sojus zur Internationalen Raumstation ISS befördert
  • eine Firma aus Sachsen-Anhalt, die an einem Raketenflugzeug für Weltraumtouristen arbeitet

Doch Bransons Virgin Galactic ist das wohl wichtigste dieser neuen Weltall-Reiseunternehmen. Schon das Trägerflugzeug "White Knight Two" besticht durch mehrere Superlative: Es ist ganz aus Kohlefaser gefertigt, einem besonders leichten, aber sehr belastbaren Verbundmaterial. Die Spannweite beträgt rund 42 Meter - der Tragflächenholm ist damit den Angaben zufolge das längste Einzelteil, das in der Luftfahrt je aus Kohlefaser hergestellt wurde. Die Maschine sei so energiesparend wie bisher kein Flugzeug der Luftfahrtgeschichte.

lub/dpa/Reuters

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